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Kommentar

Merkel besucht Trump: Zwei Strategien, ein Problem: Donald Trump und wie er die Welt sieht

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit ihrem Arbeitsbesuch in Washington nichts erreicht. Weder ihre noch die Strategie von Frankreichs Präsident Macron scheint aufzugehen: Donald Trump hat einfach keine Lust, an den transatlantischen Beziehungen zu arbeiten.

Angela Merkel besucht Donald Trump: Zwei Strategien haben die Europäer bei Donald Trump angewandt - keine hat funktioniert

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz wirkte es fast so, als heische Angela Merkel (l.) verzweifelt um die Gunst von Donald Trump

DPA

Es ist nicht so, dass keinen Fan in Washington hätte. Doch der sitzt an diesem Freitag nicht im Weißen Haus, sondern steht davor. Ein Mann hält ein Plakat mit Merkels Konterfei in die Luft, darauf steht: "Nur Demokratie kann den Terrorismus besiegen!" Angela Merkel, sagt der Mann vor dem Zaun, sei die Retterin der freien Welt.

, der Mann im Weißen Haus, sieht sich in allererster Linie als Retter Amerikas und damit die Welt ganz anders. Das wusste Angela Merkel vor ihrem zweiten Staatsbesuch bei Donald Trump, dementsprechend waren die Erwartungen auch nicht besonders hoch. 

Immerhin gab ihr Trump im Gegensatz zum befremdlichen ersten Besuch diesmal einen Handschlag, der Präsident gratulierte sogar zur Wiederwahl. Macht und Machterhalt imponieren ihm, selbst bei Angela Merkel, er kann da nicht anders. 

Und doch wirkte Angela Merkel ernüchtert, als sie mit dem amerikanischen Präsidenten vor die Presse trat. Sie hat mit ihrem zweistündigen Besuch nichts erreicht.


Donald Trump, der Kompromisslose

Es sieht nicht danach aus, dass sie Donald Trump davon abbringen konnte, Zölle gegen zu verhängen und das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. 

Es sieht eher danach aus, als sei mit diesem amerikanischen Präsidenten kaum mehr zu verhandeln. Sein Weltbild ist von der Vorstellung geprägt, dass die nicht genug abbekommen haben, dass seine Vorgänger sich hereinlegen lassen haben von anderen Premierministern und Präsidenten, die sich cleverer anstellten. Die USA, so fühlt es sich für ihn an, wurden hereingelegt. Und das erträgt er nicht.

"Wir brauchen eine wechselseitige Beziehung", sagte Trump und wies auf das Handelsdefizit der USA mit der EU hin. Er sprach davon, dass Deutschland und andere EU Staaten nicht genug für ihr Militär ausgeben würden: "Die NATO ist wundervoll, aber sie hilft Europa mehr als uns, warum also müssen wir den größten Anteil zahlen?" Auch beim Iran-Abkommen hielt er die Interessen der USA für zu wenig berücksichtigt, er will es deshalb wohl gleich ganz einstampfen.

Er hat sich so sehr hineingesteigert in die Vorstellung, sein Land sei zu kurz gekommen, dass er nur noch fordert und nichts mehr geben will.

Angela Merkel, das Arbeitspferd 

Angela Merkel versuchte, Trump Brücken zu bauen, Kompromisse zu finden und gleichzeitig bei ihrer Position zu bleiben. Sie sprach davon, dass das Iran-Abkommen nicht die beste Lösung sei, nur ein Anfang. Damit glaubte sie, eine Basis schaffen zu können für Verhandlungen. Sie irrte sich. Denn wie soll man einen Kompromiss finden mit einem, der glaubt, sein Land habe lange genug Kompromisse gemacht? 

Zwei Strategien haben die Europäer in dieser Woche bei Donald Trump angewandt. Der französische Präsident Emanuel Macron versuchte es mit viel Körperkontakt, Küsschen und Schmeichelei, es war ein großes Schauspiel. Er wurde mit 21 Salutschüssen begrüßt, pflanzte mit Trump einen Baum und blieb drei Tage. Diplomaten in Washington sagen: Er spielte das Zirkuspferd. Angela Merkel hingegen, so sagen sie, hatte die Rolle des Arbeitspferdes. Doch leider hat Donald Trump keine Lust, an den transatlantischen Beziehungen zu arbeiten.

Europa muss sich dem Trumpismus entgegensetzen

Und so wirkte es am Ende der gemeinsamen Pressekonferenz, als heische Angela Merkel noch einmal verzweifelt um die Gunst von Donald Trump, als sie sagte: "Donald Trump sagt, wir sind ökonomisch erfolgreich, aber wollen uns nicht so sehr militärisch und politisch engagieren. Wir Deutschen müssen lernen, unsere Rolle als großes, wirtschaftlich erfolgreiches Land einzunehmen."

Genau hierin könnte ein Ausweg aus den verfahrenen Beziehungen mit den USA liegen – allerdings nicht so, wie Trump es sich vorstellt. Deutschland und Frankreich müssen zusammen mit den europäischen Staaten gemeinsame, gewichtige Positionen in der Handels-, Außen- und Sicherheitspolitik entwerfen. Und so eine Politik der multinationalen Stärke dem unberechenbaren, nationalistischen Trumpismus entgegensetzen. Nur eine vereinte europäische Machtdemonstration kann Trump an den Verhandlungstisch zwingen. Eine Politik, die es nicht nötig hat, dass einer das Zirkuspferd spielt.

Sehen Sie im Video, wie Merkel auf Trumps Kritik zu geringen Nato-Beiträgen reagiert: