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"Kriminalität steigt an": Das sagt die Bundesregierung zu Trumps Twitter-Lügen

"Die Menschen in Deutschland wenden sich gegen ihre Führung", "Die Kriminalitätsrate steigt" - mit seinen Unwahrheiten über die Lage hierzulande hat US-Präsident Donald Trump jede Menge Unverständnis ausgelöst. Jetzt äußerte sich die Bundesregierung noch einmal - und blieb diplomatisch.

US-Präsident Donald Trump, Tweets

Für seine Tweets zur Kriminalität in Deutschland erhielt US-Präsident Donald Trump viel Widerspruch - in den sozialen Netzwerken und aus der Bundeshauptstadt

Getty Images

Die kürzlich vorgestellte Kriminalitätsstatistik spreche für sich. "Wir sehen dort leicht positive Entwicklungen." Eher zaghaft widersprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag Donald Trumps steilen Thesen zur deutschen Innenpolitik. Der US-Präsident hatte zuvor in mehreren Tweets Behauptungen verbreitet, wonach die Kriminalität hierzulande infolge des Zuzugs von Migranten generell ansteigen und die Menschen in Deutschland sich gegen die Regierung wenden würden. Jetzt gab es weitere Reaktionen aus Berlin - sie fielen ebenfalls zurückhaltend aus.

Es sei richtig, sich nicht "vom Twitter-Rhythmus den Takt für das transatlantische Verhältnis vorgeben lassen", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin, nachdem er auf mögliche formale Reaktionen seines Ministeriums auf die Tweets angesprochen wurde. "Lassen Sie uns das transatlantische Verhältnis nicht allein von Twitter-Meldungen abhängig machen. Die deutsch-amerikanische Freundschaft besteht aus weitaus mehr als 280 Zeichen", diese Äußerung von Bundesaußenminister Heiko Maas aus dem März habe nach wie vor bestand.

Keine Bewertung der Tweets von Donald Trump

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert vermied auf die Frage nach einer weitergehenden Bewertung der Tweets von Donald Trump eine klare Antwort. Er habe den Ausführungen der Kanzlerin nichts hinzuzufügen. Man bleibt diplomatisch in der deutschen Hauptstadt und vermeidet, weiteres Öl ins Feuer zu gießen.

Die AfD stimmt Donald Trumps Twitter-Thesen zu

Rückendeckung für seine Thesen bekommt Donald Trump von der AfD. "US-Präsident Donald Trump ist durch seine Nachrichtendienste über die Kriminalität in Deutschland offenbar exakter informiert als die deutsche Regierung", sagte Parteivize Georg Pazderski. "Wenn Delikte wie Taschen- und Ladendiebstahl oder Drogenhandel, aber auch Sexualdelikte aus Scham der Betroffenen nicht mehr oder nur zu einem ganz geringen Bruchteil angezeigt und daher nicht registriert werden, fließen diese Straftaten auch nicht in die Statistik ein."

Dass durch die polizeiliche Kriminalitätsstatistik tatsächlich nur die angezeigten Straftaten - das sogenannte Hellfeld - erfasst wird, ist korrekt. Nicht zu belegen ist allerdings, dass das sogenannte Dunkelfeld unangezeigter Verbrechen überproportional größer geworden ist.

+++ Lesen Sie im stern dazu auch: "Merkel weist Trumps Angaben zur Kriminalität in Deutschland zurück" +++

Michael Wolff, US-amerikanischer Autor, blickt mit nach rechts gedrehtem Kopf in die Kamera. Er trägt eine schwarze Brille
mit DPA-Material