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Guttenberg auf dem Cyber Security Summit: "Abschreckung ist unverzichtbar"

Die globalen Herausforderungen der IT-Sicherheit waren Thema beim 3. Cyber Security Gipfel. Dabei ging es auch um die Frage, wie aktiv Deutschland und Europa künftig im Cyberkrieg mitmischen sollen.

Von Jan Boris Wintzenburg, Bonn

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sieht im sogeannten Cyberkrieg eine ernste Gefahr

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sieht im sogeannten Cyberkrieg eine ernste Gefahr

Angesichts der aktuellen Erfolge des Islamischen Staates (IS) im Cyberspace und der Bedrohung ganzer Staaten durch Hackerangriffe müsse man über eine aktive Komponente der Cyber-Verteidigung nachdenken, sagte #link;www.stern.de/politik/deutschland/karl-theodor-zu-guttenberg-90319357t.html;Karl-Theodor zu Guttenberg# auf dem Cyber-Security-Gipfel in Bonn. Der ehemalige Verteidigungsminister und CSU-Politiker, der inzwischen als Politikberater in den USA lebt, unterstrich: "Ich halte eine Abschreckungskomponente für unverzichtbar." Damit nutzte er bewusst Begriffe aus der Zeit des Kalten Krieges. Der IS rekrutiert seine Kämpfer inzwischen sehr erfolgreich im Internet, beherrscht die Formen der digitalen Propaganda und organisiert auch Nachschub online.

"Angriff ist eine Methode der Verteidigung – auch im Cyberkrieg", unterstützte ihn Elmar Brok, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Europa-Parlament. Der CDU-Politiker forderte, dass sowohl auf Ebene der EU als auch der Nato solche Angriffsfähigkeiten entwickelt werden müssten. Gerade die EU sei die richtige Institution, um die nationalen Initiativen der Mitgliedsländer zu bündeln.

"Nato für Datensicherheit"

Auf dem Gipfel, der auf Einladung der Münchener Sicherheitskonferenz und der Deutschen Telekom stattfand, wurde schnell klar, dass die großen Herausforderungen der Sicherheit im Internet heute von staatlichen Institutionen ausgehen. Private Hackerangriffe traten in der Debatte eher in den Hintergrund. "Firmen wollen sich vor dem übergriffigen NSA-Staat schützen", sagte Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Sicherheitskonferenz und ehemalige Deutsche Botschafter.

Tim Höttges, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, die weltweit Cyberangriffe beobachtet, verwies auf den Angriff syrischer Hacker auf das Wassernetz der israelischen Stadt Haifa im Jahr 2013 und sagte, seitdem sei die Zahl der Cyber-Angriffe auf die Wasserversorgung der USA um 60 Prozent gestiegen. Längst seien westliche Staaten vom "Cyber-Dschihad" bedroht. Er forderte eine "Nato für Datensicherheit".

Internetkriminalität und Wirtschaftsspionage seien allerdings immer noch die zweite Front. "Die Telekom", so Höttges, "verzeichnet aktuell eine Million Angriffe auf die Sensoren unseres Cyber Defense Center". Vor zwei Jahren seien es erst 300.000 gewesen. Der globale Schaden betrage zur Zeit 575 Milliarden Dollar weltweit. Koordiniertes Handeln sei dringend geboten, so Höttges.