HOME

Berliner CDU befragt Mitglieder: Ein klares Nein zur Homo-Ehe

Die große Überraschung ist ausgeblieben. Die Mitglieder der Berliner CDU stimmten bei einer Befragung deutlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe - und damit gegen die Initiative ihres Vorsitzenden Frank Henkel.

Von Matthias Jauch

Berliner CDU-Landeschef Frank Henkel und sein Generalsekretär Kai Wegner versuchen ihre Enttäuschung wegzulächeln. Die Berliner CDU-Mitglieder votierten gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. 

Berliner CDU-Landeschef Frank Henkel und sein Generalsekretär Kai Wegner versuchen ihre Enttäuschung wegzulächeln. Die Berliner CDU-Mitglieder votierten gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. 

Frank Henkel müht sich, zufrieden auszusehen. Am Freitagnachmittag tritt er in der Berliner Geschäftsstelle der CDU vor die Presse. Rund 40 Journalisten sind gekommen, Fotografen, Kamerateams, Henkel und sein Generalsekretär Kai Wegner wetteifern um den freudigsten Gesichtsausdruck - und um Aussagen, die vor Dank und Stolz für ihre Partei nur so triefen. "Das ist gelebte Demokratie. Das ist vorbildlich", sagt Henkel. Und dann Wegner: "Es war eine tolle und respektvolle Kommunikation. Wir haben ganz, ganz viel erreicht." Später noch einmal Henkel: "Die CDU in Berlin ist eine ganz lebendige Mitmachpartei."

Die Wahrheit spiegelt sich in den betretenen Gesichtern der Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Das Ergebnis ist eine derbe Klatsche für die Parteiführung: 45 Prozent stimmten bei der Mitgliederbefragung klar gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, weitere sieben Prozent "eher" dagegen, nur 35 Prozent dafür. Henkel und Wegner wünschten sich die Zustimmung. Die Antwort war: njet.

Im Sinne Merkels 

12.500 CDU-Mitglieder konnten in den vergangenen drei Wochen darüber abstimmen, ob sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich der heterosexuellen Ehe gleichstellen wollen. Nur 40 Prozent der Stimmberechtigten nahmen teil. Trotzdem genoss die Abstimmung hohe Aufmerksamkeit. Für die CDU war es eine Premiere: die bundesweit erste Befragung zum Thema Homo-Ehe in einem Landesverband. Und im ultraliberalen Berlin schien es ausgemachte Sache, dass die Konservativen verlieren werden. Es kam anders. Die Revolution blieb aus. Angela Merkel dürfte die Ergebnisse mit gewisser Erleichterung aufgenommen haben.  

In der CDU ist die Homo-Ehe ein umstrittenes Thema. Nach der Abschaffung der Wehrpflicht und dem Atomausstieg geht es um eine der letzten Bastionen des konservativen Flügels. Nur wenige CDU-Spitzenpolitiker kämpfen aktiv für die Homo-Ehe, darunter das Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Die Bundespartei blockte die Forderungen des Koalitionspartners SPD nach einer kompletten Gleichstellung bisher vehement ab.

Nicht im Sinne Henkels

Und wie ordnet Henkel das Ergebnis ein? Der Berliner Parteivorsitzende, der die Mitgliederbefragung initiierte, wählt seine Worte mit Bedacht. Er lässt sich Zeit, macht Pausen zwischen seinen Sätzen. "Auch für mich ist das keine einfach zu beantwortende Frage. Ich bin Katholik und habe mit mir gerungen." Henkel betont, er habe unter den sieben Antwortmöglichkeiten des Stimmzettels mit "stimme eher zu" votiert. Langfristig müsste die Politik gleichgeschlechtliche Partnerschaften angleichen. "Ich weiß, dass sich viele in meiner Partei damit schwer tun", sagt er. 

Fakt ist: Seine Berliner CDU ist in dieser Frage gespalten. Und darüber wäre fast die Koalition mit der SPD zerbrochen. Die Konservativen zwangen Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), sich im Bundesrat bei der Abstimmung über einen Antrag Niedersachens für die die Homo-Ehe zu enthalten. Henkel betonte im Vorfeld, dass sich die Berliner CDU bei einem positiven Ergebnis des Votums auf Bundesebene für die Homo-Ehe einsetzen würde. Der Koalitionspartner SPD drängte ihn dazu.

Stolzer Verlierer

Fragen zur Zukunftsfähigkeit oder Modernität seiner Partei? Zur Attraktivität für jüngere Mitglieder? Zur bestehenden Koalition mit der SPD in Berlin? Henkel versucht, alles wegzuwischen. "Die Berliner CDU ist eine moderne Volkspartei." Das Ergebnis sei eine klare Bestätigung des Koalitionsvertrages. Und schließlich behauptet er noch: "Heute steht hier ein ganz stolzer CDU-Landesvorsitzender." Ein stolzer Verlierer? Das gibt es in der Politik nicht.