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Ilse Aigner Die neue Thronanwärterin in der CSU


Ilse Aigner hat einen bedeutenden Karriereschritt gemacht: Am Samstagmorgen wachte sie als Landwirtschaftsministerin auf - zu Bett ging sie am Abend als neue erste Thronanwärterin der CSU.

Der Kreis der CSU-Thronanwärter ist um eine Prinzessin reicher: Mit der Wahl von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zur Chefin des größten und mächtigsten CSU-Bezirksverbands Oberbayern haben sich die Kräfteverhältnisse in der CSU verschoben. Aigner ist nach dem Sturz von Karl-Theodor zu Guttenberg die Sympathieträgerin Nummer eins in der Partei - und sogar manche ergrauten Granden können sich plötzlich eine Parteivorsitzende vorstellen: "Warum nicht?", antworten mehrere CSU-ler auf die entsprechende Frage.

Parteichef Horst Seehofer jedenfalls kann sich über ein gelungenes Wochenende freuen: Beim Oberbayern-Parteitag in Traunreut wird seine Favoritin Bezirkschefin, beim gleichzeitig laufenden Bezirksparteitag in Niederbayern in Pfarrkirchen wird zumindest nach außen die Eintracht von Bezirksverband und Parteivorsitzendem wiederhergestellt.

Bei beiden Treffen präsentiert sich die CSU geschlossen: Die Oberbayern wählen Aigner mit 98 Prozent, die Niederbayern bestätigen ihren Bezirkschef Manfred Weber sogar mit 99 Prozent. Einerseits ist in der CSU das Murren über Seehofer Volkssport - andererseits gibt es klare Anzeichen, dass Kampfesmut und Siegeswillen in der CSU wieder zunehmen.

Ilse Aigners überragenden Erfolg erklären sich CSU-Politiker mit mehreren Faktoren: Die gelernte Elektrotechnikerin ist so sympathisch, dass sie bislang eine der wenigen CSU-Spitzenkräfte ohne eine nennenswerte Zahl von Neidern und Feinden in der Partei ist. Zweitens lösten sie und Finanzminister Georg Fahrenschon nach allgemeiner Wahrnehmung in der Partei ihren Konflikt um die Führung im Bezirksverband auf mustergültige Art und Weise.

Und drittens sehnt sich die CSU Oberbayern nach Rückkehr zu alter Stärke und Bedeutung. Der bisherige Bezirkschef Siegfried Schneider gilt CSU-intern zwar als anständig - aber ihm fehlen Ausstrahlung und Charisma.

Für den CSU-Vorsitz ist die 46-Jährige im Grundsatz allein schon deswegen qualifiziert, weil sie nun Vorsitzende der Oberbayern ist. "Der Bezirksvorsitz in Oberbayern war schon immer ein Sprungbrett für höchste Aufgaben", sagt ein CSU-Mann. Das bedeutet aber nicht, dass Seehofer sich ab sofort Sorgen um seinen Posten machen müsste. Sofern keine unerwartete Wendung eintritt, ist in der CSU Konsens, dass er 2013 Spitzenkandidat für die Landtagswahl wird. Die Kehrseite der Medaille für Aigner ist, dass nun große Erwartungen auf ihr lasten.

In Niederbayern hatte Seehofer eine schwierigere Aufgabe zu absolvieren. In den vergangenen Monaten gab es große Spannungen zwischen Parteichef und Bezirksverband. Zuerst lösten die Empfehlungen des Zukunftsrats zur Förderung der städtischer Leistungszentren eine Rebellion aus, weil viele Niederbayern die Abkopplung des Regierungsbezirks fürchteten. Und dann gerieten Seehofer und Niederbayern-Chef Weber auch noch wegen der Euro-Krise aneinander.

Seehofer löst die Aufgabe, indem er alle und jeden lobt und ganz besonders Bezirkschef Weber. Die niederbayerischen Delegierten aber stellen mit den 99 Prozent für Weber sicher, dass er auch für eventuelle künftige Auseinandersetzungen mit Seehofer und der Münchner Zentrale gerüstet ist. "Das ist doch auch mal ein kräftiges Signal", meint ein Delegierter.

Carsten Hoefer und Arne Meyer/DPA DPA

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