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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Bachmann weg, Pegida bleibt

Ironie des Schicksals: Facebook-Hetzer Bachmann stolpert über seine Postings. Pegida jedoch wird weitermachen. Als Leitfigur hat Bachmann ohnehin nie getaugt.

Von Johannes Röhrig

Muss er wieder in den Knast? Lutz Bachmann, zurückgetretener Pegida-Organisator

Muss er wieder in den Knast? Lutz Bachmann, zurückgetretener Pegida-Organisator

Eine der Pointen der Pegida-Geschichte ist, dass sich die Anti-Islam-Bewegung zunächst auf sozialen Kanälen wie Facebook Bahn brach, bevor sie es schaffte, Zehntausende auf die Straße zu bringen. Und dass es ausgerechnet jene Facebook-Einträge sind, mit denen Lutz Bachmann gern Stimmung machte, die den Pegida-Gründer jetzt zum Rückzug zwingen.

Als Bachmann im September des vergangenen Jahres Ausländer als "Dreckspack" und "Viehzeug" verunglimpfte, nahm kaum jemand Anstoß an seinen Postings. Pegida gab es noch nicht. Und wer kannte schon Bachmann?

Das ist heute anders: Zuletzt hörten in Dresden 25.000 Menschen zu, wenn der 41-Jährige gegen die angeblich bevorstehende Islamisierung des Landes und die verdorbene Politikerkaste hetzte. Pegida findet in Talkshows statt und in der Neujahrsansprache der Kanzlerin.

Fünf Seiten im Zentralregister

Am Mittwoch trat Bachmann aus dem Vorstand der Organisation zurück. Doch wer hofft, damit sei auch Pegida bald erledigt, täuscht sich.

Ohne Frage besitzt Bachmann demagogisches Talent. Wer bei den Montagsdemonstrationen der Pegida-Anhänger in Dresden war, konnte beobachten, wie er die Menge im Griff hält. Die Leute johlen, wenn er sie dazu anfeuert. Und sie verstummen, wenn er Ruhe wünscht. "Heute nicht", unterband Bachmann beim jüngsten Aufmarsch rigoros anschwellende Rufe gegen die "Lügenpresse".

Als Leitfigur einer Bewegung, die nicht nur am Rand der Gesellschaft Anhänger fischt, taugte Bachmann jedoch nie. Das liegt an seiner Vita. Die Liste seiner Vorstrafen und Strafverfahren umfasst im Bundeszentralregister fünf Seiten. Diebstahl, Körperverletzung, Drogendelikte. Aktuell droht Bachmann erneut Haft, falls er in einem Unterhaltsprozess verurteilt wird. Schon daher war Bachmann für die Pegida-Spitze auf Dauer keine Option - auch ohne seine Postings und das nun aufgetauchte Bildchen, das ihn im Hitler-Style zeigt.

Sie bleiben - und wählen

Pegida bedient weit mehr als dumpfe Befürchtungen vor einer islamistischen Invasion. Die Bewegung trifft laut Umfragen den Nerv einer vorwiegend männlich geprägten, konservativen Klientel, es sind Leute mit Abstiegsängsten und Frust über etablierte Parteien.

Pegida-Gründer Lutz Bachmann hat in Dresden ein Ventil geöffnet, daraus strömt diffuse Aggression. Der reicht über den Umgang mit dem Islam längst hinaus. Das muss man ernst nehmen. Auch wenn die Knallcharge Bachmann weg ist - die Unmut-Bürger lassen sich nicht so leicht wieder einfangen. Sie bleiben und wählen bald die AfD.