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Landtagswahl in Sachsen: Ein Sieg, zwei Sieger

Die CDU hat die Landtagswahl gewonnen, hat doppelt so viele Stimmen bekommen wie die zweitplatzierte Linke und sogar mehr Stimmen als Rot-rot-grün zusammen. Doch sehen Sieger wirklich so aus?

Ein Kommentar von Jan Rosenkranz

Stanislaw Tillich (CDU) und Frauke Petry (AfD): Wer hat da jetzt eigentlich gewonnen?

Stanislaw Tillich (CDU) und Frauke Petry (AfD): Wer hat da jetzt eigentlich gewonnen?

Sehen so Sieger aus? Die CDU fährt in Sachsen mit 39 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte des Landes ein. Und das obwohl ihr Ministerpräsident Stanislaw Tillich in Umfragen persönliche Traumwerte erzielt; obwohl die Wirtschaft des Landes brummt und scheinbar alle Sachsen schwer zufrieden sind - so zufrieden, dass noch nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten ihr Wahlrecht wahrnehmen wollte.

Und nicht nur das: 15 Prozent derjenigen, die trotz Regen und letztem Ferientag den Weg ins Wahllokal fanden, haben Tillich einen zweiten Sieger an die Seite gewählt. 15 Prozent, die rechts seiner CDU liegen. Die rechtsextreme NPD flog zwar mit 4,9 Prozent aus dem Lantag, trotzdem ist das ein traurig hohes Ergebnis. Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland schafft aus dem Stand sogar zehn Prozent. Im Grunde ist sie der eigentliche Sieger dieser Wahl. Sie hat nicht nur den Einzug in den sächsischen Landtag erreicht, sie scheint sich endgültig Platz zu verschaffen in der Parteienlandschaft des Landes.

Knapp neben rechtsextrem

Wer sich bisher gefragt hatte, in welcher Ecke des Parteienspektrums die sich stets so betont bürgerlich gebenden Euro-Gegner einzuordnen seien, hat in Sachsen die eindeutige Antwort erhalten: Rechts, nicht rechtsextrem, aber auch nur knapp daneben. Ihre Parolen scheinen nicht nur bisherige Nicht-Wähler anzusprechen, sondern gerade auch solche, die bisher brav ihr Kreuz bei der CDU machten. 34.000 Stimmen hat die AfD allein bei ihr abgeholt, mehr als bei allen anderen Parteien.

Es wird höchste Zeit, dass sich die CDU eine ernsthafte Strategie für den Umgang mit dieser neuen Partei einfallen lässt. Dass Totschweigen nicht nur die falsche, sondern gar keine Strategie ist, hat die CDU im Europawahlkampf erfahren müssen. Dass es noch ungeschickter geht, hat Tillich jetzt in Sachsen bewiesen: totschweigen einerseits, andererseits bis in den Wahlabend hinein eine Koalition mit ihr nicht ausschließen. Genützt hat das vor allem der AfD.

Nach Sachsen werden sich als Nächstes wohl die Landtage in Thüringen und Brandenburg mit den neuen Populisten herumschlagen dürfen. Dort dümpelt die AfD in Umfragen bislang knapp um und bei der Fünf-Prozent-Hürde. Das Ergebnis von Sachsen könnte ihr den entscheidenden Schub verleihen. Auch so sehen Sieger aus.

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