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Möglicher Merkel-Nachfolger: Friedrich Merz: Wer mich noch nicht kennt, wird mich kennenlernen

Friedrich Merz will die Nachfolge Angela Merkels an der Spitze der CDU antreten. In Berlin äußerte er sich zu der "Erneuerung" der Partei und wehrte sich gegen die Kritik, er sei zu eng mit der Wirtschaft verflochten.

Friedrich Merz hat seine Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Der 62-Jährige sprach darüber, was die Partei seiner Ansicht nach braucht, wie der Auswahlprozess ablaufen soll und wehrte sich gegen Kritik an seinen engen Verflechtungen zur Wirtschaft.

Die CDU brauche aus seiner Sicht "Aufbruch und Erneuerung". Die Partei müsse "sich Klarheit verschaffen über ihren Markenkern" und brauche eine "nach vorne gerichtete politische Diskussion". Die CDU müsse deutlich machen, dass sie eine große Partei der Mitte sei und bleibe, sagte Merz. Man dürfe es nicht hinnehmen, dass sich am "linken und rechten Rand" der Demokratie Parteien in den Landtagen und im Bundestag etablierten. "Wir brauchen Aufbruch und Erneuerung. Aber wir brauchen keinen Umsturz", sagte Merz. Und: "Wir dürfen sie (die Bürger) nicht mit Floskeln abspeisen." 

An der Entscheidung über die personelle und inhaltliche Neuausrichtung der CDU will Merz die Mitglieder seiner Partei beteiligen. Er sei im Gespräch mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die intern beide eine eigene Kandidatur angekündigt hatten. Merz sagte: "Wir gehen alle drei davon aus, dass wir einen für die CDU belebenden und lebhaften Streit miteinander austragen, aber fair und anständig - auch in verschiedenen Formaten." Er könne sich vorstellen, dass sich alle drei Kandidaten in Regionalkonferenzen der Diskussion mit den Mitgliedern stellen. 

Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident Armin Laschet wird sich derweil nicht um die Nachfolge von Merkel an der Spitze der Bundes-CDU bewerben. Laschet sagte am Mittwoch vor Journalisten in Düsseldorf, angesichts der jetzt geplanten Trennung von CDU-Parteivorsitz und Kanzleramt halte er das Amt des Regierungschefs im größten Bundesland für nicht mit dem CDU-Bundesvorsitz vereinbar.

Friedrich Merz weist Kritik an Blackrock-Job zurück

Merz wies Kritik an seiner Tätigkeit für den Vermögensverwalter Blackrock zurück. Blackrock sei keine "Heuschrecke", sondern verwalte treuhänderisch Einlagen von Hunderttausenden privaten Kunden, sagte der Politiker. Er sehe "keinerlei Konfliktlage". Der CDU-Politiker, der für den Parteivorsitz kandidiert, ist bislang Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland. "Ich beaufsichtige diese Firma in Deutschland, aber ich führe sie nicht." 

An der Tätigkeit von Merz für Blackrock und in der Wirtschaft gibt es Kritik. Die Organisation LobbyControl sprach von einem "wirtschaftsliberalen Politprofi und Lobbyisten", der gerne zwischen den Welten der Politik und der Wirtschaft wandere. "Angesichts der Vita von Friedrich Merz und seinen vielen Jobs und Lobbytätigkeiten in der Wirtschaft sind Interessenkonflikte fast schon vorprogrammiert."

Merz glaubt, mit Angela Merkel auszukommen

Merz ist überzeugt, dass er trotz der früheren Belastungen ihrer Beziehungen mit Kanzlerin Angela Merkel auskommen wird. "Ich bin der festen Überzeugung, dass Angela Merkel und ich miteinander unter diesen veränderten Bedingungen auskommen und klarkommen werden", sagte er. Merkel habe am Montag von einem Wagnis gesprochen, Parteivorsitz und Kanzlerschaft zu trennen. "Ich bin bereit, mich auf dieses Wagnis einzulassen." 

Es gebe nichts zu versöhnen zwischen ihm und Merkel. Er sei zwar bekanntlich nicht erfreut gewesen, dass er 2002 gegen sie das Amt des Unionsfraktionsvorsitzenden verloren habe. Aber es sei damals auch richtig gewesen, Partei- und Fraktionsvorsitz in einer Person zu vereinen. Er und Merkel hätten sich in der vergangenen Zeit öfter getroffen, sagte Merz. Andererseits verwies er auf das Jahr 2009, als er aus dem Bundestag ausschied. Es gebe Menschen, die nicht zusammenpassten. Dann müsse man eben auseinandergehen.

Merz: Wer mich nicht kennt, wird mich kennenlernen

Zu seiner langen politischen Auszeit sagte Merz: "Natürlich ist es so, ich bin vor zehn Jahren aus der aktiven Politik ausgeschieden. Also diejenigen, die heute 20 sind, waren damals 10. Dass die 20-Jährigen mich nicht mehr kennen, das weiß ich. Aber die 30-Jährigen wissen sich gut zu erinnern. Und die anderen werden mich auch noch kennenlernen." 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach Stimmenverlusten bei der Landtagswahl in Hessen am Montag angekündigt, auf dem nächsten Parteitag im Dezember in Hamburg nicht mehr für den CDU-Vorsitz zu kandidieren.

fin mit Agentur / DPA