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Polizistinnen-Mord in Heilbronn: Die Jagd nach dem Phantom

Wer ist die Frau, die in Heilbronn aus nächster Nähe eine junge Polizistin erschoss? Die seit 14 Jahren eine Spur des Verbrechens durch Süddeutschland, Österreich und Frankreich zieht? Die an über 20 Tatorten ihren genetischen Fingerabdruck hinterließ? Lange tappte die Polizei im Dunkeln. Jetzt weiß sie immerhin, wo sie suchen muss.

Von Ingrid Eißele und Rainer Nübel

Hat er sich ein Bild von ihr gemacht? Dunkelhaarig, harte Gesichtszüge, kräftig gebaut mit kantigen Bewegungen? Nein, so weit geht der Chef der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach nicht. Aber Emotionen hat sie immerhin geweckt bei ihm, diese Frau. "Nicht auch das noch!", hat es Jürgen Brauer vor ein paar Wochen durchfahren, als er die Nachricht von dem "Spur-Spur- Treffer" erhielt. Brauer kann es bis heute schwer fassen: "Man traut sich kaum zu glauben, dass die Frau zu so einer Tat fähig ist."

Die Frau. Das Phantom. Die Mörderin, Einbrecherin, Räuberin, nach der Deutschland seit zwei Wochen so intensiv sucht. Die Frau ohne Namen und ohne Gesicht. Brauer, 50, ein sportlicher Typ mit kurzem dunklem Haar, und seine Kollegen kennen sie schon lange. Er weiß, dass sie mindestens seit 1993 irgendwo da draußen umherzieht. Dass sie stiehlt. Dass sie sich Drogen spritzt. Und dass sie tötet. Er weiß ziemlich genau, wann sie wo an welcher Tat beteiligt war, die meisten Spuren sind eindeutig. Aber das ist auch schon alles, was er über die Frau weiß.

Die Fälle sind nie gelöst worden

Und jetzt das: Der "Spur-Spur-Treffer". Die zweifelsfreie Übereinstimmung zweier Spuren in der zentralen DNA-Datei des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden. Sie belegt eindeutig, dass die Frau bei dem brutalen Überfall auf zwei Polizisten in Heilbronn dabei war. Spuren ihrer DNA wurden am Tatort gefunden. Genau wie bei dem Mord an einer Rentnerin in Idar- Oberstein, damals, im Mai 1993. Seitdem sucht die Kripo die Täter, der Fall ist nie gelöst worden. Erst als die Asservate, darunter eine Kaffeetasse, 2001 auf DNA-Spuren untersucht wurden, stellte sich heraus: Es muss eine Frau dabei gewesen sein. Die Frau, wie er jetzt weiß. Denn nun hat sie auch noch eine Polizistin auf dem Gewissen.

Am frühen Nachmittag des 25. April werden die junge Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter tot und ihr Kollege Martin A. schwer verletzt auf der Theresienwiese in Heilbronn gefunden. Auf beide ist aus nächster Nähe geschossen worden, offensichtlich ohne Warnung - sie hatten nicht einmal ihre Pistolen gezogen. Es scheint, dass die beiden in ihrem Dienstwagen, einem 5er-BMW-Kombi, gerade Mittagspause gemacht haben, als sich die Täter von hinten näherten. Michèle Kiesewetter, 22, ist sofort tot. Martin A., 25, überlebt. Er sitzt nach wochenlangem Koma im Rollstuhl, kann sich aber an nichts erinnern. Auf der Mittelkonsole und auf dem Beifahrersitz des BMW finden die Ermittler der Soko "Parkplatz" DNA-Material, das sie eindeutig einer Frau zuordnen. Der Frau. Die Möglichkeit, dass es sich um einen Mann handelt, liegt im Promillebereich. Mit einigem wissenschaftlichen Aufwand könnten Spezialisten nun sogar Hinweise auf die ethnische Herkunft herleiten und damit Rückschlüsse auf Augen- und Haarfarbe ziehen. Aber da nur das DNA-Identifizierungsmuster untersucht wird stehen solche Informationen den Ermittlern nicht zur Verfügung. Nur der genetische Fingerabdruck - und das Geschlecht dürfen nach Rechtslage ermittelt werden.

