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Fragen & Antworten

Golf von Oman: Das wissen wir über die mutmaßlichen Angriffe auf die Tankschiffe

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tankschiffe im Golf von Oman wird spekuliert, wer dafür verantwortlich ist. Die USA beschuldigen den Iran, Teheran weist die Vorwürfe zurück. Was wir bisher über die Vorfälle wissen.

Einer der beiden angegriffenen Tanker im Golf von Oman brennt

Einer der beiden angegriffenen Tanker im Golf von Oman brennt

AFP

Zwei Tankschiffe senden Notrufe im Golf von Oman ab. Es wird berichtet, dass die Schiffe von Torpedos angegriffen worden seien. Es kommt zu Feuer und Explosionen, die Besatzung wird evakuiert. Da sich die Vorfälle in der Nähe der iranischen Küste ereigneten, beschuldigen die USA den Iran hinter den mutmaßlichen Attacken zu stecken. Teheran wies alle Schuld von sich und bezichtigte hingegen die USA, dass sie in die Vorfälle verstrickt sei. Über die Art der Angriffe und die möglichen Schuldigen wird derzeit viel spekuliert.

Was wir bisher über die Vorfälle wissen – und was nicht: 

Was ist im Golf von Oman passiert?

Am Donnerstag kam es zu Zwischenfällen mit Tankschiffen im Golf von Oman. Die US-Marine hatte zwei Notrufe erhalten. US-Schiffe seien in der Region unterwegs, um Hilfe zu leisten, teilte die 5. Flotte der US-Marine in Bahrain mit. Erste Berichte deuteten darauf hin, dass im Golf von Oman, genauer gesagt vor der iranischen Küste, zwei Tanker angegriffen worden seien – ein norwegisches und ein deutsches Schiff.

Mehrere Nachrichtenagenturen und Medien berichteten, dass die Tanker mit Torpedos oder See-Minen angegriffen und beschädigt wurden. Eines der Schiffe geriet in Brand. Beide Schiffe wurden evakuiert und die Seeleute wurden in Sicherheit gebracht. Ein Seemann wurde leicht verletzt.

Die omanische Küstenwache erklärte der norwegischen Zeitung "Dagbladet" später, es habe einen Angriff gegeben. Es sei zu einer Explosion an Bord des norwegischen Schiffes gekommen, sagte ein Küstenwachensprecher der Zeitung. Demnach geschah der Vorfall in iranischen Gewässern.

Die Besatzung des japanischen Tankers hat vor einer Explosion an Bord ein "fliegendes Objekt" gesehen. "Die Besatzungsmitglieder sagen, dass sie von einem fliegenden Objekt getroffen wurden", sagte der Chef der Schifffahrtsgesellschaft Kokuka Sangyo, Yutaka Katada, am Freitag vor Journalisten. "Sie sagen, sie haben es mit eigenen Augen gesehen", fügte er hinzu.

Wer ist von den mutmaßlichen Angriffen betroffen?

Betroffen waren ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter, der einer japanischen Firma gehört, sowie ein Schiff der norwegischen Reederei Frontline.

Frontline hatte später bestätigt, dass ihr Öltanker "Front Altair" in einen Zwischenfall vor der Küste des Omans verwickelt wurde. Das Schiff brenne, berichtete die norwegische Zeitung "VG" mit Verweis auf einen Unternehmenssprecher. Alle 23 Menschen an Bord seien in Sicherheit. Ob die "Front Altair" womöglich angegriffen worden sei, wollte der Sprecher nicht bestätigen. Nach Angaben der norwegischen Seefahrtsbehörde gab es an Bord des Tankers "Front Altair" drei Explosionen. Es sei nun ein Schlepper bei dem Schiff. Die Besatzungsmitglieder aus Russland, Georgien und von den Philippinen wurden von dem Schiff "Hyundai Dubai" aufgenommen, von dort auf ein iranisches Marineschiff gebracht und gingen schließlich in einem iranischen Hafen an Land. Sie sollten schnellstmöglich in ihre Heimatländer gebracht werden.

