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SPD-Gesundheitsexperte "Nullkommaplötzlich erschießen": Öffentliche Morddrohung entsetzt Lauterbach

Coronavirus: Lauterbach fordert "schnellen Lockdown, der nicht allzu lange dauert"
Sehen Sie im Video: Lauterbach plädiert für "schnellen Lockdown, der nicht allzu lange dauert"




Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsexperte: "Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wir müssen zurück in den Lockdown. Und hier gibt's nur zwei Möglichkeiten. Also, entweder machen wir das frühzeitig, warten nicht länger ab und versuchen, das in den Griff zu bekommen mit einem schnellen und harten Lockdown, der nicht allzu lange dauert. Oder wir verzögern das noch. Dann müssen wir auch in den Lockdown. Dann kommt der gleiche Lockdown aber später und wird deutlich länger dauern. Also die Modellierungen zeigen ganz klar: Mit jeder Woche, mit der ich einen Lockdown später beginne, verliere ich nach hinten heraus, um die gleiche Fallzahl wieder zu erreichen, zwei bis drei Wochen mindestens und habe auch noch eine höhere Zahl von Todesfällen. Also das Testen in den Schulen und den Betrieben zweimal pro Woche aufzubauen, das ist unser wichtigstes Brückentechnologieinstrument, um den R-Wert abzusenken. Das ist mit Impfungen zum jetzigen Zeitpunkt bei der Impfmenge, die wir verimpfen können, noch nicht möglich. Dritter Punkt: Die Erstimpfung muss unbedingt in den Vordergrund gestellt werden. Wir müssen jetzt so viele Erstimpfungen vornehmen wie möglich. Und wir sollten auch die Reihenfolge nicht verändern. Jetzt kommt es sehr darauf an, diejenigen mit der Erstimpfung auszustatten, die das höchste Risiko tragen. Und das Risiko, bei einer Covid-Infektion an Covid zu versterben, ist für einen Achtzigjährigen 600 mal so hoch wie für einen 30 jährigen."
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Wegen seiner harten Haltung in der Coronakrise wird SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach immer wieder angefeindet. Jetzt hat der Mediziner eine öffentliche Morddrohung auf Twitter angeprangert.

Karl Lauterbach ist scharfe Attacken gewohnt: Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe ist in einer der bekanntesten Verfechter eines harten Kurses im Kampf gegen das Coronavirus. Mehr als 100 Hassbriefe bringt ihm das täglich ein. Auch Mordaufrufe gegen sich kennt Lauterbach und bringt sie regelmäßig zur Anzeige. Doch was er jetzt lesen musste, entsetzte auch den leidgeprüften 58-Jährigen.

Einen öffentlichen Facebook-Post über eine Aussage Lauterbachs zu einem "kurzen, harten Lockdown von drei bis vier Wochen" hatte ein Nutzer offenbar unter seinem vollen Namen mit den Worten kommentiert: "Ideal wäre, wenn man dieses Arschloch in nullkomaplötzlich erschiessen würde (sic)."

Lauterbach ruft zu Zusammenhalt auf 

"Unglaublich. Das so etwas immer noch möglich ist (sic)", beklagte sich Lauterbach auf Twitter und Facebook über die Hassattacke. "Mit Klarname rufen Leute im Netz zu meiner Erschiessung (!) auf. Eine kleine Gruppe gewaltbereiter Demagogen versucht, engagierte Wissenschaftler und Politiker, nicht nur mich, mundtot zu machen. Wir müssen dagegen zusammenhalten (sic)."

Parteikollegin Sawsan Chebli sprang dem SPD-Politiker via Twitter zur Seite und forderte ihn auf, gegen den Mordaufruf vorzugehen. "Das ist unfassbar! Zeig alles an bitte, lieber Karl", twitterte die parlamentarische Staatssekretärin für Bürgerliches Engagement in Berlin. "Und lass Dich nicht einschüchtern. Ist genau das, was diese Leute wollen. Erst dann, wenn Du schweigst, schweigen sie. Sehe es bei mir: Bin ich laut, ist meine Inbox voll mit Hass. Halte ich mich zurück, ist der Hass weniger."

Auch von der Opposition bekam Lauterbach Rückendeckung: "Einschüchterung oder gar Gewalt haben in unserer #Demokratie nichts verloren", schrieb FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter. "Ich teile nicht jede Meinung mit @Karl_Lauterbach und streite gerne mit ihm, aber in dieser Frage hat er meine volle #Solidarität."

Und der Linken-Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner twitterte: "Volle Solidarität, lieber @Karl_Lauterbach. Dem Hass keine Chance!"

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Aufgedeckt hatten den Mordaufruf "Die Insider". Die Recherchegruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hetze im Netz sichtbar zu machen und öffentlich anzuprangern. "Dieser öffentliche (keine private Gruppe) Kommentar ist immer noch online", schrieb sie in einem Posting, das mit einem Screenshot des Chats versehen war. "Ein Olaf Z (Klarname!) fordert offen dazu auf, @Karl_Lauterbach zu erschießen." Der Nachname des Beschuldigten ist in dem Post geschwärzt.

Post von der Justiz dürfte Olaf Z. dennoch demnächst bekommen. "Die Insider" stellten klar: "Wir haben den Kommentar der zuständigen Behörde übergeben."

mad

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