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Oberlandesgericht München: Nicht nur Zschäpe wurde verurteilt - so fallen die Strafen für Wohlleben und Co. aus

Beate Zschäpe war das Gesicht des NSU-Prozesses, doch neben ihr waren noch vier Mittäter angeklagt. Der bekannteste: Ralf Wohlleben. Er muss zehn Jahre ins Gefängnis. Haftstrafen gab es auch für drei weitere Helfer.

Ralf Wohlleben

Ralf Wohlleben im Januar 2016

DPA

Jahrelang hatten die Ermittler zuvor falsche Fährten verfolgt und den wahren Hintergrund der Taten verkannt. Stattdessen wurden Familiengehörige als Verdächtige behandelt und drangsaliert. Es wurden Untersuchungsausschüsse des Bundestages und mehrerer Landtage eingesetzt, um teils eklatante Behördenfehler aufzuklären. Jahrelang konnte eine rechtsextreme Terrorzelle unbehelligt mordend durch die Republik ziehen. Nun ist nach mehr als fünf Jahren das Urteil gegen und ihre vier Mitangeklagten gefallen.

Ralf Wohlleben

Ralf Wohlleben im Januar 2016

DPA

Lebenslänglich für Zschäpe 

Die Haupttäterin muss lebenslänglich hinter Gitter, so das Oberlandesgericht München. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen, da das Gericht zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt hat. Wegen Beihilfe zum Mord wurde der frühere NPD-Funktionär zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte die "Ceska"-Pistole beschafft, mit der der NSU später neun ausländischer Herkunft ermordet hatte. Seine Verteidigung hat dagegen auf Freispruch plädiert.

NSU-Chronik

Drei Jahre ins Gefängnis muss Holger G., ein Jugendfreund Zschäpes. Er hatte dem NSU-Trio falsche Papiere besorgt. Zwei Jahren und sechs Monate Haft gab es für André E, einem erklärten Rassisten und weiterem Helfer der Terroristen. Carsten S., einem homosexuellen Neonazi, der bei der Aidshilfe gearbeitet hat, hat drei Jahre Jugendstrafe bekommen.

Neun Menschen ermordet

Mit den Urteilen endet nach mehr als fünf Jahren einer der längsten und aufwändigsten Indizienprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Vermutlich wird die Hauptangeklagte Zschäpe Revision einlegen. Sie hatte fast 14 Jahre lang mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer oder griechischer Herkunft und eine deutsche Polizistin, zudem verübten sie zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten.

nik/DPA