Hartz-IV-Debatte Sarrazin empfiehlt Bedürftigen "kaltes Duschen"


Während die Berliner SPD über seinen möglichen Parteiausschluss berät, macht Thilo Sarrazin erneut mit Spartipps für Hartz-IV-Empfänger von sich reden. Zuletzt hatte der Bundesbank-Vorstand preiswerte Menüs für sie parat, jetzt geht es um Sparmaßnahmen in Sachen Körperhygiene.

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat wieder einmal klare Worte gefunden. Diesmal in der "Süddeutschen Zeitung" zur Hartz-IV-Debatte. Der ehemalige Berliner Finanzminister von der SPD verteidigte die geltenden Sätze und nannte sie ausreichend. Letztlich sei es keine Geldfrage, sondern eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung. "Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig." Als Sparmöglichkeit nannte Sarrazin das Duschen: "Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben."

Sarrazin hatte bereits in der Vergangenheit mit Sparvorschlägen für Sozialtransfer-Empfänger für reichlich Wirbel gesorgt. In Interviews hatte er bereits konkrete Koch-Rezepte aufgestellt, mit denen sich Hartz-IV-Empfänger angeblich preiswert und vollwertig ernähren können. Auch hatte er Bedürftigen empfohlen zu überlegen, "ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können" und dadurch Heizkosten zu senken.

"Das stehe ich völlig bewegungslos durch"

Derweil berät die Landesschiedskommission der Berliner SPD an diesem Montagnachmittag über einen möglichen Parteiausschluss Sarrazins. Dies hatten zwei Kreisverbände beantragt. Sie werfen ihm parteischädigendes Verhalten vor. Auf der Grundlage eines Gutachtens stufen sie Äußerungen Sarrazins über Ausländer in einem Interview als eindeutig rassistisch ein. Das sei mit SPD- Positionen nicht vereinbar und schädige das Ansehen der Partei.

Sarrazin attackierte das Gutachten in der "Süddeutschen Zeitung" scharf als intellektuell und moralisch "unsauber, schleimig und widerlich". Zum Ausgang des Verfahrens sagte er: "Das stehe ich völlig bewegungslos durch." Der Ex-Senator hatte in dem Interview gesagt, eine große Zahl an Arabern und Türken in Berlin habe keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel. Er müsse niemanden anerkennen, der vom Staat lebt und diesen Staat ablehnt und ständig "neue kleine Kopftuchmädchen produziert". Eine Entscheidung noch am Montag gilt nach Angaben einer SPD-Sprecherin als eher unwahrscheinlich.

DPA DPA

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