HOME

Landtagswahl in Bayern: Beckstein unterliegt Maget im Rededuell

Chance vertan: Kurz vor der Landtagswahl in Bayern kämpft die CSU mit dem Rücken zur Wand, beim Rededuell mit SPD-Mann Franz Maget konnte Ministerpräsident Günther Beckstein nicht punkten. Vor allem beim Thema Hauptschule hätte er besser schweigen sollen.

Von Tobias Lill

Es muss ein Schock für Günther Beckstein gewesen sein. Ausgerechnet wenige Stunden bevor er sich als erster Ministerpräsident in der Geschichte Bayerns einem TV-Duell mit seinem Herausforderer von der SPD stellen will, erfährt er die Schreckensnachricht: Die CSU ist in einer Umfrage auf 47 Prozent abgestürzt. Doch als Beckstein im TV-Studio des Bayerischen Fernsehens (BR) auf SPD-Chef Franz Maget trifft, lässt er sich wenig anmerken. Etwas verspannt sitzt er in seinem schwarzen Sessel zwar schon, dafür darf er auf Kommando von BR-Chefredakteur Siegmund Gottlieb gleich loslegen. Im Eröffnungsstatement sagt er, den Menschen in Bayern gehe es besser als in anderen Ländern und fährt fort: "Diesen Vorsprung wollen wir nicht nur halten, sondern auch ausbauen." Beckstein verweist darauf, dass in weiten Teilen Bayerns Vollbeschäftigung herrsche und der Freistaat einen soliden Haushalt und die wenigsten Straftaten vorweisen könne.

Patzer in der Bildungspolitik

Dabei spricht der CSU-Politiker betont langsam. Um dem rhetorisch gewandten Maget gewachsen zu sein, hat sich Beckstein vor einigen Tagen drei Stunden lang von einem Fernsehjournalisten trainieren lassen. Dennoch gerät der Ministerpräsident in der 45-minütigen Sendung manchmal ins Stocken oder verhaspelt sich. So greift er das Reizthema "Abschaffung der Hauptschulen" auf - vergaloppiert sich dabei aber und behauptet stattdessen, Maget wolle die Grundschulen abschaffen - obwohl keine Partei diese Schulform ernsthaft in Frage stellt.

Auch als Beckstein die dritte Startbahn am Münchner Flughafen verteidigt, stoibert er sich durch das Thema. Hilflos muss er ansehen, wie ihm Maget in Erinnerung ruft, dass Beckstein friedliche Demonstranten als Backpfeifen bezeichnet hat. Eine "Äh"-Orgie, wie sie sein Vorgänger Edmund Stoiber bei wichtigen Auftritten vor der Kamera schon einmal gezeigt hatte, veranstaltet Beckstein zwar nicht. Doch er wirkt müde, sieht trotz Puder blass aus. Der harte Wahlkampf der letzten Wochen ist ihm anzumerken.

SPD-Mann Maget, im dunklen Anzug mit roter Streifenkrawatte, geht dagegen von Anfang an in die Offensive. "Wir möchten, dass die Macht in Bayern wieder geteilt wird. Dass mehr auf die Menschen gehört wird", ruft der Münchner. Eine Alleinregierung sei dabei eine denkbar schlechte Voraussetzung, so der SPD-Chef, der bei diesen Worten wohl auch die jüngsten Forsa-Zahlen im Kopf gehabt haben dürfte. Nur mehr ein gutes Drittel der Bayern will demnach, dass die CSU in Bayern in Zukunft alleine weiterregiert.

Maget, der den Blick stets auf Beckstein richtet, fährt fort: "Ich glaube, dass Bayern einen Neuanfang braucht." Der Freistaat sei in den "letzten 50 Jahren schlecht regiert" worden. Er erinnert an das gescheiterte Transrapid-Projekt, die Büchergeld-Pleite und Becksteins Rolle beim Debakel der Bayern LB: "Sie haben die Landesbank in die Immobilienmärkte der Vereinigten Staaten getrieben." Beckstein sei für die dort angehäuften Milliardenverluste verantwortlich.

Filz, was für ein Filz?

Der Ministerpräsident wehrt sich. Schließlich habe die Bank ja viele Jahre mit den US-Geschäften Gewinne gemacht. Auch widerspricht er "mit aller Schärfe" dem Vorwurf, in Bayern gebe es durch die lange Einparteienherrschaft einen "Filz". Manchmal ballt Beckstein beim Reden die Faust. Etwa, wenn er ein ums andere Mal die Vorzüge Bayerns aufzählt.

Einer der Gründe, dass die CSU bei dieser Landtagswahl erstmals seit 1966 wieder unter die magische 50 Prozent-Hürde fallen könnte, sehen Demoskopen in einer zunehmenden Entfernung der CSU von der bayerischen Lebenskultur. Mehr als die Hälfte der Wähler im Freistaat glaubt nicht mehr, dass ihre Partei das bayerische Lebensgefühl verkörpert. Beckstein zielt deshalb mit seinen Redebeiträgen bewusst auf das Stammklientel der CSU ab, das zunehmend auch von anderen Parteien absorbiert wird. "Bayern ist ein wunderschönes Land", ruft er und fährt fort: "Der Zusammenhalt, die starke Volkskirche, dass wir Feuerwehren und viele Menschen haben, die für einander sorgen und aufeinander schauen - das ist etwas, was wir erhalten wollen". Und auch die Bauern dürfen in seiner Lobhymne nicht fehlen. Schließlich waren es vor allem die Landwirte, die bei der vergangenen Kommunalwahl scharenweise zu den Freien Wählern überliefen.

"Eine ganz plumpe Verleumdung"

Der SPD-Spitzenkandidat wiederholt seine Forderung nach einem landesweiten Mindestlohn. "Es gibt in Bayern hunderttausend Menschen, die Vollzeit arbeiten und dennoch zur Arge müssen", sagt er. Auch der Ministerpräsident müsse, so Maget weiter, als evangelischer Christ für Mindestlöhne sein. Der entgegnet zwar: Es sei in der Tat bedauerlich, dass es einzelne Menschen gebe, "die Familien mit ihrem Gehalt nicht ernähren können". Er bleibt aber bei seiner generellen Ablehnung von staatlich geregelten Löhnen auf Landesebene.

Im Ton vergreifen sich beide Bewerber nur selten. Schärfer werden die Attacken erst, als es um den Atomausstieg geht. Plakate der Sozialdemokraten, auf denen diese behaupten, die CSU wolle neue Atomkraftwerke in München bauen, bringen Beckstein auf die Palme. "Eine ganz plumpe Verleumdung", poltert er. Derjenige, der das behaupte, sei "entweder ein Verleumder, oder er hat nicht alle Tassen im Schrank." Auch Maget, der zunächst grinst, räumt schließlich ein, die SPD habe hier zugespitzt.

Kurz vor Schluss lässt es sich Maget nicht nehmen, über die sogenannte Bierrede Becksteins zu lästern. "Recht und Ordnung sind mir eine Herzensangelegenheit", sagt er. Er wolle die Alkoholprävention stärken und fährt genüsslich fort: "Da darf es keine falschen Signale des Ministerpräsidenten geben." Beckstein, der in seiner Rede gemeint hatte, man könne auch nach zwei Maß Bier noch Auto fahren, lächelt zunächst nur, stellt dann aber klar: "Wenn man Auto fährt, soll man überhaupt keinen Alkohol trinken": Allerdings sei "ein Glas Bier oder ein Glas Wein heute einfach üblich."