Energiegipfel Die "rote Heidi" sprach ein Machtwort


Als von Irland bis Äthiopien Kritik am Subventionsabbau für fossile Energieträger kam, da regierte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul "etwas heftiger". Die Bonner Weltkonferenz "Renewables" ist dann doch mit Erfolg zu Ende gegangen.

"Jetzt war ich doch etwas heftiger als ich wollte", räumte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Donnerstagabend ein. Zuvor hatte sie den Delegierten aus 154 Ländern im früheren Plenarsaal des Bundestags in Bonn die Leviten gelesen. Verschiedene Regierungsvertreter waren nämlich gerade dabei, die politische Erklärung über die weltweite Förderung der erneuerbaren Energien in ihre Einzelheiten zu zerpflücken.

Saudi-Arabien wollte nicht Erdöl als Grund für den Ausbau der regenerativen Energien genannt wissen. Schließlich sei in vielen Staaten die Besteuerung an den hohen Ölpreisen schuld. Äthiopien und Uganda verlangten, Strom aus großen Wasserkraftwerken nicht zu erneuerbaren Energien zu zählen. Dänemark nannte den Entwurf der Abschlusserklärung "keineswegs zufrieden stellend", da ambitionierte Ziele fehlten. Irland warnte davor, das Papier zu ehrgeizig zu machen. Von verschiedener Seite kam Kritik an der Forderung nach Abbau von Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle und Öl.

"Verzerrte Energiepreise auf den heutigen Märkten"

Wieczorek-Zeul verging zunächst das Lachen. Dann erklärte sie den Delegierten, sie müssten doch sehen, dass die Energiepreise auf den heutigen Märkten verzerrt seien. "Verzerrte Preise sind eines der stärksten Hindernisse für den Ausbau der Märkte für die Erneuerbaren." Es müsse doch Gründe für die Benachteiligung der erneuerbaren Energien geben, "obwohl es eigentlich auf der Hand liegt, dass wir sie nützen müssen".

Dem erfahrenen Moderator Mohamed El-Ashry kam die Aufgabe zu, über Nacht den Entwurf für die "Bonner Erklärung" so zu verändern, dass alle zufrieden sein konnten. Er berücksichtigte die Belange der Frauen und stellte in einer Fußnote klar, was alles zu den erneuerbaren Energien zählt. Die Kritiker fänden "vielleicht nicht den Wortlaut, den sie sich gewünscht haben", warb er für sein Papier. Doch sicher enthalte es ein Wort, das das gewünschte ausdrücke. Das sei das Wesen eines Kompromisses.

Das Papier ging dann am Freitag anstandslos durch. Lang anhaltender Beifall würdigte die Arbeit von Bundesregierung und El Ashry. Wieczorek-Zeul sprach in ihrer Abschlussrede von einer Botschaft der Zuversicht, dass mit starkem politischem Willen, mit der besten Technologie und ausreichenden finanziellen Mitteln die Herausforderung gemeistert werden könne, eine nachhaltige Energiezukunft für die gesamte Welt zu sichern. "Eine Botschaft der Hoffnung, dass wir genügend Energie mobilisieren können, um Licht in die Häuser der Armen zu bringen, Mahlzeiten für die Kinder zu kochen, die Maschinen von Landwirten und von kleinen und großen Unternehmen zu betreiben und um in den Krankenhäusern die Medikamente zu kühlen."

"Langer Weg von Johannesburg nach Bonn"

Umweltminister Jürgen Trittin erinnerte daran, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder zu der Konferenz eingeladen hatte, weil auf dem Weltgipfel 2002 in Südafrika noch Blockierer die Verabredung ehrgeiziger Ziele verhindert hatten. "Es war ein langer Weg von Johannesburg nach Bonn, aber wir haben ihn geschafft." Statt der von ihm gewünschten "Nägel mit Köpfen" hätten einige der Delegierten "ihren Meisterbrief im Nägelschmieden abgeliefert".

China wolle seinen Anteil an Erneuerbaren bis 2010 auf zehn Prozent steigern, berichtete der Grünen-Politiker. Die Philippinen wollten bis 2013 sogar auf mehr als 40 Prozent kommen und zum Weltmeister bei der Nutzung der Erdwärme werden. Ägypten plane bis 2020 eine Steigerung auf 14 und Deutschland sogar auf 20 Prozent.

"Manchmal überrascht einen der eigene Kanzler"

Ehrgeizige Finanzzusagen seien von der Weltbank gekommen, die ihr Portfolio für die erneuerbaren Energien in fünf Jahren auf 400 Millionen Dollar verdoppeln will. Die Globale Umweltfazilität stelle 100 Millionen Dollar pro Jahr bereit, die europäische Entwicklungsbank die Hälfte ihres Energietitels. Und Deutschland - "manchmal überrascht einen ja der eigene Kanzler" - habe seine Kreditzusagen um 500 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden aufgestockt.

"Das Zeitalter der erneuerbaren Energien hat begonnen", wiederholte Trittin seinen Lieblingssatz auf der Bonner Konferenz.

Vera Hella Fröhlich/AP AP DPA

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