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Münchens Bewerbung für die Winterspiele 2018: Olympia-Gegner erhalten wirre Morddrohung

Der Streit um Münchens Olympiabewerbung eskaliert. Ein Gegner der Spiele in Garmisch-Partenkirchen bekam eine Morddrohung, die stern.de vorliegt.

Von Sebastian Kemnitzer

Der Brief kam mit der Post aus München. Andreas Keller öffnete ihn, überflog die Zeilen und musste kurz schlucken - eine Morddrohung gegen ihn und seine Mitstreiter von der Initiative Nolympia. Auszug: "Den Abschluß dieses Volksbegehren überlebt ihr drei nicht", steht da. Neben Keller sind damit Axel Doering, ein Förster, und vermutlich der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann gemeint, der den Protest gegen Olympia 2018 initiiert hat. Sonderlich gut scheint der Briefabsender nicht informiert zu sein: statt Hartmann schreibt er Schumann. Aber weder Keller von Doering kennen einen Schumann. Keller informierte sofort seine Mitstreiter Doering und Hartmann, anschließend die Polizei. Jetzt laufen die Ermittlungen, doch die Polizei hat Keller keine großen Hoffnungen gemacht, den Unbekannten zu finden.

Umweltschützer Keller will sich nicht einschüchtern lassen, will weiter für seine Sache kämpfen. Er möchte einfach nicht, dass Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen stattfindet. Zur Morddrohung meint er gelassen: "Es gibt anscheinend immer Verrückte. Aber das muss wirklich ein Blöder gewesen sein." Der Brief, der stern.de vorliegt, ist voll mit Rechtschreibfehlern.

Der Unbekannte schreibt weiter: "Meine Stärke ist Scharfschuss und diese Übung werde ich euch präsentieren." Die Polizei hält den Brief für harmlos, Keller solle sich keine Gedanken machen.

Bewerbungschef Bogner bedauert den Vorfall

Der Chef der Bewerbungsgesellschaft, Unternehmer Willy Bogner, distanziert sich von den Morddrohungen, wünscht eine lückenlose Aufklärung. "Ich rufe nachdrücklich zum friedlichen Dialog zwischen allen Befürwortern und Gegnern auf", sagt Bogner. "Eine Bewerbung gelingt nur, wenn wir gemeinsam dazu stehen."

Bogner kann aber schon lange nicht mehr darauf hoffen, dass alle Bürger gemeinsam zum Projekt Olympia stehen. Speziell in Garmisch-Partenkirchen sind die Fronten verhärtet. Die Bauern wollen ihr Land für die Spiele einfach nicht hergeben, Bogner und die Lokalpolitiker beißen bei ihnen auf Granit. Die meisten Grundstückseigentümer sind nicht gegen Olympia. Sie stört, wie mit ihnen umgegangen wird. Der millionenschwere Bogner ist in München für den Satz bekannt, dass "der Einzelne im Zweifel für so ein Ereignis zurückstecken muss."

Das lassen sich viele Landwirte nicht bieten, für sie ist das Tischtuch zerschnitten. Vor kurzem ließen sich ein paar von ihnen mit ernstem Blick vom SZ-Magazin ablichten, betonten noch einmal, nicht weiter verhandeln zu wollen. Nach außen zeigen sich Bogner und der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen gelassen, hinter den Kulissen arbeiten sie längst an Alternativen für das Olympische Dorf auf gemeindeeigenen Flächen.

Im Herbst werden die Bürger abstimmen

Das Flächenproblem ist nur das eine. Mehr Sorgen bereitet den Olympiaplanern die Stimmung im Ort selbst. Viele der 26.000 Einwohner lehnen die Olympischen Spiele ab, die Initiative Nolympia hat bereits 4.000 Unterschriften gesammelt. "Das Bürgerbegehren starten wir vermutlich im Herbst", sagt Keller.

Der ebenfalls bedrohte Hartmann findet die ganze Angelegenheit nicht nur schlimm, sondern befürchtet auch, dass dadurch der Streit um die Bewerbung endgültig eskaliert, nachdem verbal schon die Fetzen geflogen sind. "Wir wissen, dass wir die besseren Argumente auf unserer Seite haben", sagt der grüne Landtagsabgeordnete. Der von Bogner vorgeschlagene friedliche Dialog sei eine gute Sache.

Von Sebastian Kemnitzer