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Lafontaine bleibt Fraktionschef im Saarland: Niemals geht Oskar so ganz...

Mit einer flammenden Rede hat sich Oskar Lafontaine nach drei Jahren aus dem Amt des Linke-Vorsitzenden verabschiedet. Der "Napoleon von der Saar" zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, nachdem im vergangenen Jahr seine Krebs publik wurde.

Der Boss der Genossen ist abgetreten: Sichtlich bewegt nahm Oskar Lafontaine, früher SPD-, dann Linke-Chef, am Samstag in der Rostocker Stadthalle Abschied von der bundespolitischen Bühne. Mit minutenlangem Applaus würdigten die rund 500 Delegierten des Linke-Parteitags die letzte Rede Lafontaines als Vorsitzender. Zuvor hatte der 66-Jährige seiner Partei mit auf den Weg gegeben, den bislang eingeschlagenen Kurs gegen Sozialabbau konsequent fortzusetzen.

Rund vier Jahrzehnte prägte Lafontaine die Politik in Deutschland mit, galt als eine der schillerndsten Figuren im oft so drögem Politbetrieb. Im Januar erklärte er nach einer Krebsoperation seinen Rückzug. Ganz auf den brillanten Rhetoriker muss jedoch nicht verzichtet werden. Er kündigte bereits an, sich auch als saarländischer Fraktionschef zu bundespolitischen Themen äußern zu wollen.

"Napoleon von der Saar"

Die Krebserkrankung war nicht der erste Schicksalsschlag für Lafontaine. 1990 wurde er während des Wahlkampfs als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl Opfer eines Messer-Attentats. Die Attacke erschütterte Lafontaine nachhaltig. "Ich habe dieses Trauma, dass ich plötzlich völlig aus der Bahn geworfen wurde", sagte er noch Jahre später.

An seinem Ruf als "linker Scharfmacher", als "Napoleon von der Saar" oder gar "der gefährlichste Mann Europas" hat dies wenig geändert. Schon als SPD-Politiker galt der langjährige Oberbürgermeister von Saarbrücken und Ministerpräsident des Saarlands als schillernde Persönlichkeit.

Bereits 1966 trat er in die Partei ein. 1980 führte er die Saar-SPD erstmals zur stärksten Kraft im Landtag, fünf Jahre später wurde er Ministerpräsident. Dem SPD-Präsidium gehörte Lafontaine ab 1979 an. Seine Kandidatur bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 scheiterte jedoch.

Zerwürfnis mit Schröder

Mit Macht meldete er sich dann im November 1995 auf dem Mannheimer Parteitag zurück. Er löste nach einer Kampfabstimmung Rudolf Scharping als SPD-Chef ab. 1998 überließ er aber Gerhard Schröder die Kanzlerkandidatur und trat nach gewonnener Wahl als Bundesfinanzminister in dessen rot-grünes Kabinett ein.

Schon wenige Monate später folgte das Zerwürfnis mit dem Regierungschef, zu unterschiedlich waren die Auffassungen über die Wirtschaftspolitik. Nach dem Rücktritt 1999 galt Lafontaine als abgeschrieben.

Kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 trat er aus der SPD aus und führte in einem Kraftakt die Wahlalternative WASG mit der PDS zusammen. Beide kamen auf über acht Prozent, zogen in den Bundestag ein und wählten Lafontaine zu einem ihrer beiden Fraktionschefs. Nach der Fusion beider Parteien wurde er auch einer von zwei Bundesvorsitzenden.

Sensationelle 21,3 Prozent im Saarland

Bei der Landtagswahl 2009 trat er im Saarland für die Linke als Ministerpräsidenten-Kandidat an. Die Partei erzielte sensationelle 21,3 Prozent, aber für den Posten des Regierungschefs oder auch nur eine Regierungsbeteiligung reichte es nicht.

Lafontaine ist trotzdem mit dem Ereichten zufrieden. Die Linke ist mittlerweile auch im Westen etabliert, gerade letzte Woche zog sie in das Parlament von Nordrhein-Westfalen ein. Damit sind die Linken in sieben west- und sechs ostdeutschen Parlamenten. Man habe seit der Gründung vor drei Jahren viel erreicht und "jetzt liegt es an euch, dass wir diesen Weg unbeirrt weitergehen", rief er den Delegierten in seiner Abschiedsrede zu, bevor er lächelnd seinen designierten Nachfolgern Klaus Ernst und Gesine Lötzsch die Hände schüttelte.

DPA/APN / DPA