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Finanzkrise in Griechenland: Merkel weist Ex-Kanzler Schröder die Schuld zu

Griechenland kämpft ums finanzielle Überleben. CDU und SPD schieben sich den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Kanzlerin Merkel macht die ehemalige Regierung unter Gerhard Schröder verantwortlich.

Die Bundesregierung verschärft in der Wahlkampfauseinandersetzung über die Griechenland-Krise den Ton. "Man hätte zum Beispiel Griechenland gar nicht aufnehmen dürfen in den Euro-Raum", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstagabend in Rendsburg. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf der SPD eine absichtliche Fehlkalkulation des zusätzlichen griechischen Finanzbedarfs vor.

Merkel machte mit ihrer Bemerkung bei einer Wahlkampfveranstaltung vor allem die frühere rot-grüne Bundesregierung für die Probleme der Eurozone mit Griechenland verantwortlich. Die aktuelle Krise sei "über lange Jahre" und auch durch "Gründungsfehler beim Euro" entstanden, sagte die CDU-Chefin. Sie werde daher auch nicht über Nacht überwunden sein.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte es vor kurzem als "falsch" bezeichnet, Griechenland Anfang der 2000er Jahre in den Euroraum aufgenommen zu haben. Die Entscheidung war unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder gefällt worden.

Schäuble: Brutto und Netto verwechselt

Schäuble wandte sich in der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch gegen Berechnungen des SPD-Haushaltsexperten Carsten Schneider zum weiteren Finanzbedarf Griechenlands. Dessen Zahlen seien "nicht nachvollziehbar und falsch", sagte Schäuble dem Blatt. Niemand solle "versuchen, aus wahltaktischen Gründen immer neue Unsicherheiten zu erzeugen". Schneider hatte am Vortag der "Bild" gesagt, dass Griechenland zwischen den Jahren 2015 und 2020 rund 77 Milliarden Euro benötige.

Schäuble sagte dem Blatt, die SPD habe Brutto und Netto verwechselt. Demnach entspricht der von Schneider genannte Finanzbedarf nicht unbedingt dem Bedarf an Finanzhilfen. Mit Blick auf die Zeit bis 2015 nannte Schäuble die Größenordnung für ein drittes Hilfspaket in Höhe von elf Milliarden Euro "nicht völlig unrealistisch". Schneider forderte Schäuble am Mittwoch auf, "die Zahlen endlich auf den Tisch zu legen".

jat/AFP / AFP