Nach der Freilassung Osthoff bleibt Deutschland fern


Zwar ist Susanne Osthoff der deutschen Regierung für die Bemühungen um ihre Rettung dankbar - zurück in die Heimat will sie aber erstmal nicht. Den Irak soll sie in "allernächster Zukunft" verlassen. Ob sie dorthin zurückkehrt, bleibt offen.

Erst einmal wird die Archäologin zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter voraussichtlich mehrere Tage außerhalb Deutschlands und abgeschottet von der Öffentlichkeit verbringen, teilte das Auswärtige Amt noch am Montag mit. Osthoffs Familie hofft weiter auf ein gemeinsames Weihnachtsfest. Für Verwirrung sorgte am Montagabend ein Bericht des Senders n-tv, wonach Osthoff die deutsche Botschaft in Bagdad verlassen haben und auf eigene Faust in dem Land unterwegs sein solle. Eine Bestätigung für diesen Bericht gab es zunächst nicht. Das Auswärtige Amt erklärte, Osthoff befinde sich noch in Bagdad und habe die Botschaft nicht verlassen. Die 43-Jährige war am Sonntag frei gelassen worden.

Fahrer hat sich noch nicht gemeldet

Nach Angaben des Auswärtigen Amts ist sie "in guter körperlicher Verfassung". Die Entführer hätten auch zugesichert, ihren Fahrer Chalid al Schimani frei zu lassen, bekräftigte Außenamtssprecher Martin Jäger. Nach Informationen einiger Nachrichtendienste befindet er sich angeblich nicht mehr in der Gewalt der Entführer. "Er hat sich bislang aber bei der deutschen Botschaft nicht gemeldet," so Jäger.

Osthoff wollte laut Jäger zunächst keinen Kontakt mit der Öffentlichkeit. "Sie wird deshalb vermutlich zunächst nicht nach Deutschland zurückkehren." "Frau Osthoff bat um Verständnis dafür, dass sie zunächst nicht nach Deutschland zurückkehren wolle, sondern fernab der Öffentlichkeit gemeinsam mit ihrer Tochter einige Tage verbringen möchte", sagte der Leiter des Krisenstabs, Außenamtsstaatssekretär Klaus Scharioth, am Montag nach einem Telefonat mit Osthoff. Ihre Familie hofft dennoch weiter auf eine gemeinsame Weihnachtsfeier. "Ich denke, dass sie nach Deutschland kommt", sagte Bruder Robert Osthoff.

Keine Informationen über Entführer

Wer die Entführer sind, welche Motive sie hatten und wie die Freilassung erreicht wurde, blieb unklar. Die Bundesregierung hielt sich bedeckt. Das sei "im Interesse aller derjenigen, die geholfen haben, das Problem zu lösen", sagte Innenminister Wolfgang Schäuble. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel zeigten sich erfreut und erleichtert über die Freilassung. Beide dankten dem Krisenstab des Auswärtigen Amts und den Mitarbeitern der Botschaft in Bagdad für ihren Einsatz. Der Bundespräsident würdigte auch die Unterstützung für Osthoff aus der Bevölkerung. Insbesondere das Engagement muslimischer Bürger sei "ein wertvolles Zeichen" gewesen. Lob für den Krisenstab kam auch von SPD, CSU, FDP und Grünen.

Osthoff selbst dankte der Bundesregierung, dem Krisenstab und der Botschaft in Bagdad für die Bemühungen um ihre Freilassung. Ungeklärt ist noch, ob in dem Fall Lösegeld gezahlt wurde. Berichte, wonach Osthoff mit Ersatzforderungen rechnen müsse, stießen im Außenministerium auf Befremden, die bisher geleistete Hilfe wird nicht in Rechnung gestellt. "Kosten, die nachweisbar belegt sind, sind bisher nicht angefallen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Allenfalls Flugkosten könnten später von der aus der Geiselhaft im Irak freigelassenen Archäologin eingefordert werden. "Die Frage stellt sich zur Zeit überhaupt nicht", hieß es.

Mehr als drei Wochen in Geiselhaft

Die Deutsche war am 25. November mit ihrem Fahrer auf einer Überlandfahrt von Bagdad nach Arbil im Nordirak verschleppt worden. Die Kidnapper hatten ein Ende der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Irak gefordert und mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Die Archäologin war bis vor einigen Jahren mit einem Iraker verheiratet. Aus der Ehe hat sie eine zwölfjährige Tochter, die in Deutschland lebt.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sagte, der Krisenstab habe sehr professionell gearbeitet, Kontakte genutzt und sei dabei sehr diskret vorgegangen. Er verteidigte die zurückhaltende Informationspolitik während der Entführung. Es sei nicht sinnvoll, durch Bekanntgabe der Umstände möglicherweise Hinweise für potenzielle Entführer zu geben, sagte er im WDR.

Nach Informationen des Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas, wurde Osthoff während ihrer Verschleppung an eine andere Entführergruppe übergeben. "Wir wissen, dass die Entführer anfangs eine kriminelle Gruppe waren, die nur auf Lösegeld aus war", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Diese erste Gruppe hat Frau Osthoff an eine islamisch orientierte Gruppe "verkauft"."

Neues Hinrichtungs-Video

Die Extremistengruppe Islamische Armee im Irak hat derweil ein Video ins Internet gestellt, das die Ermordung eines Amerikaners zeigen soll. Auf dem Video ist ein kniender Mann mit verbundenen Augen zu sehen, dem von hinten in den Kopf geschossen wird. Bei ihm soll es sich um den US-Berater Ronald Allen Schulz handeln. Das Gesicht des Mannes ist nicht zu sehen. Außerdem wurde der Ausweis von Schulz gezeigt. In einem am 8. Dezember veröffentlichten Video hatte die Islamische Armee im Irak bereits erklärt, Schulz getötet zu haben und angekündigt, Bilder von der Tat zu zeigen. Der 40-Jährige arbeitete nach Darstellung der Extremisten als Sicherheitsberater für das irakische Wohnungsbauministerium. Nach Angaben seiner Angehörigen in Alaska ist Schulz Industrieelektriker und war weltweit tätig. Von 1984 bis 1991 war er bei der US-Marineinfanterie.

AP, DPA, Reuters AP DPA Reuters

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