HOME

Dresden heute, Rostock damals: "Ich bin kein Nazi, aber ..."

Sie wollen sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen - doch die Pegida-Anhänger klingen wie der Mob aus Rostock-Lichtenhagen von 1992. Die NDR-Sendung "Panorama" zieht erschreckende Parallelen.

Pegida-Anhänger bei einer ihrer Montagsdemos in Dresden

Pegida-Anhänger bei einer ihrer Montagsdemos in Dresden

Ich bin kein Nazi, aber ..." - so oder so ähnlich beginnen die meisten Erklärungen von Pegida-Anhängern, warum sie an den islamfeindlichen Demonstrationen in Dresden teilnehmen. Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" wollen sich nicht an den rechten Rand drängen lassen. Doch irgendwie kommt einem das erschreckend bekannt vor und ruft Erinnerungen an ein besonders dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wach: Rostock-Lichtenhagen.

Die "Panorama"-Reporter der ARD haben dem Mob einmal genau aufs Maul geschaut. Heute in Dresden und damals, als es 1992 in Rostock zu den massivsten rassistischmotivierten Angriffen in Deutschland kam.

Dresden heute

"Ich will nicht rechtsgesinnt klingen oder so, denn so bin ich nicht. Ich bin ein stinknormaler deutscher Bürger", sagt eine junge Frau bei einer Pegida-Demo in Dresden. Ein älterer Herr betont, er sei kein Nazi und wolle sich davon abgrenzen. Dann fügt er aber doch hinzu: "Das sind Schmarotzer, sind das! Das sind Schmarotzer. Die wissen, das spricht sich rum: In Deutschland, och, da leben wir doch wie die Made im Speck." Ein anderer Mann sagt: "Die kommen hierher, bringen Bazillen und sonstwas mit, und wir müssen es ausbaden."

Rostock damals

Ein Blick ins Archiv zeigt: Als sich im August 1992 eine Menschenmenge vor dem Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen versammelte, gab es Stimmen aus dem Mob, die ganz ähnlich klangen: "Wir sind hier in unserem Block bestimmt nicht ausländerfeindlich", hieß es auch damals. Doch von Ausländern und Asylbewerbern hatten die Menschen nahezu dasselbe Bild: "Das sind in meinen Augen Schmarotzer, die auf unsere Kosten, auf die arbeitenden Menschen hier, sich fett machen wollen." Eine Frau meint: "Hier kommen die Asylanten rein und verunreinigen die Wohnung, die haben doch gar keine Kultur. Der Deutsche ist ja bekannt, dass er reinlich ist."

Nichts gelernt?

Das traurige Ergebnis des Vergleichs: Auch mehr als 20 Jahre später, haben sich die Vorurteile offenbar nicht geändert. Eine ältere Frau fordert auf einer Pegida-Demonstration vor der Kamera: "Wir sollen doch die Kriminellen endlich mal abschieben! Schluss damit, mit der Solidarität!" Vor gut 22 Jahren drückte es eine Frau in Rostock-Lichtenhagen so aus: "Schon wieder sind neue Busse mit denen da, die sollen sie raus, raus in den Wald rein, nur raus." Und fügt dann noch hinzu: "Wenn man jetzt einen Stein nimmt und schmeißt, und der trifft keinen Polizisten, aber einen von den Asylanten - ich würde noch mithelfen."

Lisa-Marie Eckardt