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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin Entzieht der EU den Friedensnobelpreis!


Dass Politiker sich schämen, reicht nicht. Wenn schon symbolisches Handeln, dann wenigstens konsequent: Nehmt der EU den Friedensnobelpreis weg. Warum eigentlich nicht?
Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Gilt das gesprochene Wort? Das wäre schön. Bei Claudia Roth, der grünen Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, kann man sich da ja eigentlich sicher sein. Jedenfalls immer dann, wenn die ganz großen Emotionen mit im Spiel sind. Roth war am Wochenende auf Sizilien. Nein, nicht im Urlaub. Sie hat sich dort die Flüchtlingssituation im Mittelmeer angeguckt. All die Verzweifelten, die Gestrandeten, die Hoffnungslosen. Dann hat Claudia Roth gesagt, dass sie sich schämt. Das kann man glauben oder nicht? Es ist ein Ausdruck von Empathie - und von Hilflosigkeit, so oder so.

Wenn man aber ihre Gefühle für bare Münze nimmt, dann liegt die Frage nach den Konsequenzen auf der Hand. Roth kann da nicht viel bewirken. Sie kann mahnen, warnen, appellieren. Sie kann ihre Hoffnung formulieren, dass es irgendwann einmal anders werden möge, besser. Claudia Roth hat zum Abschluss ihrer Reise die Anstrengungen der Sizilianer bei der Versorgung der Flüchtlinge gelobt. Und dann hat sie noch gesagt: Falls die "Europäische Union so weitermacht, muss sie den ihr verliehenen Friedensnobelpreis an Sizilien" abgeben.

Symbolisch, aber wirkungsvoll

Der Satz ist ein bisschen versandet im Mahlstrom der Nachrichten des Wochenendes. Er wäre einen Aufschrei wert. Eine Kampagne! Wenigstens ist nun aber der Gedanke auf dem Markt: Der EU sollte der Friedensnobelpreis aberkannt werden, angesichts der nachhaltigen Untätigkeit beim Umgang mit dem riesigen Flüchtlingsproblem vor ihren Küsten. Ja, es wäre nur ein symbolischer Akt, mehr nicht. Aber von all den symbolischen Akten, von all den ebenso bedeutungsschwangeren wie konsequenzlosen Appellen wäre es der mit Anstand wirkungsvollste.

Warum? Weil fast nichts geschieht. Weil immer noch nichts in die Wege geleitet worden ist, was zur nachhaltigen Verbesserung der Flüchtlingssituation im Mittelmeer beigetragen hätte. Zehn Tage nun schon ist der Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs her. Es ist ein zynisches Spiel auf Zeit, das da betrieben wird. Ein Versteckspiel, bei dem nationale Interessen alles, die Werte Europas wenig, das Leben der Flüchtlinge so gut wie nichts zählen.

Die Toten sind kaum noch eine Nachricht wert

Ach ja, die Nachrichten vom Wochenende: Tausende wurden im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Zehn Menschen starben. Mindestens. Die Toten sind kaum noch eine Nachricht wert. Es wird Zeit, dass sich was ändert.

Axel Vornbäumen war auf dem Sondergipfel der EU zur Flüchtlingssituation. Der Heuchel-Faktor war dort enorm. Man kann dem Autor auf Twitter folgen unter avornbaeumen


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