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stern-Chefredakteur Die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg und der Blick nach China und Katar: Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern

Foto der aktuellen stern-Ausgabe
"Ich wurde gnadenlos überschätzt" - Karl-Theodor zu Guttenberg im aktuellen stern 
© stern
Karl-Theodor zu Guttenberg kehrt zurück. Im stern-Gespräch ist er so ehrlich wie nie zuvor – auch sich selbst gegenüber. Außerdem: Ein kritischer Blick auf unsere engen Handelsbeziehungen mit China. Chefredakteur Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern.

Es war nicht leicht für unsere Reporterin Tina Kaiser, den wegen Volksverhetzung international gesuchten Attila Hildmann im Nordwesten der Türkei aufzuspüren, wie im letzten stern ausführlich beschrieben. Aber verglichen mit dem Versuch, dazu eine Reaktion der deutschen Politik zu erhalten, war die Suche ein Kinderspiel. Eigentlich wäre der Weg für eine Festnahme des 41 Jahre alten Kochs und dessen Auslieferung nach Deutschland nun geebnet, denn die Türkei hat das Europäische Auslieferungsabkommen unterzeichnet.

Dafür müsste aber die türkische Justiz tätig werden. Ob die mit den Deutschen kooperiert oder eine Auslieferung sogar schon bevorsteht – dazu hüllen sich die Behörden in Schweigen. "Ich bitte um Verständnis, dass das Bundesministerium für Justiz grundsätzlich nicht zu Fragen nach konkreten Auslieferungsverfahren Stellung nimmt, um eine etwaige Strafverfolgung und die internationale Zusammenarbeit nicht zu gefährden", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Wir bitten um Verständnis, dass wir weiter nachfragen werden.

Guttenberg: Geläuterter oder immer noch (Selbst-)Darsteller?

Als Karl-Theodor zu Guttenberg auf die deutsche Politbühne stieg, ja sprang, war ich Korrespondent in den USA. Aus der Ferne wirkte es noch verblüffender, wie rasch ihm Medien und Öffentlichkeit zu Füßen lagen, wie er mit seiner Gattin den Paarlauf ins Kanzleramt anzutreten schien. Kam "KTG" in die USA, ließ er sich in großer Geste am New Yorker Times Square ablichten, bei seinen Auftritten in Washington waren die Säle wegen Überfüllung geschlossen. Nach dem Plagiats-Absturz zog Guttenberg ganz in die USA, für uns Journalisten wurde er aber zum Phantom. Einmal hastete ich ihm quer durch die Straßen von New York nach, für ein paar Worte, aber er mochte nichts mehr sagen. Stattdessen gab es Schlagzeilen über fragwürdige Lobby-Deals.

Cornelia Fuchs und Giuseppe Di Grazia waren vorbereitet, einen Mann zu treffen, der nach zehn Jahren in den USA wieder die ganz große Bühne in Deutschland sucht, etwa mit seinem neuen Job als Moderator bei RTL, zu dem auch der stern gehört. Aber sie trafen einen erstaunlich selbstkritischen Mann. Allerdings auch einen, der weiter gern ungefragt Bildungshappen einstreut. Ist Guttenberg ein Geläuterter oder immer noch ein (Selbst-)Darsteller? Das beste Urteil bildet sich durch: Lektüre. 

Ein Blick auf China und Katar

Die "German-American Conference" an der Harvard University ist ein fester Termin geworden, um den transatlantischen Puls zu messen. Man hätte gedacht, dass es dort diesmal insbesondere um Russland gehen würde oder das deutsche Zögern bei der Zeitenwende (die "New York Times" hatte ein paar Tage zuvor getitelt, man könne sich auf die Deutschen nicht mehr verlassen). Doch es ging vor allem um China – den neuen großen Gegner?

Darüber sprach auch Ex-Außenminister Sigmar Gabriel in seiner Rede. Als der Sozialdemokrat danach mit Journalistinnen und Journalisten der Henri-Nannen-Schule zusammensaß, ging es aber um ein anderes Land, ein sehr kleines, sehr reiches, sehr umstrittenes: Katar, Gastgeber der Fußball-WM. Gabriel regte sich auf über die Kritik an Katar, auch Deutschland sei lange rückständig gewesen, bei Frauen- und Schwulenrechten, beim Arbeitsschutz. Katar mache Fortschritte, warum überziehe man das Königreich, das uns mit Erdgas und zuvor mit dem Ausflug unserer Soldaten aus Afghanistan helfe, so maßlos mit Vorwürfen?

Die jungen Journalistinnen und Journalisten konnte Gabriel nicht überzeugen. Doch wie feurig er mit ihnen diskutierte, beeindruckte sie schon.

Herzlich Ihr
Gregor Peter Schmitz

Erschienen im ster 45/2022

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