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Linkspartei: Dietmar Bartsch wird stellvertretender Fraktionschef

Nach stern.de-Informationen wird der Linken-Politiker Dietmar Bartsch an diesem Donnerstag zum stellvertretenden Chef der Bundestagsfraktion gewählt. Das bedeutet, dass sich Bartsch nach dem Machtkampf mit Oskar Lafontaine arrangiert hat.

Von Dietmar Bartsch hieß es in den vergangenen Tagen, er sei tief verletzt. Sein Verhältnis zu Gregor Gysi und Oskar Lafontaine liege in Trümmern. Dazu passte, dass es Bartsch öffentlich ablehnte, über seine Zukunft in der Linkspartei zu spekulieren oder einen neuen Posten ins Auge zu fassen. Bartsch hatte nach einem heftigen Machtkampf mit Oskar Lafontaine angekündigt, er werde auf dem Parteitag im Mai nicht wieder für das Amt des Bundesgeschäftsführers kandidieren.

Nun hat sich Bartsch offenbar mit den neuen Machtverhältnissen arrangiert. Nach stern.de-Informationen wird er noch an diesem Donnerstag zum stellvertretenden Chef der Bundestagsfraktion der Linken gewählt. Fraktionssprecher Michael Schlick bestätigte, dass gegen 18 Uhr eine Sondersitzung der Fraktion anberaumt sei. Einer der Tagesordnungspunkte sei die Wahl des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Über mögliche Kandidaten wollte sich Schlick nicht äußern. Bartsch lehnte eine Stellungnahme auf Nachfrage von stern.de ab.

Das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden war Bartsch schon vor Tagen vom Fraktionschef Gregor Gysi angetragen worden - als eine Art Entschädigung dafür, dass er den Posten des Bundesgeschäftsführers aufgeben musste. Bartsch hatte die Offerte jedoch zurückgewiesen. Gysi hatte Bartsch während dessen Auseinandersetzung mit Lafontaine öffentlich als "nicht loyal" bezeichnet, was von Bartsch als eine Demütigung aufgefasst wurde. Das Tischtuch zwischen Gysi und Bartsch, die nicht nur politisch als Freunde galten, schien zerschnitten. Bei einem persönliches Gespräch konnte Gysi Bartsch nach stern.de-Informationen jedoch von der Mitarbeit in der Fraktionsleitung überzeugen.

Dass Bartsch, der als Reformer insbesondere von den ostdeutschen Landesverbänden der Linken geschätzt wird, nun den Posten doch akzeptiert, entschärft den Machtkampf innerhalb der Linken. Eine der wichtigsten Figuren der Partei ist damit wieder eingebunden - und zwar an einer Position, die Lafontaine offenbar für akzeptabel hält. Lafontaine, der sich bisher nicht dazu geäußert hat, ob er Parteichef bleiben will, hatte darauf gedrängt, in der Berliner Parteizentrale einen neuen Bundesgeschäftsführer zu installieren, dem er vertrauen kann. Zwischen Lafontaine und Bartsch war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen über die Strategie der Partei gekommen. Lafontaine lehnte zuletzt Bartschs Unterstützung für die Bildung einer rot-roten Koalition in Brandenburg ab.

hps/lk