Die Krise der Volksparteien Im Strudel der SPD


Der Absturz der SPD zieht auch die Union mit nach unten, urteilt Merkel-Biograf und Parteienforscher Gerd Langguth im Café Einstein, denn das Prinzip Volkspartei gerät in die Krise. Besonderen Schaden, findet der Professor, könnte dabei die CSU nehmen, denn die kämpft derzeit um ihr Überleben.
Von Hans Peter Schütz

Die Volkspartei SPD ist zweifellos in der Krise. Gibt es auch eine Krise der Volkspartei CDU/CSU? Ja, sagt der Bonner Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth, Autor der bisher gründlichsten Biografie über Angela Merkel. Kenner der CDU ist Langguth auch, denn er saß früher einmal für sie im Bundestag. Im Gespräch mit stern.de im Café "Einstein" in Berlin sagte er: "Es gibt eine Krise aller beiden Volksparteien. Auch ein Stück weit bei der CDU, aber die Krise ist schwächer ausgeprägt als bei der SPD." Überraschend sei das nicht, meinte der Professor. "Mit den dramatischen Werten der SPD (sie pendelt zurzeit zwischen 20 und 25 Prozent d.Red.) ist das kein Wunder, denn wenn die eine Volkspartei schlechte Werte hat, dann zieht sie die andere auch ein Stück weit gleichzeitig mit runter." In der Union laufe derzeit außerdem ein "Überlebenskampf" der CSU. Denn wenn diese unter 50 Prozent falle, "dann wäre das eine große Katastrophe."

CSU im Überlebenskampf

Die Union darf allerdings hoffen, so der Politikwissenschaftler. Angela Merkel erreiche anders als einst ihr Vorgänger Helmut Kohl glänzende persönliche Werte. "Und man kann natürlich davon ausgehen, dass Merkel bei den nächsten Wahlen dann ihre Partei auch ein Stück weit mit hoch zieht durch ihr Image."

Langguth räumte auf die Frage, ob die Kanzlerin denn nicht irgendwie heimatlos sei in der Union, ein Problem ein. "Sie ist nicht heimatlos, aber sie ist natürlich nicht ein typisches CDU-Gewächs, das mit langem Wurzelwerk ausgestattet ist, wie das die Eiche Helmut Kohl beispielsweise war." Insofern tue sich Merkel zuweilen schwer, den Erwartungen des klassischen CDU-Stammwählers zu entsprechen. Kritik jener Zielrichtung, dass die Kanzlerin zu wenig führe und zu viel moderiere, ließ der Professor nicht gelten. In einer Großen Koalition "muss eine Kanzlerin auch sehr stark moderieren. Ich glaube aber, dass sie in vielen Dingen viel mehr führt als sichtbar wird."

Mit Freude in die Jamaica-Koalition

Langguth hatte in seiner Merkel-Biografie die kühne These vertreten, sie habe alle Chancen, die Amtszeit von Kohl - 16 Jahre - zu erreichen. Unter der Voraussetzung, dass die Linkspartei weiterhin von der SPD nicht als ganz normale Partei akzeptiert werde, sagte er jetzt, sehe er keine Chance für eine Koalitionsmehrheit unter Führung der SPD.

Er fügte hinzu: "Angela Merkel ist für jede Koalition gut. Für eine Große Koalition, für eine kleine Koalition mit der FDP und sie ist auch für eine Jamaica-Koalition mit der FDP und den Grünen gut. Ich glaube, letzteres würde sie sogar ganz gerne machen. Trittin und Künast zu domestizieren, das wäre für sie eine große Freude.


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