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Glos-Nachfolge: Guttenberg wird Wirtschaftsminister

Jetzt ist es offiziell: Der 37-jährige CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg löst den altersmüden Michael Glos, 64, als Bundeswirtschaftsminister ab. Parteichef Horst Seehofer hat den Führungswechsel bestätigt und dabei indirekt Glos einen Seitenhieb verpasst.

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg soll neuer Bundeswirtschaftsminister werden. Parteichef Horst Seehofer hat den 37-Jährigen am Vormittag als Nachfolger von Michael Glos (CSU) vorgeschlagen. Dies sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmt. Der Führungswechsel im Bundeswirtschaftsministerium wird schon am Dienstag vollzogen. Bundespräsident Horst Köhler will um 14.15 Uhr dem bisherigen Amtsinhaber Michael Glos die Entlassungsurkunde aushändigen und danach Karl-Theodor zu Guttenberg zum Minister ernennen. Das teilte das Bundespräsidialamt mit.

Als neuer Generalsekretär ist der Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt vorgesehen. Der 38 Jahre alte studierte Soziologe war bis vor kurzem wirtschaftspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe und leitet derzeit die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der Unionsfraktion.

Guttenberg wird der bisher jüngste Bundeswirtschaftsminister. Er werde ein "guter Anwalt der Wirtschaftsinteressen der Bundesrepublik Deutschland sein", sagte Seehofer. "Ich bin von ihm sehr überzeugt." Der CSU-Chef lobte vor allem die internationalen Beziehungen des früheren Außenpolitikers, dessen "beneidenswertes Auftreten" und die Sprachkenntnis. Nun gehe es darum, dass die Aufgaben schnell erfüllt würden. Seehofer kritisierte indirekt, dass er erst am Samstag über die Pläne von Glos informiert worden sei und Schwierigkeiten gehabt habe, an das Fax mit dessen Rücktrittsgesuch zu kommen.

Der 64-jährige Glos hatte Seehofer am Samstag überraschend um seine Entlassung aus Altersgründen gebeten, was dieser jedoch zunächst ablehnte. Das Hickhack in der CSU hatte die Bundesregierung kalt erwischt, die Opposition forderte Merkel auf, ein Machtwort zu sprechen. Am Sonntagabend verständigten sich dann Seehofer und Glos darauf, dass der amtsmüde Minister gehen darf.

Merkel bedauerte den Rücktritt von Glos und hob gleichzeitig die Qualitäten seines Nachfolgers hervor. "Ich bin davon überzeugt, dass er (Gutenberg) seine Arbeit exzellent machen wird", lobte Merkel den CSU-Politiker. Guttenberg habe ihr volles Vertrauen und ihre volle Unterstützung, sagte die Kanzlerin. Merkel dankte Glos für seinen Einsatz. Dieser habe immer "ein großes Herz für den Mittelstand gehabt." Zudem habe Glos in der Energiepolitik Akzente gesetzt, außerdem habe er erfolgreich für mehr Ausbildungsplätze geworben. An Guttenberg lobte Merkel auch dessen "großes internationales Erfahrungsspektrum".

"Keine Bedingungen"

Guttenberg erklärte in München, er sei sich der großen Herausforderung in dem Amt bewusst. Er werde mit Kraft, Zuversicht, Mut und der notwendigen Bodenhaftung die Aufgabe angehen. Deutschland stecke in der größten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre. Der CSU-Politiker bekannte sich zu einem klaren marktwirtschaftlichen Kurs. Die soziale Marktwirtschaft sei eine Grundfrage seines Denkens und "kein Mittelding zwischen Sozialismus und Liberalismus".

Guttenberg wies Spekulationen zurück, er habe seine Bereitschaft für das Amt intern an Bedingungen geknüpft. "Wenn einem ein solches Amt angetragen wird, dann stellt man keine Bedingungen, um Himmels willen". In Medienberichten hieß es zuvor, Guttenberg habe angeblich für die Zeit nach der Bundestagswahl den Vorsitz der CSU-Landesgruppe in Berlin beansprucht, um ein Ticket zurück auf einen Parteiposten zu haben.

Der künftige Wirtschaftsminister sagte, ihm sei klar, dass seine Amtszeit zwangsläufig im Herbst mit der Wahl ende. Auch Seehofer betonte, es habe keinerlei Bedingungen oder Absprachen gegeben.

Bislang kennt sich Guttenberg vor allem in der Außenpolitik aus. Der Obmann der Unionsfraktion im Auswärtigen Ausschuss befasste sich zum Beispiel mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, der Russland-Politik oder mit dem Verhältnis zur Türkei. Der Rechts- und Politikwissenschaftler, der mit summa cum laude promovierte, hat aber auch Erfahrungen in der Wirtschaft: als geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Guttenberg GmbH, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe.

Der Franke kann gut mit Seehofer

Guttenberg entstammt altem christsozialen Adel. Er ist der Spross eines Geschlechts oberfränkischer Großgrundbesitzer aus dem gleichnamigen Ort Guttenberg. Im Bundestag sitzt er seit 2002. Fünf Jahre später wurde er Bezirkschef der CSU Oberfranken - wobei er sich gegen Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk durchsetzte. Der Nachwuchspolitiker hat ein sehr gutes Verhältnis zu Seehofer. Der stets korrekt gekleidete und frisierte Guttenberg ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der Koalitionspartner SPD hatte eine schnelle Entscheidung der Union über die Nachfolge von Glos verlangt. "Da muss wieder Ordnung geschaffen werden", sagte Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in der ARD. "Wir brauchen in dieser Lage einen handlungsfähigen Wirtschaftsminister."

Der frühere langjährige CSU-Landesgruppenchef Glos war nur Wirtschaftsminister geworden, weil der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nach der Wahl 2005 einen Wechsel nach Berlin überraschend abgelehnt hatte.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters