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Fritz Kuhns Sieg in Stuttgart Grüne Gefahr bedroht Angela Merkel


Der Triumph von Fritz Kuhn in Stuttgart trifft die CDU ins Mark, denn er zeigt, dass die bürgerlichen Grünen ihr den Rang ablaufen können. Auch für die Kanzlerin ist das ein Problem.
Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Es grünt so grün im Schwoobeländle - jetzt auch in Stuttgart. In Freiburg regiert ein grüner Oberbürgermeister, in Tübingen ebenso. Und nun auch in der Landesmetropole. FKK, war der Werbespruch des Mannes, der für seine Partei Stuttgart erobert hat. FKK - Fritz Kuhn kommt. Jetzt ist er da. Und das Bundesland, das fast 60 Jahre als uneinnehmbare CDU-Bastion galt, vertraut sich nach einem grünen Ministerpräsidenten auch einem grünen Oberbürgermeister in der Landeshauptstadt an. Der grüne Trend in der Kommunalpolitik hat Tradition: 1996 bereits hatten die Grünen in Konstanz zum ersten Mal in Deutschland bei einer Oberbürgermeisterwahl gesiegt.

Das Stuttgarter Wahlergebnis ist weit mehr als eine Niederlage für die CDU. Es ist eine Niederlage im Kampf um ihre politische Zukunft in einem Bundesland, das Jahrzehnte als ein CDU-Stammland galt. 2011 verlor sie die Macht an einen grünen Ministerpräsidenten. In Stuttgart reichte es ihr nicht einmal mehr zu einem eigenen Kandidaten. Mit Turner trat ein CDU-naher Polit-Amateur für sie an. Und selbst Angela Merkel konnte die Stimmung nicht mehr wenden. Sie wurde in Stuttgart ausgepfiffen nach der sehr schwäbischen Devise: Besser eine Pfeife im Maul als im Rathaus.

Die Grünen als neubürgerliche Aufsteigerpartei

Wenn sich die CDU die Stuttgarter Niederlage jetzt nicht noch schönredet, dann muss sie zugeben, dass ihr die einst strukturellen Mehrheiten weggebrochen sind. Die Grünen sind dank ihrer wertkonservativen Wurzeln als neubürgerliche Aufsteigerpartei tief ins baden-württembergische bürgerliche CDU-Lager eingedrungen. Das wohlhabende Bürgertum, das mit dem Porsche zum Bio-Laden fährt, akzeptiert Bewerber wie Kretschmann und Kuhn dank ihrer politischen Erfahrung und weil sie auch grünen Kandidaten zutrauen, Ökologie und Ökonomie miteinander zu versöhnen. Das ist ihr Herzenswunsch.

Die Stuttgarter Niederlage ist auch ein böser Rückschlag für die CDU im Kampf um ihre politische Zukunft in einem ihrer Stammländer. Der neue CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl warnte heftig vor einer grünen Doppelspitze im Stuttgarter Rathaus und in der Landesregierung. Und findet dann nicht die Kraft, einen Kandidaten mit CDU-Parteibuch in der Tasche aufzustellen. Baden-Württemberg war zwar nie ein "geborenes" CDU-Land. Aber die Christdemokraten regierten dort, weil sie mit Späth, Teufel und Oettinger Männer in die Machtverteidigung schickten, die ein gutes Mobilisierungspotential hatten und keine Figuren wie Stefan Mappus, der so gerne den politischen Überflieger und Wundermann gab. Bis er kläglich scheiterte.

Kuhn der Realpolitiker

Wo zeichnen sich für die CDU die Gewinne ab, mit denen sie die drohenden Verluste in Baden-Württemberg ausgleichen könnte? NRW ging hoch verloren, Niedersachsen dürfte bald folgen. Die schwache CDU in Deutsch-Südwest ist daher auch eine Gefahr für die Wiederwahl der Kanzlerin Angela Merkel. Kretschmann ist mit 78 Prozent Zustimmung inzwischen der beliebteste Politiker im Ländle. Und dies, obwohl bereits heute feststeht, dass er seine Sparziele nicht erreichen wird, mit denen er angetreten ist. Aber er hinterlässt bei seinen Wählern dennoch den Eindruck, dass er, obwohl ein Grüner, sich an den Realitäten orientiert und nicht den Wundermann gibt. Eben ein Schwabe.

Auch Kuhn passt in dieses Schema. Er ist ein Realpolitiker, der den Ausgleich sucht. Und dem es gelingen wird, die über Stuttgart 21 gespaltene Stadt wieder zusammenzuführen. Eben einer, der Politik von hinten her denkt. Und über den sie beim Daimler am Band bald sagen werden: "Der Kerle" schreibt auch mit grünen Ideen schwarze Zahlen.


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