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Haderthauer-Rücktritt Auslaufmodelle


Einen fast endlosen Schrecken produzieren und trotzdem ein schreckliches Ende nehmen: Die CSU-Politikerin Christine Haderthauer hat es geschafft. Und damit ihren Chef Seehofer blamiert.
Ein Kommentar von Andreas Hoidn-Borchers

Manchmal lohnt es schon, sich als Politiker an die schlichten Erkenntnisse der Altvorderen zu erinnern - und sich an diesen zu orientieren. Es gibt da zum Beispiel einen Satz von Gerhard Schröder: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit." Christine Haderthauer, die nunmehr gewesene Leiterin der Münchner Staatskanzlei, muss diese Maxime allerdings heftig missverstanden haben. Deshalb hat sie es vorgezogen, sich und ihre Partei in der Modellautoaffäre erst einmal gründlich zu blamieren statt schnell und umstandslos die Konsequenzen zu ziehen. So hätte sie vielleicht noch etwas von ihrem Ruf retten können. Nun ist sie beides los: Job und Ruf.

Nicht nur nebenbei hat die einstige CSU-Zukunftshoffnung Harderthauer ihren Ex-Chef gleich mit blamiert. Horst Seehofer, der bayerische Ministerpräsident und fast allmächtige Vorsitzende der CSU, galt einmal als Politiker mit fast ungetrübtem Instinkt. Einer, der Fallen bereits wittert, bevor sie überhaupt aufgestellt sind. Früher hätte ihm sein Gespür sofort signalisiert: Wenn sie nicht freiwillig geht, wirf sie raus. Sofort. Der Schaden kann nur größer werden. Dabei war es vollkommen egal, ob gegen Haderthauer wegen Betrugs ermittelt werden würde oder nicht. Es geht um eine einfache Erkenntnis: An der Schaltstelle des Staates darf keine Frau sitzen, die gemeinsam mit ihrem Mann heikle Geschäfte mit psychisch kranken Straftätern gemacht hat. Da sollte selbst in Bayern gelten: Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Und auch dies: Fehler, die das Volk dem Ochs verzeiht, lässt es Jupiter heute nicht mehr durchgehen.

Jenseits von Rosenheim

Nun ist Seehofer nicht nur der Kollateralgeschädigte dieser schrägen Affäre. Er steht mitten im Zentrum. Um sein mühsam ausbalanciertes Machtgefüge nicht zu gefährden, wollte er am liebsten alles beim Alten lassen. Und setzte wie Haderthauer auf die Faktoren Zeit und Vergessen. Seehofer hat schließlich schon ganz andere Schwierigkeiten in seinem politischen Leben ausgesessen. Mit Erfolg. Aber damals hatte sein Instinkt noch funktioniert. Den Nimbus ist er nun los. Und den einer führungsstarken Persönlichkeit auch.

Das ist dann wohl auch die entscheidende Folge des zu späten Rücktritts von Christine Haderthauer, der einen jenseits von Rosenheim eigentlich nicht wirklich interessieren müsste: Der CSU-Chef ist angeschlagen. Und ein angeschlagener CSU-Chef ist ein gefährlicher Koalitionspartner. Er braucht nun schnelle Erfolge. Das könnte das Ende des relativ ruhigen und gemütlichen Regierens in der Großen Koalition sein.

Denn Horst Seehofer weiß, dass er nun das machen muss, was Haderthauer seit heute Abend hinter sich hat: mit aller Kraft wenigstens um den Job und gegen ein Schicksal als Auslaufmodell zu kämpfen. Den Ruf ist er ja schon los.


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