HOME

Hamburg: G20-Fahndung: Erster Verdächtiger stellt sich, 80 weitere Hinweise

Die Hamburger Polizei freut sich über erste Erfolge der großangelegten Fotofahndung nach den Ausschreitungen während des G20-Gipfels. Ein Verdächtiger stellte sich den Beamten. Die Gipfeltage werden die Hansestadt noch lange beschäftigen.

Über 100 Fahndungsbilder von Verdächtigen veröffentlichte die Hamburger  nach den schweren Ausschreitungen anlässlich des G20-Gipfels in der Hansestadt – bereits wenige Stunden nach Einleitung der Öffentlichkeitsfahndung verbuchten die Ermittler erste Erfolge. "Einer der Gesuchten hat sich telefonisch gemeldet", teilte ein Sprecher der Polizei dem   mit. "Er hat zugegeben, sich an einer Plünderung im Schanzenviertel beteiligt zu haben." Den Angaben zufolge handelt es sich um einen 29-jährigen Deutschen aus Nordrhein-Westfalen.

Dutzende Hinweise auf mutmaßliche G20-Täter

Zudem seien auf verschiedenen Wege bis zum Dienstagmittag rund 80 Hinweise auf die Identität von mutmaßlichen Gewalttätern aus der Bevölkerung eingegangen, diese werden jetzt von der rund 160 Mann starken Sonderkommission "Schwarzer Block" überprüft.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten nach den Ausschreitungen, Plünderungen und massiven Angriffen auf Polizeibeamte im Gipfelverlauf am Montag eine bis dato beispiellose Öffentlichkeitsfahndung gestartet und Fotos von mehr als 100 Verdächtigen ins Internet gestellt und die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach den mutmaßlichen Tätern gebeten.

Die ersten Erfolgsmeldungen dürften für die Hamburger Polizei Wasser auf die Mühlen sein, denn die groß angelegte Fahndungsaktion ruft auch Kritik hervor. Vertreter von Linkspartei und linker Szene bezeichneten die Veröffentlichung der Fotos als "Menschenjagd". Heribert Prantl, Jurist und Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" nannte den "Internet-Pranger" in einem Kommentar "gesetzeswidrig", weil er zur Jagd auf Menschen auffordere, deren Tat oder Tatbeitrag völlig ungeklärt sei. Nach dem desaströsen Verlauf des Gipfels mussten sich die Sicherheitsbehörden Vorwürfe gefallen lassen, die Täter nicht gestoppt und an Ort und Stelle festgenommen zu haben. Jetzt im großen Stil per Fotos nach ihnen zu suchen sei ein Akt des "politischen Großreinemachens", urteilte die "Neue Osnabrücker Zeitung". "Grotesk" nannte der Strafrechtler Ulrich Karpen die Situation im Norddeutschen Rundfunk.

Hamburger Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Polizei und Staatsanwaltschaft in verwiesen darauf, dass jede einzelne Veröffentlichung der Fotos von einem Richter genehmigt worden sei – so wie es die Strafprozessordnung fordere. Jedem der abgebildeten Verdächtigen könne mindestens eine "erhebliche Straftat" eindeutig zugeordnet werden, zum Beispiel gefährliche Körperverletzung oder schwerer Landfriedensbruch, so die Ermittler. Andere Versuche, die Verdächtigen zu identifizieren seien zudem ohne Erfolg geblieben. Die Aufklärung der kriminellen Handlungen seien die Behörden den Opfern schuldig.


Doch nicht nur die strafrechtliche, auch die politische Nachbereitung ist das Gipfelgeschehens ist noch lange nicht abgeschlossen. Ein Sonderausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft soll die Abläufe vor, während und nach dem Treffen beleuchten. Die Opposition schoss sich dabei vor allem auf Bürgermeister Olaf Scholz ein, der den Hamburgern vorab eine nicht eingehaltene Sicherheitsgarantie gegeben hatte und auch bei der Aufarbeitung der Ereignisse keine gute Figur machte. Es bleibt weiter viel zu tun in der Hansestadt.