Elbflut Rekord-Hochwasser in Norddeutschland


Die Pegel der Elbe haben in Teilen Norddeutschlands den Stand der Jahrhundertflut von 2002 überschritten. Für das schleswig-holsteinische Lauenburg meldete das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) am Freitagnachmittag einen Pegelstand von 8,84 Meter, 14 Zentimeter mehr als im August 2002. Auch in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern lag der Pegel über dem von 2002.

Die Altstadt von Hitzacker (Niedersachsen) war überflutet. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt stabilisierte sich die Hochwasserlage. In Lauenburg rechnete das WSA für Sonntag mit einem Pegelstand der Elbe von 9,15 Meter. Am Montag könne der Pegel sogar auf 9,20 Meter klettern, hieß es. "Das Wasser steigt langsam, aber stetig", erklärte WSA-Sprecherin Bettina Kalytta. Erschwerend komme hinzu, dass der anhaltende Westwind die Elbe aufstaue und den Abfluss des Hochwassers behindere.

Wasserstand 30 Zentimeter höher als 2002

In Hitzacker stieg der Pegel am Mittag auf 7,44 Meter und lag nur noch wenige Zentimeter unter dem Niveau von 2002. Viele Häuser, darunter das am überfluteten Marktplatz gelegene Rathaus, würden mit Dieselaggregaten mit Strom versorgt, sagte Gemeindesprecherin Marianne Baron. Die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg in Niedersachsen sowie Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern riefen den Katastrophenfall aus. Nach Angaben des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWK) in Lüneburg wird der Scheitel der Elbflut am (morgigen) Samstag an der niedersächsischen Landesgrenze bei Schnakenburg erwartet. Das Hochwasser bewege sich viel schneller als erwartet, sagte NLKW-Sprecher Wolfgang Piepenburg.

Man gehe davon aus, dass der Wasserstand zirka 30 Zentimeter höher als bei der Flut 2002 liege. Auch in Mecklenburg-Vorpommern spitzte sich die Situation zu. Nach letzten Voraussagen steigt das Hochwasser am Wochenende in Dömitz auf 6,80 Meter und bis Montag in Boizenburg auf 6,90 Meter, wie das Umweltministerium in Schwerin mitteilte. Damit würden die Rekordmarken des Jahrhunderthochwassers von 2002 weit überboten. Umweltminister Wolfgang Methling sah dennoch keinen Grund zur Panik. "Die Deiche sind stabil und weisen einen Freibord von einem Meter auf, so dass noch genügend Spielraum bis zur Deichkrone bleibt", erklärte er. Allerdings könnten die Deiche aufweichen.

Lage in Sachsen-Anhalt bleibt angespannt

Im Nordbrandenburger Hochwassergebiet wurde die Verteidigung der langsam durchweichenden Deiche fortgesetzt. Erstmals seit Tagen stieg das Wasser in Wittenberge mehrere Stunden lang nicht, der Pegel lag am Nachmittag bei 7,15 Meter. Weil das Wasser nur sehr langsam zurück geht, wird allerdings keine Entspannung erwartet. Zwei Dörfer bei Wittenberge wurden vom Wasser des eigentlich kleinen Flusses Stepenitz überschwemmt, das vom Hochwasser führenden großen Strom zurückgedrückt wurde. Viele Häuser standen bis zum Erdgeschoss im Wasser.

Auch an der Oder stiegen die Pegel. Für Ratzdorf, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) wurde die Hochwasserwarnstufe drei ausgerufen. Die Lage sei dort aber unter Kontrolle, schwerwiegende Überschwemmungen bewohnter Gebiete seien nicht zu erwarten, teilte das Brandenburger Landesumweltamt mit. In Sachsen-Anhalt blieb die Lage an der Elbe trotz stagnierender und teilweise sogar sinkender Pegel angespannt: Die Deiche sind vielerorts durchgeweicht, und Sickerstellen müssen mit Sandsäcken gesichert werden. Kritisch war die Lage im Landkreis Wittenberg: In dem Katastrophengebiet ist der Deich bei Prettin schwer beschädigt.

AP

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