Margot Käßmann Ein Rücktritt, der traurig macht


Mit Respekt und Betroffenheit haben Politiker und Kirchenleute den Rücktritt von Margot Käßmann aufgenommen. "Traurig" ist beispielsweise die Grüne Katrin Göring-Eckardt.

Einen Tag nach dem Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann herrscht in Kirche und Politik große Betroffenheit. Auch scharfe Kritiker an der Alkoholtour der Bischöfin zeigten sich geradezu traurig. Besonders viele Frauen bedauerten den Rücktritt. Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt beispielsweise. Sie sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur, sie hätte sich eine weitere Zusammenarbeit mit Käßmann gewünscht. "Ich respektiere diese Entscheidung, auch wenn sie mich traurig macht." Dennoch könne sie den Schritt Käßmanns verstehen, sagte die Grünen-Politikerin, die Käßmann nach ihrer Alkoholfahrt durch Hannover noch kritisiert hatte.

Der Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Siegmund Ehrmann, sagte im RBB-Inforadio, Käßmann habe eine konsequente Haltung gezeigt. Sie selbst habe einen großen Vertrauensverlust eingeräumt. Er selbst bedauere den Rücktritt allerdings sehr. Mit der Entscheidung verliere die EKD eine "menschlich und intellektuell überragende Führungspersönlichkeit", sagte der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, Thomas Rachel, während seine Unionskollegin Maria Flachsbarth, die ebenfalls mit Käßmann ins Gericht gegangen war, pragmatisch an die Sache heran ging. Sie sagte im Deutschlandfunk, eine weitere Amtsausübung Käßmanns wäre "sehr schwierig gewesen, denn sie wäre immer wieder mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert worden".

Was Käßmanns kommissarischer Nachfolger denkt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Käßmann schon am Mittwochabend "Respekt und Bedauern" gezollt. Die Kirchenfrau war am Samstagabend am Steuer ihres Dienstwagens in Hannover von der Polizei gestoppt worden, nachdem sie über eine rote Ampel gefahren war. Wegen des hohen Wertes von 1,54 Promille Alkohol im Blut hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen sie eingeleitet. Daraufhin verkündete Käßmann am Mittwoch ihren Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende und Bischöfin. Sie will als Pastorin tätig bleiben. Die Kirchenfrau war durch hohes politisches Engagement aufgefallen. So hatte sie in ihrer Neujahrsansprache mit einer scharfen Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr eine heftige Debatte initiiert und einige Rüffel von Politikern kassiert. Auch der Umstand, geschieden zu sein, machte sie als Spitzenfunktionärin der Kirche besonders.

Immerhin dürfen sich all jene, die Käßmanns Rücktritt bedauern, auf einen Nachfolger freuen, der politisch ähnlich engagiert ist wie die 51-Jährige. Der kommissarische EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider kündigte zumindest in der ARD an, das Engagement von Käßmann fortzuführen. "Ich habe auch ein hohes sozialpolitisches Interesse", sagte Schneider am Mittwochabend. Fragen der sozialen Gerechtigkeit seien für ihn "auch schon immer ganz wichtig" gewesen. "Diese Form von politischer Sensibilität und dem Eintreten für diejenigen, die ihre Stimme nicht erheben können, diese Art wird auch für mich verbindlich bleiben."

Er hätte gerne die Arbeit mit Käßmann fortgesetzt, betonte Schneider. Er war bislang stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender und übernimmt bis zur Neuwahl kommissarisch den Vorsitz des Rates. Die Wahl wird voraussichtlich Anfang November bei der nächsten Tagung der Synode in Hannover stattfinden.

DPA/AFP/ben DPA

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