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Meinung

Familienministerin vor möglichem Rücktritt: "VroniPlag" untersucht Giffeys Doktorarbeit: Die Fehler-Fetischisten und ihre Korinthenkackerei

Mit Franziska Giffey haben die piefigen Inquisitoren von VroniPlag nun  ihr nächstes Opfer erlegt. Zeit für ein paar deutliche Widerworte.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

Steht derzeit besonders unter Beobachtung: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

DPA

Glückwunsch, ihr Leute von VroniPlag. Jetzt habt ihr die nächste abserviert. Franziska Giffey wird nicht für den SPD-Parteivorsitz kandidieren und womöglich bald als Familienministerin zurücktreten. Was hat sie getan? Mord? Fahrerflucht? Gelder veruntreut? Nein, sie hat nicht richtig zitiert. Was für ein Jahrhundert-Verbrechen. Ein Abgrund von Landesverrat!

Ich fasse es nicht, dass die politische Karriere einer so talentierten Politikerin wegen einer solchen Bagatelle beendet zu sein scheint. Was soll dieses gierige Herumfuhrwerken in verstaubten Doktorarbeiten? Wem bringt es was, ehemaligen Examens-Kandidaten irgendwelche Verfehlungen nachzuweisen? Das ist so typisch deutsch.

VroniPlag: Korinthenkackerei von Stubenhockern

Wer sind eigentlich diese Typen von VroniPlag? Ich finde schon diesen Namen saublöd. Einige der Fehler-Fetischisten zeigen sich, die meisten wollen anonym bleiben. Was soll diese Heimlichkeit? Diese Leute machen ja schließlich keine Mafia-Recherchen. Ich finde dieses verbissen-akribische Herumgeprüfe kleingeistig und überflüssig. Das ist beflissene Korinthenkackerei von Stubenhockern, die es „denen da“ oben mal ordentlich zeigen wollen. Bestimmt haben die in der Schule auch nicht abschreiben lassen und andere verpetzt.

Habt Ihr Vronis nichts Besseres zu tun? Zum Beispiel die akademische Ausbildung zu verbessern? Wirkliche Skandale aufzudecken oder sich mal die Nazi-Szene vorzunehmen?  

Franziska Giffey: Uni sollte Arbeit mit Vorrang prüfen!

Und dann die FU-Berlin, die Giffeys Doktorarbeit jetzt noch einmal checken will. Wie sie sich da genussvoll in demonstrativer Langsamkeit spreizen und tönen: Wir lassen uns nicht hetzen. Da müsse man Sorgfalt walten lassen. Mann, ihr prüft seit Februar!  Warum kann diese angebliche Exzellenz-Uni Giffeys Arbeit nicht einfach mal mit Vorrang prüfen, um diese Sache aus der Welt zu schaffen? 

Die halbe Republik blickt auf sie. Es geht hier schließlich nicht darum, Kants Transzendental-Philosophie auf Plagiate zu überprüfen. Und wer stellt eigentlich die Frage, ob die damaligen Prüfer und Gutachter der an den Pranger Gestellten ihre Arbeit ordentlich gemacht haben? Nix gemerkt, liebe Professorinnen und Professoren?

Menschen machen Fehler

Sie fragen sich jetzt vielleicht, ob ich denn jeden Betrug durchgehen lassen will? Nee, aber ich finde, dass man die Kirche ruhig mal im Dorf lassen könnte. 

Ich habe 1986 meinen Magister an der Universität Hamburg in Germanistik gemacht. Und ich kann Ihnen versichern: Abkupfern und Plagiieren war keine Seltenheit. Viele haben irgendwo auch mal ein bisschen geschummelt oder es nicht immer so genau genommen. Ich erinnere mich auch noch gut an die stinkfaulen Kommilitonen, die an Gruppenarbeiten teilnahmen, nix sagten, andere dann später vortragen ließen und für nix und wieder nix ihren Schein bekamen.

Was allerdings nicht heißen soll, dass die damals nun zu Unrecht einen akademischen Titel bekommen haben. Am Ende musste jede/r liefern- und sei es in den mündlichen Prüfungen. Ich will hier auch keinen Betrug verteidigen. Es gibt Grenzen und einen Wissenschaftskodex. Man sollte ordentlich zitieren und Plagiate vermeiden. Keine Frage. Aber Menschen machen Fehler. Vor allem im Examensstress.  Keiner werfe den ersten Stein, sagte Jesus, der möglicherweise bei Zarathustra abgekupfert hat.

„Hört auf, euch aufzugeilen!“

Eigentlich ist heute ja jede Examens- oder Doktorarbeit verdächtig. Ich rate vorsichtshalber zur Aberkennung sämtlicher akademischer Titel, bis alle das Gegenteil bewiesen haben. Ja, man sollte alles und jeden prüfen. Wir haben ja sonst keine Probleme im Land.

Ist ja nicht so wild, dass deutsche Banken und Anwälte bei Cum-Cum-Geschäften jahrelang halfen, den Staat um Milliarden zu bescheißen. Ich wüsste nicht, dass man den Finanzminister seinerzeit zum Rücktritt aufforderte, weil er diesen Monster-Betrug zum Schaden der deutschen Steuerzahler nicht verhindert hat.

So, ich hab' mich ja hier nun bei den Vronis nicht gerade beliebt gemacht. Jetzt bin ich wohl auch dran. Ich helfe mal: Meine Magisterarbeit hat den Titel „Jugendsprache -  ein sondersprachliches Phänomen“. Darin findet man ein paar schöne Wendungen, über die Ihr Euch mal Gedanken machen solltet: Zum Beispiel die schöne Aufforderung: „Hört auf, euch aufzugeilen!“