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Laschet neuer CDU-Chef "Es gibt zwei Verlierer und zwei Gewinner": das Medienecho zur "verzagten Entscheidung" beim CDU-Parteitag

Laschet neuer CDU-Chef: "Es gibt zwei Verlierer und zwei Gewinner": das Medienecho zur "verzagten Entscheidung" beim CDU-Parteitag
Sehen Sie im Video: Die erste Rede von Armin Laschet als neuer CDU-Parteivorsitzender.




Armin Laschet, neuer Vorsitzender der CDU nach seiner Wahl: "Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die mit diesem Amt verbunden ist. Und ich will alles tun, dass wir zusammen durch dieses Jahr gehen. Die Landtagswahlen schon in wenigen Wochen gut zusammen bestehen und bei der Bundestagswahl dann wieder dafür sorgen, dass die Union den nächsten Kanzler stellt."
"Fast der Bruch der Fraktionsgemeinschaft zwischen CDU und CSU. Das hast du mit großem Engagement mit Markus Söder wieder hingekriegt. Und dass wir alle heute hier so stehen, ist mit dein Verdienst. Danke dir dafür. Das wird die CDU Deutschlands nie vergessen."
"Und zehn Monate lang Wettbewerb birgt die Gefahr. Dass die Aggression zunimmt, die Gereiztheit zunimmt. Die kleinen Spitzen zunehmen. Natürlich, es gab Wettbewerb, aber ich fand es sehr, sehr fair, wie wir das gemacht haben, für unsere Ideen geworben haben. Ich bitte um die Rückendeckung auch derer, die die anderen Kandidaten gewählt haben, damit wir wirklich geschlossen in diese Bundestagswahl hineingehen können. Vielen Dank."
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Armin Laschet hat sich durchgesetzt – wohl auch, weil er als neuer CDU-Vorsitzender das geringste Risiko für die Partei im Superwahljahr darstellt, meinen Kommentatoren.

Nach einjähriger Hängepartie hat die CDU ihre Führungsfrage geklärt. Es bedurfte einer Stichwahl, bis feststand: Armin Laschet, der Regierungschef in Nordrhein-Westfalen, führt künftig die Partei. Kommentatoren sehen darin eine Entscheidung "gegen das Risiko" ("Die Zeit"), letztlich gingen die Delegierten "auf Nummer sicher" ("Der Tagesspiegel"). Wenngleich nichts sicher scheint: Laschet stehe vor großen Herausforderungen, vor einer gespaltenen Partei. Und offen bleibt, wer die Union als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl führen wird. Die Pressestimmen.

Das Medienecho zur CDU-Vorsitzwahl: "Es ist eine etwas verzagte Entscheidung"

"Die Zeit": "Laschet ist nicht besonders spannend oder mitreißend und seine Politik ist es auch nicht, aber immerhin ist er verlässlich. Das ist es, wofür die CDU sich auf diesem Parteitag entschieden hat: gegen das Risiko. (...) Von den drei Kandidaten hat er die beste Rede gehalten. Sie war persönlich, selbstbewusst und stellenweise gar selbstironisch. Seine Wahl sagt viel aus über den Pragmatismus der CDU – und über die damit verbundenen Probleme. Sie verzichtet auf eine Richtungsentscheidung und wählt den Kandidaten, mit dem alle irgendwie leben können: Es ist eine etwas verzagte Entscheidung."

"Süddeutsche Zeitung": "Auf dem digitalen Parteitag gibt es zwei Verlierer und zwei Gewinner. Neben Laschet kann auch Röttgen zufrieden sein. Röttgen war lange nur mitgemeint, wenn es um den nächsten CDU-Chef ging. (...) Jetzt hat er mehr als 20 Prozent der Stimmen geholt. Und seine Anhänger haben im zweiten Wahlgang dafür gesorgt, dass Laschet CDU-Chef wurde. (...) Die beiden Verlierer sind Friedrich Merz und Jens Spahn. Merz war sich absolut sicher zu gewinnen – jetzt ist er zum zweiten Mal gescheitert. (...) Und Spahn hat sich auf dem Parteitag mit einem politisch dämlichen und unfassbar selbstsüchtigen Beitrag vom Spielfeld genommen."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Seine Integrationskraft, mit der er für sich warb, wird Laschet nun sofort unter Beweis stellen müssen. Annegret Kramp-Karrenbauer, seine Vorgängerin, ist auch deshalb gescheitert, weil die unterlegene Seite nicht von ihr überzeugt war und blieb. Der Test dafür werden die Landtagswahlen sein, vor allem die in Sachsen-Anhalt, wo die Frage wieder ansteht, an der Kramp-Karrenbauer gescheitert war: Wie halten wir es mit der AfD? Laschet könnte dafür Merz noch gut brauchen."

"Der Spiegel": "Armin Laschet ist kein aufregender Politiker, er steht für Behaglichkeit, Gemütlichkeit, auch darin gleicht er übrigens Kohl, jedenfalls dem späteren Kohl. Er steht für ein Irgendwie-Weiter-so. Normalerweise ist das im Wahlkampf tödlich. In diesem Jahr aber, nach einer weltweiten Pandemie, nach einem Präsidenten Trump, nach einer hektischen, aufgeregten, teilweise irren Zeit, wird sich die Mehrheit der Deutschen, wenn nicht alles täuscht, genau danach sehnen. Es könnte das Jahr des Armin Laschet sein."

"Der Tagesspiegel": "Letztlich gehen die Delegierten mit Armin Laschet auf Nummer sicher, eine Vernunftentscheidung. Auch wenn gar nichts sicher ist. Es ist von Wolfgang Schäuble ziemliche kleine Münze, wenn der Bundestagspräsident vor allem Merz wollte, da der mehr Rückenwind für die schwierige Landtagswahl in Baden-Württemberg bringen würde, wo die CDU mit Susanne Eisenmann den Grünen Winfried Kretschmann am 14. März ablösen will. Geht das schief, zahlt das gleich negativ auf dem Konto des neuen CDU-Chefs mit ein. Und danach soll dann die K-Frage geklärt werden."

"taz": "Die CDU hat sich dagegen entschieden, sich einem Risikokandidaten anzuvertrauen und nach rechts abzubiegen. Das ist eine gute Nachricht. (...) Der neue Parteichef muss nun zweierlei hinkriegen: die gespaltene Partei zusammenführen und ein Gefühl von Aufbruch erzeugen, das die erschöpfte CDU durch ein schwieriges Wahljahr bringt. Dafür ist, trotz allen Mängeln, Armin Laschet der beste der drei Kandidaten."

fs / Mit Material der Nachrichtenagentur DPA

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