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Bericht: G20: Journalisten mit Zutrittsverbot arbeiteten zuvor in türkischen Kurdengebieten

Ausschließlich deutsche Behörden sollen beim G20-Gipfel über den Widerruf der Akkreditierung von 32 Journalisten entschieden haben. Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wecken jedoch Zweifel an dieser Darstellung.

G20 Medienzentrum

Journalisten bei der Arbeit im Medienzentrum während des G20-Gipfels in Hamburg

Mindestens vier Journalisten, denen kurzfristig der Zutritt zum G20-Gipfel verweigert wurde, haben nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" zuvor aus den Kurdengebieten im Südosten der Türkei berichtet. Zwei von ihnen seien 2014 von einer Anti-Terror-Einheit in der Kurdenhochburg Diyarbakir festgenommen worden. Demnach kamen die beiden wegen Spionageverdachts festgehaltenen Fotografen erst nach einer Intervention des Auswärtigen Amts frei.

Beim G20-Gipfel in Hamburg war nach Angaben der Bundesregierung neun Journalisten nachträglich die Akkreditierung entzogen worden. 23 weitere Medienvertreter, die wegen "Sicherheitsbedenken" ins Visier der Behörden geraten waren, erschienen laut Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem entsprechenden Hinweis nicht am Medienzentrum.

G20: Aufsehen und Kritik wegen Akkreditierungen

Der Entzug der Zugangsberechtigungen hatte bereits während des Gipfels für Aufsehen und Kritik gesorgt. Besondere Empörung riefen am Dienstag Spekulationen hervor, dass womöglich Informationen türkischer Sicherheitsbehörden Anlass für die Entscheidungen gegen die Journalisten gewesen sein könnten.

Seibert widersprach diesem Verdacht mit dem Hinweis, dass die Sicherheitsbedenken, "ausschließlich aus eigenen Erkenntnissen deutscher Behörden resultierten". Warum die betroffenen Medienvertreter als mögliche Gefahr eingestuft wurden, ließ Seibert weiter offen. Laut dem "SZ"-Bericht hatten die US-Behörden nach einer eingehenden Prüfung der Liste mit den Medienvertretern keine Vorbehalte gegen die 32 betroffenen Journalisten geäußert.

Hans-Ulrich Jörges' Klartext
tim / AFP