Kabinettsbeschluss Aktionspaket soll Folgen des Klimawandels mildern


Trockene Sommer, nasse Winter, unsichere Wasser- und Stromversorgung: Der Klimawandel wird Deutschland aller Voraussicht nach schwer zu schaffen machen. Mit einem umfangreichen Aktionspaket will sich die Bundesregierung für kommende Probleme wappnen.

Die Bundesregierung rechnet langfristig mit drastischen Folgen durch den Klimawandel in Deutschland. Sie will daher mit einem Aktionsplan gegensteuern. Das Kabinett beschloss am Mittwoch in Berlin ein umfangreiches Strategiepaket mit 15 Aufgabenfeldern.

Krankheiten wie die von Zecken übertragene Borreliose könnten zunehmen, die Stromversorgung sei bei Wetterextremen in Gefahr, und es drohten neue Risiken für die Stabilität von Banken und Versicherungen, heißt es in dem Papier. Die Bundesregierung schließt staatliche Hilfe bei großen Schäden wie beim Oder-Hochwasser 1997 nicht aus, sieht dies aber als letztes Mittel. Bis 2011 soll ein Aktionspaket von Bund und Ländern erarbeitet werden.

"Wir tun alles dafür, dass das ambitionierte EU-Ziel erreicht wird, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf weniger als zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). "Aber selbst dann werden Folgen des Klimawandels auftreten, auf die sich auch Deutschland einstellen muss."

Sommer voraussichtlich deutlich trockener

Das Klima wird sich in Deutschland nach Einschätzung des Strategiepapiers voraussichtlich deutlich verändern. Die Erwärmung werde vor allem im Winter durch mehr Niederschläge zu spüren sein, heißt es in dem Entwurf. Dagegen werden die Niederschläge im Sommer voraussichtlich zurückgehen. Vor allem in zentralen Teilen Ostdeutschlands, im nordostdeutschen Tiefland und im süddeutschen Becken werde es trockener. In den Alpen gingen die Gletscher zurück, an den Küsten steige der Meeresspiegel.

Der Hochwasserschutz an Küsten und Flüssen soll deshalb verstärkt werden. Der Bund will hierfür von 2009 bis 2025 insgesamt 380 Millionen Euro zusätzlich bereitstellen. Stürme, Dürren, Hochwasser könnten die Stromversorgung gefährden. "Die Folgen könnten Angebotsverknappungen, Energiepreissteigerungen und Versorgungsstörungen sein." Für die Landwirtschaft empfiehlt das Strategiepapier, stärker angepasste Pflanzen zu entwickeln. Auch beim Bauen von Gebäuden soll mehr auf Klimafolgen geachtet werden.

Der Klimawandel birgt nach Einschätzung der Regierung weitere Gefahren für Banken und Versicherungen: "Die staatlichen Aufsichtsbehörden von Bund und Ländern müssen verstärkt darauf achten, ob die verwendeten Risikomodelle noch ausreichen, die finanzielle Stabilität der Versicherungen und Banken zu gewährleisten." Für die Wirtschaft werden Risiken bei der Sicherheit von Anlagen und Chancen in Umwelttechnologien gesehen. Der Tourismus kann etwa in den Alpen Probleme bekommen.

EU-Parlament verabschiedet Klimapaket

Das Europäische Parlament in Straßburg hat unterdessen am Mittwoch das zuvor heftig umstrittene Gesetzpaket zum Klimaschutz in der EU verabschiedet. Die Mitgliedsstaaten der Union hatten sich darauf beim Gipfel in Posen vergangene Woche geeinigt. Die EU will damit ihr ehrgeiziges Ziel umsetzen, den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid bis 2020 um 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Die tiefgreifenden neuen Bestimmungen zum Kampf gegen den Klimawandel wurden damit innerhalb eines knappen Jahres durch alle Instanzen gepeitscht.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker