VG-Wort Pixel

Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin Freispruch - von Edathy für Edathy


Nachdem das Verfahren eingestellt war, hat sich Sebastian Edathy auf seiner Facebook-Seite nochmals die eigene Unschuld attestiert. Das ist irre.
Von Lutz Kinkel

Schuld? Nee, hammwa nich. Nie jehabt. Müssense woanders kieken. Das ist im politischen Berlin häufiger zu hören, bei kleineren und größeren Skandalen. Aber keiner hat das so dreist vorgetragen - und das auch noch in einem so schwerwiegenden Fall - wie Sebastian Edathy, SPD. Kaum war das Verfahren gegen ihn eingestellt, schreibt er auf seiner Facebook-Seite, die Erklärung, die sein Anwalt vor Gericht vorgelesen habe, sei kein "Geständnis". Und eine "Schuldfeststellung" sei damit auch nicht verbunden.

Ach so? Also doch ganz unschuldig? Wie geht das eigentlich?

Edathys Anwalt hatte vor dem Richter eingeräumt, dass sein Mandant Kinderpornos besaß. Er bereue, was er getan habe. Dieses Bekenntnis war Teil eines Deals. Es war die Voraussetzung dafür, dass das Verfahren eingestellt wurde. Einzige Auflage: Edathy muss 5000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Er ist nicht vorbestraft. Aber hätte er keine Schuld, hätte er auch nicht zahlen müssen. Dann hätte er auf einem Freispruch beharren können.

Die zurückgelassenen Trümmer

Nun, nach seinem Facebook-Eintrag, sieht es so aus, als würde er gar nichts bereuen, bekennen oder gar verantworten wollen. Als wäre die Erklärung vor Gericht nur ein taktisches Manöver gewesen. Als hätte er den Richter wissentlich geleimt, um möglichst schnell auf dem Prozess aussteigen zu können.

Dieser Eindruck bleibt haften, und er verdunktelt die Person Edathy weiter. Ein Mann ohne Einsicht, ein Mann ohne Verantwortung. Das politische Feld hat er bereits verlassen, das juristische jetzt auch. Zurück bleiben rauchende Trümmer, die es weiter zu untersuchen gilt. Wer hat zu welchem Zeitpunkt was über die Ermittlungen gewusst - und es weitererzählt? Hat die Staatsanwaltschaft Dokumente durchgestochen und damit eine Vorverurteilung hingenommen? Wie geht die SPD mit dem Skandal um, ist Ex-Innenpolitiker Michael Hartmann der Nächste, der sein Mandat verliert? Was kann weiter politisch getan werden, um die entsetzlichen Verbrechen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie zu verhindern?

Der Fall Edathy ist noch lange nicht abgeschlossen. Das Hoffen auf Edathys Einsicht schon. Er hat es brutalstmöglich zerstört.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker