VG-Wort Pixel

Neuer Sprecher für das Finanzministerium Schäuble und der Afghanistan-Diplomat


Martin Jäger gilt als versierter Diplomat mit viel Fingerspitzengefühl beim Redenschreiben. Jetzt will ihn Wolfgang Schäuble zu seinem Sprecher machen - ein Ausrufezeichen für Merkels Europapolitik.
Von Hans-Peter Schütz

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekommt einen neuen Sprecher: Ab kommenden Oktober übernimmt der bisherige deutsche Botschafter in Afghanistan, Martin Jäger, 49, dieses Position. Dass Schäuble Jäger engagiert, gilt im politischen Berlin als wichtige Personalentscheidung.

Sie ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen dem Minister und dem Diplomaten, das jetzt stattgefunden hat. Der Wechsel auf dem politisch wichtigen Sprechposten bei Schäuble ist notwendig geworden, weil sein bisherigen Sprecher, Martin Kotthaus, Leiter der Europaabteilung bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier wird.

Jäger hat eine bemerkenswerte politische wie private Karriere hinter sich. Denn er war von 2008 bis Herbst 2013 in Berlin Leiter der Abteilung "Politik und Außenbeziehungen" des Weltkonzerns Daimler-Benz; der Inhaber dieser Position gilt als "Außenminister" des schwäbischen Autobauers, der dessen politischen Beziehungen zu mehr als 200 Ländern dieser Welt betreut. Dann kehrte Jäger trotz eines wesentlich geringeren Einkommens im Herbst 2013 in den diplomatischen Dienst zurück, wo er auch schon einmal Frank-Walter Steinmeier als Sprecher gedient hatte. Steinmeier war in der ersten Großen Koalition von 2005 bis 2009 Außenminister gewesen und von 1999 bis 2005 Chef des Kanzleramts unter Gerhard Schröder.

Europa-Reden von Schröder

Warum Jäger? Gelernter Volkswirt oder Finanzexperte ist er nicht, aber er gilt als exzellenter Europapolitiker und saß auch schon im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die Europapolitik der kommenden Jahre, von Kanzlerin Angela Merkel zum zentralen außenpolitischen Schwerpunkt erklärt, kann einen erfahrenen Diplomaten gewiss gut gebrauchen. Der frühere Außenminister Klaus Kinkel, für den Jäger als junger Diplomat Reden schrieb, hat ihn einmal gerühmt: "Er hat in ganz besonderer Weise Außen-, Innen- und Gesellschaftspolitik in den Fingerspitzen." Als nach der Wahl von 1998 Joschka Fischer ins Außenministerium kam, wechselte Jäger mit Reinhard Silberberg, der grauen Eminenz der deutschen EU-Politik, zu Gerhard Schröder ins Kanzleramt und schrieb für diesen die europapolitischen Reden.

Das passt alles für die künftige Arbeit des Schwaben Jäger bei dem Badener Schäuble. Auch, dass er fließend Französisch spricht. Nach Abitur und Wehrdienst hatte es in den Ulm geborenen Jäger zunächst einmal nach Paris gezogen, wo er eine Ausbildung als Fotojournalist absolvierte und dann für die französische Fotoagentur Gamma arbeitete. Mit 25 begann er an der Universität München ein Studium der Ethnologie, Philosophie und Politik. Zwischendurch schrieb er für verschiedene Tageszeitungen, aber auch für "Die Zeit" und arbeitete für die Tagesschau. Parallel dazu absolvierte er die Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amtes in Bonn, in dessen Dienst er 1994 trat.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker