VG-Wort Pixel

ICE-Evakuierung und Gleis-Sperrung Terrorangst bringt Bahnverkehr ins Stocken


Die Terrorwarnung macht Deutschland nervös: In Düsseldorf wurde ein Zug evakuiert, in Hannover sperrte die Polizei Gleise wegen einer Plastiktüte. Und die "Bombe" in Namibia? Eine Attrappe.

Die Terrorwarnung von Bundesinnnenminister Thomas de Maizière macht Deutschland nervös: Am Freitag kam es zu mehrereren spektakulären Aktionen, die sich im Nachhinein als unbegründet erwiesen.

So wurde im im Düsseldorfer Hauptbahnhof ein ICE wegen eines verdächtigen Gegenstands angehalten und evakuiert. Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei hatten Reisende im ICE 609 von Kiel nach Basel einen Gegenstand entdeckt, den sie nicht zuordnen konnten. Der Zug wurde daraufhin im Düsseldorfer Hauptbahnhof gestoppt und die rund 230 Reisenden aus dem Zug gebracht. Das betroffene Gleis 16 wurde abgesperrt.

Sprengstoffexperten konnten nach Untersuchung des verdächtigen Gegenstands Entwarnung geben. Die Reisenden setzten ihre Fahrt fort. Ein Sprecher der Bundespolizei lobte das Verhalten der Zeugen: "Die Anti-Terror-Warnungen werden ernst genommen." Durch den Polizeieinsatz kam es zu Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs.

BKA war nicht informiert

In Hannover wurden mehrere Gleise wegen einer verdächtigen Plastiktüte gesperrt. Auf einem Bahnsteig war um 12.42 Uhr die Tüte entdeckt worden, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Die Gleise 9 bis 14 am Hauptbahnhof wurden daraufhin vorsorglich gesperrt. Ein Entschärfungskommando der Bundespolizei entschied sich nach einer Untersuchung dafür, den Gegenstand zu zerstören, weil die Beschaffenheit nicht einzuschätzen war, wie der Sprecher sagte. Erst danach sollte die Sperrung der Gleise wieder aufgehoben werden.

Am Rande der Innenministerkonferenz in Hamburg teilte unterdessen de Maiziére mit, dass der am Flughafen in Windhuk wegen Sprengstoffverdachts sichergestellte Koffer eine ungefährliche Attrappe war. Bei dem Gepäckstück habe es sich um einen sogenannten Realtestkoffer eines US-amerikanischen Herstellers gehandelt. Sprengstoff habe er nicht enthalten. Offen sei noch, an wen der Koffer von der Firma verkauft worden sei und wer ihn in den Flughafen gebracht habe.

De Maizière schließt nicht völlig aus, dass der Koffer mit einer Bombenattrappe in Namibia möglicherweise von den deutschen Sicherheitsbehörden selbst dort platziert wurde. "Ich halte das für sehr unwahrscheinlich", sagte er in Hamburg. Aber auch das werde "selbstverständlich" Gegenstand der Ermittlungen sein. Derartige Koffer würden dazu verwendet, Sicherheitsmängel aufzudecken. Das Bundeskriminalamt war nach eigenen Angaben nicht über den Test informiert.

Das Gepäckstück war am Mittwochabend in Windhuk vor dem Abflug einer Air-Berlin-Maschine nach München sichergestellt worden. Es enthielt eine Batterie, einen Zünder und eine laufende Uhr. Am Donnerstag war spekuliert worden, das Stück sei möglicherweise von einem staatlichen Sicherheitsdienst eingesetzt worden, um die Qualität der namibischen Kontrollen zu prüfen. Beamte des Bundeskriminalamts waren nach Namibia geflogen, um den Fall zu untersuchen.

zen/kbe/DPA/DAPD DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker