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Geheimdienst-Affäre: War der BND an der Entführung el Masris beteiligt?

Der Bundesnachrichtendienst könnte an der Verschleppung des deutschen Staatsbürgers Khaled el Masri durch die CIA beteiligt sein. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe.

Im Fall des von der CIA entführten deutschen Staatsbürgers Khaled el-Masri hatte das Bundeskriminalamt (BKA) noch im Juli 2004 den Bundesnachrichtendienst (BND) einer möglichen Mittäterschaft verdächtigt. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe unter Berufung auf ein internes BKA-Schreiben vom 5.Juli 2004.

Nach der ersten Vernehmung des Entführungsopfers könne "nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der BND in irgendeiner Weise an der Verschleppung des el-Masri beteiligt sein könnte", heißt es in dem Schreiben. Deshalb sei der BND zunächst "noch nicht um Erkenntnismitteilung" gebeten worden.

BND-Chef riet CIA zu "gesichtswahrender Lösung"

Der heutige BND-Präsident und damalige Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, riet der CIA noch im April 2005 zu einer für die CIA gesichtswahrenden "Lösung" des Entführungsskandals. Uhrlau schlug dem CIA-Europachef bei einem Gespräch die Zahlung von "Schadensersatz" vor, dies aber unter Umständen "unter Legende" und "ohne förmliche Anerkennung".

El-Masri stand bereits seit Sommer 2002 unter intensiverer Polizeibeobachtung als bisher bekannt. Nach einem Schreiben des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg vom Dezember 2005 galt er als "Kontaktperson zu allen Gefährdern" aus dem Raum Ulm. Im Oktober 2003, drei Monate vor der Entführung, hatte er laut Aussagen aus seinem Umfeld "Hetzpredigten radikaler Imame" auf Kassetten mitgeführt und Reden von Al-Quaida-Chef Osama bin Laden "aus dem Internet heruntergeladen". El-Masri gelte als "Befürworter des militärischen Djihad".

El-Masris Anwalt Manfred Gnjidic sagte, ihm seien diese Vorwürfe "nicht bekannt".

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