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Die Morgenlage: Bis zu 30 Prozent: Notenbank befürchtet massiven US-Wirtschaftseinbruch

Düstere-Prognose für US-Wirtschaft +++ Auch Japan stürzt in die Rezession +++ In Deutschland plädiert CDU-Wirtschaftsrat für erweiterte Ladenöffnungszeiten +++ Die Nachrichtenlage am Montagmorgen.

Fed-Direktor Jerome Powell

Fed-Direktor Jerome Powell: Die US-Notenbank geht von einem dramatischen Einbruch der US-Wirtschaft um bis zu 30 Prozent im laufenden Quartal aus

AFP

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser,

die USA sind weiter das mit Abstand am härtesten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. 1,48 Millionen Infektionsfälle und fast 90.000 Todesfälle wurde dort bis Montagmorgen verzeichnet. Das Virus und die gegen seine Ausbreitung verhängten Ausgangsrestriktionen und anderen Maßnahmen haben in den Vereinigten Staaten die Wirtschaftsaktivität in vielen Branchen weitgehend zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Betriebe mussten zumindest vorübergehend schließen. Die US-Notenbank Fed erwartet nun im zweiten Quartal einen massiven Konjunktureinbruch.

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Fed erwartet Konjunktureinbruch im zweiten Quartal um bis zu 30 Prozent

Die US-Notenbank Fed geht von einem dramatischen Einbruch der US-Wirtschaft um bis zu 30 Prozent im laufenden Quartal aus. Es sei gut möglich, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) infolge der Corona-Pandemie um 20 bis 30 Prozent abnehme, sagte Fed-Direktor Jerome Powell am Sonntagabend (Ortszeit) in einem Fernsehinterview. Allerdings erwartet er auch, dass die US-Wirtschaft bereits im dritten Quartal wieder etwas an Schwung gewinnt.

Im derzeitigen Quartal würden die US-Wirtschaftsdaten "sehr, sehr schlecht" ausfallen, sagte der Direktor der Federal Reserve dem Sender CBS. So rechnet er mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 20 bis 25 Prozent.

Schon im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung der USA um 4,8 Prozent geschrumpft. In der Bilanz für Januar bis März hatte sich die Pandemie aber noch nicht voll niedergeschlagen. Inzwischen verloren in den USA infolge der Krise bereits knapp 36,5 Millionen Menschen ihre Jobs. Die Arbeitslosenquote schnellte von 3,5 Prozent im Februar auf 14,7 Prozent im April hoch.

Dennoch erwartet Notenbankchef Powell nicht, dass die Rezession ähnliche Dimensionen erreichen wird wie einst während der großen Wirtschaftskrise in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Entscheidender Faktor sei dabei aber, dass die Ausbreitung des Coronavirus abnehme, betonte der Notenbankchef. Damit die US-Wirtschaft sich komplett erhole, sei es "vielleicht" nötig, dass es einen Impfstoff gegen den neuartigen Erreger gebe.

CDU-Wirtschaftsrat plädiert für erweiterte Ladenöffnungszeiten

Der CDU-Wirtschaftsrat plädiert für erweiterte Ladenöffnungszeiten, um die Folgen der Corona-Krise einzudämmen. Damit der Einzelhandel wieder auf die Beine komme und die Innenstädte nach der Krise nicht dauerhaft verödeten, müssten "großzügige Ausnahmeregelungen" vom Ladenschlussgesetz geschaffen werden, sagte der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, der "Passauer Neuen Presse". Denkbar seien etwa verlängerte Öffnungszeiten im Herbst und Winter oder auch mehr verkaufsoffene Sonntage.

Trotz der kurzfristig aufgelegten staatlichen Unterstützungsprogramme sei die Lage für den stationären Einzelhandel bedrohlich, zitierte die "Passauer Neue Presse" aus einem Papier des CDU-Wirtschaftsrats. Hochrechnungen schätzen demnach den Umsatzverlust im Nicht-Lebensmittel-Bereich allein während der ersten vier Wochen der Corona-Maßnahmen auf rund 30 Milliarden Euro. Dieser Verlust sei "in großen Teilen auch nicht wieder aufzuholen".

