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Nach Attentat auf Henriette Reker: Kölner Oberbürgermeisterwahl findet wie geplant statt

Trotz des brutalen Angriffs auf die Kölner Politikern und Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin, Henriette Reker, soll die Wahl am Sonntag wie geplant stattfinden. Eine richtige Entscheidung befindet ein Politologe.

Der Werbestand einer Wahlveranstaltung ist verwüstet. Sonnenschirme sind umgefallen, Blumen liegen auf dem Boden

Samstagmorgen kurz nach neun Uhr wurde die Kölner Politikerin Henriette Rekel Opfer eines Messerangriffs

DPA

Die Oberbürgermeisterwahl in Köln wird trotz des Angriffs auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker wie geplant an diesem Sonntag stattfinden. Das teilte die Stadtverwaltung am Samstag mit. Spitzen der Stadtverwaltung hatten zuvor beraten, ob die Wahl des neuen Rathauschefs erneut verschoben werden soll, nachdem ein 44-Jähriger am Samstag mit einem Messer auf Reker losgegangen war und sie schwer verletzt hatte. Vier weitere Personen wurden ebenfalls verletzt. Der Angreifer wurde festgenommen. Die parteilose Reker gilt bei der Oberbürgermeisterwahl als aussichtsreiche Bewerberin.


SPD-Konkurrent unterbricht Wahlkampf

Über Parteigrenzen hinweg  zeigten sich Politiker über den Angriff entsetzt. SPD-Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl Jochen Ott kündigte über Facebook an, seinen Wahlkampf vorerst zu unterbrechen.

Gerade erfahre ich vom Attentat auf meine Mitbewerberin Henriette Reker.Ich bin zutiefst bestürzt und drücke ihr von...

Posted by Jochen Ott on Samstag, 17. Oktober 2015


Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel teilte am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit, er sei "schockiert über die hinterhältige Gewalttat". Gabriel betonte: "Gewalt hat in der politischen Auseinandersetzung in Deutschland keinen Platz." Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit: "Die Gedanken sind bei Henriette Reker und den anderen Verletzten des Messeranschlags." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Tat auf Twitter als unfassbar und abscheulich. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte auf einem Parteitag der bayerischen Grünen in Bad Windsheim: "Das macht einen schon ziemlich fassungslos, wenn man sieht, wie viel Gewaltpotenzial bei manchen Leuten in der Gesellschaft vorhanden ist." NRW-CDU-Chef Armin Laschet zeigte sich "tief entsetzt". Schockiert zeigte sich FDP-Chef Christian Lindner.

Exklusive Bilder: Gruselige Stille am Ort des Attentats auf Henriette Reker
Im Kölner Stadtteil Braunsfeld wurde auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker ein Attentat verübt

Im Kölner Stadtteil Braunsfeld wurde auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker ein Attentat verübt

Tat könnte Wahlergebnis beeinflussen

Der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann glaubt, dass der Angriff Einfluss auf das Wahlergebnis am Sonntag haben kann. "Sie wird wohl einen tragischen Bonus bekommen", sagte der Professor der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität am Samstag im Westdeutschen Rundfunk. Allerdings sei Reker ohnehin die Favoritin gewesen, sodass die Wahl in ihrem Ausgang wohl nicht entscheidend verfälscht werde.

Dass die Stadt trotz des Angriffs an dem Wahltermin an diesem Sonntag festhält, wertete er als richtig. "Wir dürfen uns in unserer Demokratie nicht den Wahltermin vorgeben lassen von politischen oder psychisch gestörten Attentätern oder wem auch immer", betonte er. "Die Wahl ist angesetzt, die Bürger warten darauf."

ono / DPA
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