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Prozessauftakt: Islamist Sven Lau soll Netzwerk bis nach Syrien gehabt haben

Hat der Salafisten-Prediger Sven Lau junge Muslime zum Islamischen Staat nach Syrien geschleust? Das ist eine entscheidende Frage im Prozess gegen den deutschen Islamisten, der jetzt in Düsseldorf begonnen hat.

Sven Lau: Der Salafisten-Prediger beim Prozessauftakt gegen ihn in Düsseldorf

Sven Lau ist einer der bekanntesten Salafisten-Prediger in Deutschland

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht hat am Dienstag der Prozess gegen den bundesweit bekannten Salafisten-Prediger Sven Lau alias Abu Adam begonnen. Die Bundesanwaltschaft hat den 35-Jährigen wegen Unterstützung der islamistischen Terrormiliz Jamwa ("Armee der Auswanderer und Helfer") angeklagt. Lau habe "unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Terrorgruppe unterstützt", sagte Staatsanwalt Malte Merz. "Sein Netzwerk reicht von hier bis Syrien."

Zum ersten Mal steht somit in Deutschland ein salafistischer Prediger wegen direkter Unterstützung einer dschihadistischen Gruppe vor Gericht. Lau könnte nach Angaben des Vorsitzenden Richters Frank Schreiber sogar als Terrorist des "Islamischen Staats" (IS) verurteilt werden. Die Jamwa soll eng an den IS, damals noch ISIG, angebunden und spätestens Ende des Jahres 2013 in ihm aufgegangen sein. Die Tatvorwürfe stammen ebenfalls aus dem Jahr 2013. Dem 35-Jährigen drohen nach Angaben des Gerichts als Gesamtstrafe bis zu 15 Jahre Haft. Seit neun Monaten sitzt er bereits in der JVA Aachen in Untersuchungshaft.

Verteidigung spricht von "juristischem Blindflug"

Laut Anklage hat Lau zwei Männer aus Deutschland mit Hilfe eines IS-Schleusers namens "Abu Mohammed" in die Reihen Jamwas gelotst. Einer von ihnen soll der bereits in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte Islamist Ismail I. sein. I. war im September 2013, direkt nach einer unter anderem von Sven Lau organisierten Mekka-Pilgerreisen über das türkische Gaziantep nach Syrien zu Jamwa gereist. Ein zweiter Mann, Zouneir L., soll aus Mönchengladbach stammen – wie Lau. Er soll ebenfalls an der Pilgerreise im Sommer teilgenommen haben und folgte I. auf selbem Weg nach Syrien im September 2013. Neben der Rekrutierung der zwei Männer wird Lau außerdem vorgeworfen, der Terrormiliz drei Nachtsichtgeräte im Wert von 1440 Euro und Geld verschafft haben. Die Ermittler stützen die Anklage auf die Auswertung von Videobotschaften, Chat-Dateien, Fotos von Laus Laptop und Zeugen.

Laus Verteidigung bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt Mutlu Günal bezeichnete die Anklage als "juristischen Blindflug". Der Generalbundesanwalt vertraue als Belastungszeugen "einem notorischen Lügner und einem Verrückten", sagte Günal. Lau werde zu den Vorwürfen schweigen, kündigte der Verteidiger an. Der erste Verhandlungstag endete bereits direkt nach der Verlesung der Anklageschrift.

Prozess gegen Sven Lau im Hochsicherheitstrakt

Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts statt. Zum Auftakt waren am Dienstag auch ein Duzend Unterstützer Sven Laus gekommen. Im Vorfeld hatte die salafistische Szene in den sozialen Netzwerken noch gestritten, ob es besser sei, der Verhandlung fern zu bleiben. Das Gericht hat für den Prozess bis 18. Januar 2017 zunächst 30 Verhandlungstage angesetzt. Lau gilt auch als Initiator der "Scharia-Polizei" in Wuppertal. Deswegen wird er in einem gesonderten Verfahren verfolgt. Der Düsseldorfer Prozess gegen ihn wird am 13. September fortgesetzt.

tis / DPA