Corona-Krise stürzt Japan in die Rezession

Die Corona-Pandemie hat die japanische Wirtschaft in die Rezession gestürzt. Die Wirtschaftsleistung des Landes schrumpfte im ersten Quartal um 0,9 Prozent, wie die Regierung am Montag mitteilte. Bereits im letzten Quartal 2019 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) negativ entwickelt - Ursachen waren damals von Taifunen angerichtete Schäden sowie Steuererhöhungen. Volkswirtschaftler definieren eine Rezession als den Rückgang des BIP in mindestens zwei aufeinander folgenden Quartalen. Das japanische BIP schrumpfte im ersten Jahresquartal allerdings nicht ganz so deutlich wie von Analysten erwartet. Sie hatten mit einem Minus von 1,1 Prozent gerechnet.

Gepanschter Schnaps: Zahl der Toten in Mexiko auf 137 gestiegen

Mindestens 32 weitere Menschen sind seit vergangenem Donnerstag nach dem Konsum vermutlich verunreinigten Schnapses in Mexiko gestorben. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in vier Bundesstaaten seit Ende April auf insgesamt mindestens 137. Außerdem verzeichnete die Dominikanische Republik seit dem 7. April nach Regierungsangaben von vergangener Woche 177 Todesfälle, die auf das Trinken von gepanschtem Schnaps zurückgeführt werden.

Im zentralmexikanischen Bundesstaat Puebla starben inzwischen 70 Menschen, wie die Regionalregierung am Sonntag (Ortszeit) mitteilte. Weitere 15 Vergiftete würden noch in Krankenhäusern behandelt. Die Regierung des westlichen Bundesstaates Jalisco meldete, dass die Zahl der Toten seit dem 26. April dort von zuletzt 38 auf 42 gestiegen sei und sechs Menschen noch im Krankenhaus lägen. In den Bundesstaaten Morelos (18 Tote) und Yucatán (sieben) gab es keine Berichte über neue Todesfälle.

Das wird heute wichtig:

Brandenburger AfD-Landtagsfraktion berät über Kalbitz als Chef

Nach Aufhebung der AfD-Mitgliedschaft des Brandenburger Landeschefs Andreas Kalbitz durch die Bundesparteispitze berät die Landtagsfraktion, ob er dennoch an ihrer Spitze bleiben kann. In einer Sondersitzung am Montag in Potsdam will die Fraktion nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Änderung der Geschäftsordnung prüfen.

Maas berät mit Urlaubsländern über Öffnung für Touristen

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will am Montag (13 Uhr) mit seinen Kollegen aus beliebten Urlaubsländern der Deutschen darüber beraten, wie die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie nach und nach gelockert werden können. Zu der Videokonferenz sind Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien eingeladen.

Corona-Kabinett berät über Missstände in der Fleischindustrie

Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung tritt heute zusammen, um über die Missstände in der Fleischindustrie zu beraten. In mehreren Schlachtbetrieben Deutschlands hatte es in den vergangenen Wochen Corona-Ausbrüche gegeben. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Vorschläge einbringen, um das Arbeitsschutzgesetz zu ändern. Berichten zufolge sieht ein Beschlussvorschlag ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen in Schlachthöfen vor.

Video: Brasilien meldet mehr Virus-Infektionen als Italien und Spanien

Virtuelle Jahresversammlung der WHO zur Corona-Pandemie

Inmitten der Corona-Pandemie beginnt heute die Jahresversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Hauptthema der auf zwei Tage verkürzten virtuellen Tagung der WHO-Mitgliedstaaten ist die globale Antwort auf die Ausbreitung des Corona-Virus, an dessen Folgen bereits mehr als 300.000 Menschen gestorben sind. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von "einer der wichtigsten Jahresversammlungen" seit Gründung der WHO im Jahr 1948.

Seehofer und Söder besuchen deutsch-österreichische Grenze 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundesinnenminister Horst Seehofer und Landesinnenminister Joachim Herrmann besuchen gegen 14.30 Uhr die Grenze. Am Übergang zwischen Deutschland und Österreich in Freilassing wollen sich die CSU-Politiker einen Eindruck über die aktuelle Situation machen und über das weitere Vorgehen informieren. Wegen der Corona-Pandemie gibt es offiziell noch bis Mitte Juni Kontrollen an den Grenzen, diese sollen aber bereits seit diesem Wochenende nur noch stichprobenartig durchgeführt werden.

Fortsetzung im Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes 

In Koblenz wird am Montagmorgen (9.30 Uhr der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes wegen Foltervorwürfen fortgesetzt. Die 57 und 43 Jahre alten Männer sollen unter anderem Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Es soll sich um den weltweit ersten Strafrechtsprozess wegen mutmaßlicher syrischer Staatsfolter handeln. Erwartet wird an diesem Verhandlungstag die Einlassung des 57-jährigen Hauptangeklagten.

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Ihre stern-Redaktion

ivi / DPA / AFP