G8-Protest Wilde Bootsjagd vor Heiligendamm


Spektakuläre Aktion von Greenpeace beim G8-Gipfel: Die Umweltschützer sind mit einem Schlauchboot in die Seesperrzone vor Heiligendamm eingedrungen und haben sich eine wilde Verfolgungsjagd mit Polizeibooten geliefert. Vier Aktivisten gingen über Bord. Ein Polizist wurde verletzt.

Umweltaktivisten von Greenpeace sind mit Booten in das Küsten-Sperrgebiet um den G-8-Gipfel eingedrungen. Sie drehten mehrere Runden in Sichtweite des Pressezentrums in Kühlungsborn, bevor sie von Polizeischnellbooten aufgebracht wurden. Dabei wurden nach Angaben von Greenpeace drei Menschen verletzt, als die Polizei eines der Schlauchboote rammte und vier Insassen über Bord gingen. Bei der Aktion wurde nach Angaben der Polizei auch ein Polizist verletzt.

Eine Greenpeace-Sprecherin sagte, es seien 24 Mitglieder der Organisation mit elf Booten in die weiträumige Sperrzone eingedrungen, die bis zu 15 Kilometer in die Ostsee hinein reicht. Ziel der Aktion sei es gewesen, eine Petition an die Gipfelrunde in Heiligendamm zu übergeben, sich auf konkrete Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase zu verpflichten. Keines der Boote habe aber das Osteseebad erreicht. 17 Personen seien in Gewahrsam genommen worden. An Bord eines Schlauchboots hatten die Umweltschützer ein Transparent mit der Aufschrift "G-8 act now". Während der Aktion kreisten Polizeihubschrauber über der Szene.

Nachdem die Schlauchboote aufgebracht waren, wurden sie in den Yachthafen Kühlungsborn gebracht. Anschließend wurden die Demonstranten zum Stand gebracht und von Sicherheitskräften befragt.

Auseinandersetzungen auch am Sperrzaun

Polizei und G-8-Gegner haben sich auch am zweiten Tag des Gipfels der acht größten Industrienationen (G-8) heftige Auseinandersetzungen am Sperrzaun um Heiligendamm geliefert. Die Polizei setzte Wasserwerfer und offenbar auch Pfefferspray gegen mehrere tausend Demonstranten ein, die bei Hinter Bollhagen zum Sperrzaun vordringen wollten. Mindestens zwei Demonstranten und mehrere Journalisten wurden verletzt. Zahlreiche Demonstranten wurden abgeführt. Ein großes Polizeiaufgebot stoppte die G-8-Gegner, deren Zahl die Sicherheitskräfte auf 2500 bis 3000 schätzten, etwa 200 Meter vor dem Zaun und hielten sie von einem weiteren Vordringen ab. Wenige hundert Meter entfernt hatte die Polizei zuvor mit dem Wasserwerfer eine Straßenblockade geräumt. Parallel zu den Aktionen an Land protestierte Greenpeace auf der Ostsee gegen die Klimaverschmutzung.

Die Polizei warnte vor einer Eskalation der Lage. Die G-8-Gegner bereiteten Brandsätze und Wurfgeschosse vor, sagte ein Sprecher. Aus dem Menge der Demonstranten stiegen mehrfach kleinere Rauchwolken auf, die Polizei löschte die Feuer mit den Wasserwerfern. Es kam jeweils zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten, wenn die Sicherheitskräfte die G-8-Gegner einige Meter zurückdrängte.

Verletzte durch Pfefferspray

Sanitäter behandelten mindestens zwei verletzte Demonstranten und mehrere Journalisten, die offenbar wegen des Einsatzes von Pfefferspray über Augenreizungen klagten. Ein Sanitäter konnte die Zahl der Verletzten jedoch noch nicht beziffern. Das ohnehin schon starke Polizeiaufgebot in Hinter Bollhagen wurde am Nachmittag weiter verstärkt. Mit Hubschraubern wurden weitere Einsatzkräfte eingeflogen. Durch die Proteste war auch die zweite Zufahrt nach Heiligendamm versperrt. Die größere Zufahrt an der Rennbahn bei Bad Doberan wird bereits seit Mittwoch von Demonstranten blockiert. Auch die Dampfeisenbahn "Molly", mit der Journalisten vom Pressezentrum in Kühlungsborn nach Heiligendamm gebracht werden sollte, war am Mittag wie am Vortag schon von Demonstranten blockiert.

"Machen weiter, so lange die Kraft reicht"

Die G-8-Gegner waren zuvor in kleinen Gruppen auf die Wiese unterhalb des Sperrzauns eingesickert. Sie demonstrierten mit Regenbogen-Fahnen und Sprechchören gegen den G-8-Gipfel, der hinter dem komplett eingezäunten Ostseebad Heiligendamm stattfindet. Unter den Demonstranten auf der Wiese in Hinter Bollhagen waren auch vermummte Autonome. Bei stundenlangen Straßenschlachten zwischen Polizei und militanten Autonomen am Rostocker Stadthafen waren am Samstag rund 1000 Menschen verletzt worden. Die Polizei greift seither deutlich rascher ein.

Reuters Reuters

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