Bei dem zweiten betroffenen Tanker handelt es sich um die "Kokuka Courageous" der japanischen Firma Kokuka Sangyo Ltd. Das Schiff wird von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) betrieben. BSM teilte auf ihrer Website mit, dass die "Kokuka Courageous" bei einem "Sicherheits-Zwischenfall" beschädigt wurde. Das Schiff wurde evakuiert und die Matrosen gerettet, es gab nur einen Leichtverletzten. Die Besatzung ist nach Angaben des Unternehmens BSM von einem US-Marineschiff aufgenommen worden. Ein Sprecher betonte, dass sich die 21 Besatzungsmitglieder nicht in Obhut der iranischen Behörden befänden.

Die Reederei erhielt nach Angaben ihres Chefs einen Bericht, aus dem hervorgeht, "dass etwas auf das Schiff zuflog". "Es gab eine Explosion, und es bohrte sich in das Schiff." Die mit Methanol beladene "Kokuka Courageous" wurde dem Chef der Schifffahrtsgesellschaft zufolge von zwei mutmaßlichen Angriffen getroffen. Nach dem ersten mutmaßlichen Angriff habe die Besetzung "Ausweichmanöver" vorgenommen, das Schiff sei aber drei Stunden später erneut getroffen worden. Zur Art des ersten mutmaßlichen Angriffs lagen zunächst noch keine Informationen vor.

Die Methanol-Ladung des Schiffes sei nach Angaben der Reederei intakt, der Frachter drohe nicht zu sinken. Es sei klar, dass der Schaden begutachtet und repariert werden müsse.

Wer ist verantwortlich für die Vorfälle?

Bislang ist unklar, wer hinter den Vorfällen und mutmaßlichen Angriffen steckt. Niemand hat sich zum jetzigen Zeitpunkt zu einem Angriff bekannt. US-Außenminister Mike Pompeo beschuldigte am Donnerstag Teheran, hinter den mutmaßlichen Attacken zu stecken: "Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam", sagte er in Washington. Es handele sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran". Er lieferte zunächst keine konkreten Belege für seine Anschuldigung. Pompeo sagte zuvor, die US-Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit.

Das US-Militär veröffentlichte wenig später ein Video, das die Revolutionsgarden des Iran belasten soll. Das US-Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, teilte mit, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufahre. Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes seien dabei "beobachtet und aufgenommen" worden, wie sie eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot entfernt sich danach wieder von dem Tanker. Centcom sprach von einem "Haftminenangriff". Die US-Marine entdeckte nach Angaben eines Regierungsvertreters am Rumpf eines der Tanker eine nicht detonierte Mine.

Der kuwaitische UN-Botschafter Mansur al-Otaibi sagte nach einemTreffen des UN-Sicherheitsrates, Beweise für die Anschuldigungen der USA seien nicht diskutiert worden. Auch habe der Sicherheitsrat zunächst keine Maßnahmen angesichts der steigenden Spannungen beschlossen. 

Der Iran wies die "haltlose Behauptung" der USA kategorisch zurück und forderte: "Die USA und ihre regionalen Verbündeten müssen die Kriegshetze stoppen und die schädlichen Verschwörungen sowie die Operationen unter falscher Flagge in der Region beenden." Damit schien der Iran andeuten zu wollen, dass die USA und ihre Alliierten selbst für die Vorfälle verantwortlich sein könnten.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nannte es äußerst "verdächtig", dass sich die Vorfälle während "freundschaftlicher Gespräche" des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Iran ereigneten. Dabei ging es um eine Deeskalation der Krisen am Persischen Golf.

Wie ist die aktuelle Situation in der Golfregion?

Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet. Nach saudischen Angaben wurden damals zwei Tanker des Landes schwer beschädigt. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar. Die Regierung in Teheran wies Vorwürfe einer Beteiligung zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen".

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Monaten zu. Das US-Militär verlegte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen ließ. Zudem wurden 1500 weitere US-Soldaten in die Region beordert. Auch die US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wurden ausgeweitet. Hintergrund ist unter anderem der Streit der USA über das Atomabkommen mit dem Iran.

Brisant ist der Ort der Vorkommnisse: Der Golf von Oman liegt in der Nähe der Meeresenge von Hormus, der die ölreiche persische Golfregion mit dem offenen Meer verbindet. Über diese Verbindung läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Rohöltransports per Schiff. Iran hat mehrfach gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren.

rw / DPA / AFP