Hintergrund Die Unwägbarkeiten durch die Nachwahl


Die Verschiebung der Wahl in Dresden nach dem Tod einer Direktkandidatin und die Feinheiten des Wahlrechts führen zusätzlichen Unwägbarkeiten über den Ausgang der Bundestagswahl. Vor allem bei einem knappen Ergebnis der grundsätzlich wahlentscheidenden Zweitstimmen könnten die Nachwahl oder Überhangmandate über das Ergebnis entscheiden.

Nachwahl in Dresden: Nach dem Tod der NPD-Kandidatin wird die Wahl im Wahlkreis Dresden I auf einen Zeitpunkt nach dem 18. September verschoben. Damit wird mindestens ein Sitz im Bundestag, der für die Mehrheit wichtig sein könnte, erst nachträglich einer Partei zufallen. Wenn die Wahl im Rest des Landes äußerst knapp ausgeht, könnte sogar die Verteilung der Zweitstimmen in dem Wahlkreis eine entscheidende Rolle spielen. Auch auf die Zahl der Überhangmandate könnte sich das Ergebnis auswirken.

Zweitstimmen:

: In der Regel ist der Anteil der Zweitstimmen entscheidend für den Wahlerfolg einer Partei, da auf ihrer Basis die Zahl der Sitze im Bundestag errechnet wird. Der Bundestag hat 598 Mitglieder, allerdings kann sich die Zahl etwa durch Überhangmandate erhöhen.

Überhangmandate:

: Das "personalisierte Verhältniswahlrecht" in Deutschland kann die Zahl der Abgeordneten erhöhen. Dies tritt ein, wenn eine Partei durch die Erststimmen für ihre Wahlkreiskandidaten mehr Mandate erhält als ihr nach dem Anteil der Zweitstimmen zustehen. Da direkt gewählte Bewerber auf jeden Fall in den Bundestag einziehen, erhöht sich die Zahl der Mandate der Partei um diese Überhangmandate.

Dies war bei vergangenen Bundestagswahlen häufig der Fall. Im scheidenden 15. Bundestag gab es zu Beginn der Wahlperiode fünf Überhangmandate. Je nach Ausgang der Wahl, kann die Zahl der Überhangmandate entscheidend für die Mehrheit sein.

Nachbesetzung und Ausgleich:

Überhangmandate werden nicht nachbesetzt, wenn ein so ins Parlament gekommener Abgeordneter stirbt oder aus einem anderen Grund ausscheidet. Im 15. Bundestag verringerte sich die Zahl im Laufe der Wahlperiode auf drei. Im Gegensatz zu den Regelungen in den Ländern gibt es bei Bundestagswahlen keinen Ausgleich für Überhangmandate. Bei Landtagswahlen wird das Verhältnis der Zweitstimmen bei den Mandaten wiederhergestellt, in dem andere Parteien zusätzliche Sitze (Ausgleichsmandate) erhalten, um Überhangmandate auszugleichen.

Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker