Krisentreffen in München Huber und Seehofer zum Rapport


Er wird seinen Parteispezis die Leviten lesen: Die Streithähne um den CSU-Parteivorsitz, Erwin Huber und Horst Seehofer, müssen heute zum Krisengespräch bei Edmund Stoiber antreten. Eine Einigung ist trotzdem nicht in Sicht.

Im Streit um den CSU-Vorsitz wollen Spitzenpolitiker und der scheidende Parteichef Edmund Stoiber heute in einem weiteren Krisengespräch eine Lösung suchen. Nach wie vor beharren Parteivize Horst Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber auf ihrem Anspruch, die Nachfolge Stoibers als CSU-Chef anzutreten. Stoiber will seine Ämter Ende September niederlegen. Innenminister Günther Beckstein ist als sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten vorgesehen.

Huber rechnet nicht mit einer raschen Einigung. "Ich glaube, dass noch mehrere Gespräche notwendig sind, aber das ist kein Beinbruch", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. "Ich glaube nicht, dass es in einem Gespräch möglich ist, all diese Dinge schon abzuschließen." Die Partei könne sich einen Prozess von einigen Wochen bis zur nächsten Vorstandssitzung am 12. Februar gewiss gönnen. Eine Kandidatur mehrerer Bewerber sei der Normalfall in der Demokratie. "Es ist ein demokratischer Wettbewerb", sagte Huber. "Mir geht es darum, eine Mannschaft zu motivieren, die in der Lage ist, die CSU in die Jahre 2008 und 2009 mit den großen Wahlen zu führen." Sollte es erst auf dem Parteitag Ende September zur Abstimmung zwischen ihm und Seehofer kommen, müsse man Verletzungen und Lagerbildung bis dahin vermeiden, sagte Huber. Er forderte alle Politiker der CSU auf, der Versuchung von Personalspekulationen zu widerstehen und sich auf die Sacharbeit zu konzentrieren. Das könne nicht wie auf einem Basar ausgehandelt werden.

Huber will nach Berlin

Huber betonte in der "Passauer Neuen Presse" noch einmal, seine Kandidatur für den CSU-Vorsitz sei "unverrückbar". Er sagte, "die Unterstützung aus dem ganzen Land ist so stark, dass etwas anderes gar nicht möglich ist". Huber stellte klar, dass er als CSU-Vorsitzender die Partei von Berlin aus führen möchte. "Der Parteivorsitzende soll aus meiner Sicht als Spitzenmann in die Bundestagswahl gehen und deshalb auch nach Berlin wechseln", sagte Huber. Damit sei "jeder Zweifel ausgeräumt, dass das Gewicht der CSU in Berlin und Deutschland erhalten werden kann". Bundesagrarminister Seehofer will notfalls in einer Kampfabstimmung auf dem CSU-Parteitag im Herbst gegen Huber antreten.

Stoiber bleibt bei Terminplan für Rücktritt

Stoiber war am Donnerstag Spekulationen entgegengetreten, dass er wegen der ungeklärten Nachfolgefrage über September hinaus Parteichef bleiben könnte. "Dafür stehe ich keinesfalls zur Verfügung", sagte er. Stoiber erwarte bei der Spitzenrunde "faire und gute Gespräche", hieß es. Der scheidende Regierungschef sehe seine Rolle dabei als "fairer Schiedsrichter und ehrlicher Makler".

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer sagte der "Leipziger Volkszeitung", es wäre nicht schlimm, wenn Stoiber vorerst als Parteichef weitermache. Mayer hält es nach eigenen Worten allerdings "für sinnvoll, wenn sowohl das Amt des Ministerpräsidenten wie auch das des Parteivorsitzenden ungefähr zur gleichen Zeit übergeben" würden. Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, erklärte, es gebe keine Veranlassung, über die Frage zu diskutieren, ob Stoiber doch weiterhin Vorsitzender bleibe.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker