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AfD-Spitzenmann in MV: Leif-Erik Holm - Kandidat der Widersprüche

Leif-Erik Holm hat die AfD in den Schweriner Landtag geführt. Der Ex-Radiomoderator ist smart, selbstbewusst und wollte nie in die Politik. Doch er will verhindern, dass "Deutschland zu einem Kalifat gemacht wird".

Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vormpommern

"Die Bürger wollen nicht, dass unser Land zu einem Kalifat gemacht wird": Leif-Erik Holm, Ex-Radiomoderator und Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, wo 65.004 Ausländer leben.

Drei-Tage-Bart, frisches Lächeln und eingängige Stimme: Der Mann, der die etablierten Parteien in Mecklenburg-Vorpommern das Fürchten lehrt, kommt auf den ersten Blick höchst sympathisch daher. Leif-Erik Holm hat die AfD im Nordosten erstmals in den Landtag geführt - mit etwas über 20 Prozent.

 

"Vielleicht kennen Sie mich noch aus dem Radio"

Im Wahlkampf gab sich Holm betont heimatverbunden. "Ich bin im Grunde Ur-Mecklenburger", sagt der gebürtige Schweriner. Ein AfD-Werbevideo zeigt ihn, wie sein Blick über saftig-grüne Wiesen schweift, er mit seinem dreijährigen Sohn im Sandkasten spielt oder sich am Ostseestrand von der Abendsonne bescheinen lässt. Nach Angaben von "Zeit-Online" lebt der Multikulti-Gegner aber tatsächlich mit Frau und Kind im Berliner Multikulti-Viertel Prenzlauer Berg. Holm selbst sagte dem stern, sein Wohnort liege am Rande Schwerins. Seine Frau arbeitet aber noch in Berlin und habe dort natürlich ihre Wohnung. Am Wochenende seien sie dann meist zusammen bei ihm auf dem Dorf.

"Vielleicht kennen Sie mich noch aus dem Radio", sagt der 46-Jährige in einem Wahlspot. Holm arbeitete seit 1990 viele Jahre als Radiomoderator - vor allem in Mecklenburg-Vorpommern bei dem Privatsender Antenne MV. Dort moderierte der gelernte Elektromonteur Musik- und Unterhaltungssendungen, für politische Themen oder Nachrichten war er nicht zuständig. Nebenher studierte Holm in Berlin Volkswirtschaft, was sich einige Jahre hinzog.

Sender wollte Leif-Erik Holm nicht wieder einstellen

Mit der Gründung der AfD im Frühjahr 2013 wurde aus dem Radiomoderator plötzlich ein Vollblutpolitiker. Im Herbst 2013 war Holm bereits als Bundestagskandidat für die Rechtspopulisten auf Stimmenfang. Dass er nun als AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl den ganz großen Coup landen konnte, scheint ihm selbst nicht ganz geheuer zu sein. Ein wenig "unheimlich" sei ihm der rasante Aufstieg schon, sagte er kürzlich dem "Handelsblatt". Sein am häufigsten gebrauchter Satz im Wahlkampf ist: "Ich wollte nie in die Politik gehen." Die Sorge um sein Land habe ihn aber dazu veranlasst, seinen "Traumjob" als Radiomoderator an den Nagel zu hängen.

So groß scheint seine Sorge dann aber doch wieder nicht zu sein. Denn eigentlich wäre er nach seiner Bundestagskandidatur gern wieder zum Radio zurückgekehrt, erklärte Holm nach Angaben von "Zeit-Online". Aber der Sender habe ihn wegen seines Engagements bei der AfD nicht gelassen. "Dann habe ich gesagt: Dann mache ich halt Politik. Dann hat das Schicksal es so gewollt."

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke unterstützt Holm

Karrieretechnisch dürfte es für den smarten Mecklenburger, der stets krawattenlos im weißen Hemd auftritt, die richtige Wahl gewesen sein. Holm wird eher dem gemäßigten Parteiflügel zugerechnet. "Es wurmt mich schon, dass wir von den Konkurrenzparteien und den Medien dermaßen in die rechte Ecke gestellt werden", sagt er in einem Video, in dem er sich als Spitzenkandidat präsentiert.

Das hindert Holm aber nicht daran, auch den Thüringer AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, für den andere Politiker "Vollversager“ oder "vaterlandslose Gesellen" sind, Angela Merkel eine "Kanzlerdiktatorin" ist und die Bundesrepublik ein "politischer Swingerklub", dafür aber nicht alle NPD-Mitglieder extremistisch sind, als Wahlkampfhelfer nach Mecklenburg-Vorpommern einzuladen und gemeinsam mit ihm aufzutreten. Bis vor Kurzem war Holm zudem Mitarbeiter der AfD-Hardlinerin und Europaabgeordneten Beatrix von Storch, die dafür plädierte Flüchtlinge notfalls auch aufzuhalten, in dem Mann an der Grenze auf sie schießt.

Kaum Ausländer, aber Holm warnt trotzdem 

Neben den Themen Heimat und Familie setzt Holm auf die Flüchtlingskrise und schürt auch die Angst vieler Bürger vor Ausländern und Muslimen. Im Wahlkampf warnte er davor, "dass unser Land und ganz Europa Schritt für Schritt zu einem Kalifat gemacht wird" - wohl wissend, dass er in einem Bundesland unterwegs ist, in dem der Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung verschwindend gering ist und das Thema Flüchtlinge zu den geringsten Problemen zählt (laut Statistischem Bundesamt lebten am Jahresende 2015 65.004 Ausländer in Mecklenburg-Vorpommern).

Die Chance, in dem von SPD und CDU regierten Bundesland Regierungsverantwortung zu übernehmen, sieht Holm nicht, aber auf einen rauschenden Wahlabend stimmte sich Holm schon vor dem Sonntag ein: "Ich freue mich schon jetzt diebisch auf die langen Gesichter der Altparteien, wenn wir als stärkste Fraktion in den Landtag einziehen." Das mit der stärksten Fraktion hat dann doch nicht geklappt.

mad/AFP