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Kommentar

Panama Papers: Eure Armut kotzt uns an

Die Panama Papers sind ein weiterer Schlag ins Gesicht des "kleinen Mannes". Die Politik muss so schnell wie möglich die Frage beantworten, warum die Menschen sich eigentlich noch an Regeln halten sollen. Tun "die da oben" ja auch nicht. 

Von Sophie Albers Ben Chamo

Plünderer bei den Krawallen in London 2011

Plünderer bei den Krawallen in London 2011 - "Wir machen, was wir wollen, so wie die da oben"

Erinnert sich noch jemand an die Krawalle in England, als im Sommer 2011 vor allem junge Menschen fast eine Woche lang plündernd und brandschatzend durch die Städte zogen? "Alles Kriminelle!", lautete damals die schnelle Antwort der Politik auf die Frage nach dem Warum. Kriminelle waren sicher auch darunter, wer aber genauer hinhörte, bekam von den Menschen auf der Straße eine Antwort, die auch viereinhalb Jahre später kaum jemanden zu interessieren scheint: "Weil die da oben doch auch machen, was sie wollen."

Nun erleben Frust und Hass der Post-Finanzkrisen-Zeit mit den Panama Papers einen neuen Höhepunkt: Neben Waffen- und Menschenhändlern finden sich auch Staatschefs, führende deutsche Kreditinstitute und internationale Prominente unter denen, die offensichtlich im großen Stil Geld in Steuerparadiesen geparkt haben. Die einen, um es zu waschen, die anderen, um Steuern zu sparen. Vorbei an allen Regeln der Solidargemeinschaft, deren Werte dem Normalbürger unter anderem vom Finanzamt wenn nötig mit Staatsgewalt eingebläut werden. Oder wie der Grünen-Politiker Sven Giegold es gerade im Interview mit dem stern beschrieb: "Rechtsstaatlichkeit und Steuergerechtigkeit gelten für die kleinen Leute. Mächtige Eliten in Wirtschaft und Politik bedienen sich eines anderen Systems und schleusen ihre Gelder am Fiskus vorbei. Wir haben ein massives Gerechtigkeitsproblem."

Eine Parallelgesellschaft der Reichen hat es immer gegeben. Doch mittlerweile gefährdet sie den Frieden in unserer Gesellschaft. Die Politik muss darauf so schnell wie möglich und so rabiat wie nötig reagieren. Warum sonst sollten sich die, deren Verhalten, Einkommen und Ersparnisse unsere Gesellschaft am Laufen halten, deren Regeln noch verpflichtet fühlen?

Mega-Datenleak: Die wichtigsten Fakten zu den Panama Papers


AfD, Reichsbürger, Salafisten 

Das erinnert Sie an irgendetwas? Ja, es hört sich gewaltig nach den sogenannten Wutbürgern an, die der AfD oder auch Pegida hinterherlaufen. Die härteren Fälle nennen sich Reichsbürger oder zahlen, wie AfD-Politikerin Beatrix von Storch, keine Rundfunkgebühren mehr, bis das eigene Konto gepfändet wird. Oder nehmen wir den ganz extremen Fall: Ein junger Mensch sucht sich eine radikale neue Ordnung, die ihm endlich Gerechtigkeit verspricht. Das kann dann auch der Salafismus sein. Wenn Menschen keine Vorbilder mehr haben, suchen sie sich selbst welche.

London war nur der Anfang.