Ein Rätsel mit 1300 Spuren

Die Soko vermutet, dass mindestens zwei Täter am Werk waren. Denn die Projektile, die die Polizisten trafen, stammen aus verschiedenen Waffen. Mehr als 1300 Spuren und Hinweise werten die Heilbronner Ermittler in den folgenden Wochen aus - und stehen doch weiter vor einem Rätsel. Es gibt kein ersichtliches Motiv. Es gibt keine Zeugen. Es gibt nur die DNA. "Es ist sehr schwer, keine solche Spur zu hinterlassen", sagt Horst Haug vom Landeskriminalamt Stuttgart. Über die Hälfte der DNA-Körperspuren stammt aus sogenanntem Hautabrieb, winzigen Schüppchen, die sich ständig unbemerkt vom Körper lösen. Sie werden von den Kriminalisten am Tatort mihilfe von Klebefolien gesammelt. Eine Fitzelarbeit mit unermesslichen Folgen: Die DNA-Analyse hat ein neues Zeitalter der Verbrechensaufklärung eingeläutet. Die zentrale DNA-Datei des BKA, ein gigantischer Spurenspeicher, ist inzwischen auf knapp eine halbe Million verdächtiger Personen angewachsen. Eine davon ist die Frau.

Seit 14 Jahren zieht sie einem Phantom gleich durch Deutschland, Österreich und Frankreich. An mehr als 20 Tatorten hinterlässt sie ihren genetischen Fingerabdruck. Sie ist bei Einbrüchen dabei, bei Diebstählen, bei Morden. Nach bisherigem Ermittlungsstand beginnt ihr kriminelle Karriere im Mai 1993. Da wird in Idar-Oberstein die 62- jährige Lieselotte Schlenger mit einem Blumendraht erdrosselt. Jahrelang ruht der ungelöste Fall, bis 2001 die Kaffeetassen-Spur entdeckt wird. Ob die Täterin in der Zwischenzeit weitere Verbrechen begangen hat, weiß derzeit niemand. Durchaus möglich, dass noch weitere Asservate mit ihrer DNA in irgendeinem Polizeikeller ruhen. Sicher ist nur das nächste Verbrechen: der Überfall auf den 61-jährigen Trödelhändler Josef Walzenbach in Freiburg am 24. März 2001. Er wird nieder geschlagen und erdrosselt, der Täter - dieselbe Frau - stiehlt vermutlich Bargeld. Von nun an folgen die Vorfälle Schlag auf Schlag:
11. Oktober 2001: Fund einer Heroinspritze in Gerolstein. Ein siebenjähriger Junge ist in die Nadel getreten, die Eltern erstatten Anzeige gegen Unbekannt wegen Körperverletzung. Jetzt ist klar: Die Frau ist drogenabhängig.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 2001: Einbruch in einen Wohnwagen in Mainz-Budenheim. Die Frau übernachtet vermutlich hier und isst Kekse, an denen später Speichelreste gefunden werden.
In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 2003: Einbruch in ein Büro in Dietzenbach bei Offenbach. Die Kaffeekasse wird gestohlen.
Im Dezember 2003: Diebstahl eines Autos in Heilbronn. Als der Wagen wieder auftaucht, findet sich am Tankdeckel die Genspur der Frau. Der Täter wird gefasst, er gibt zu, Komplizen gehabt zu haben - allerdings keine Frau. Die Polizei ist irritiert. Hat sie es vielleicht mit einem Transsexuellen zu tun? "Man fängt ja an, an allem zu zweifeln. Dieser Fall ist voller Kuriositäten", sagt der Freiburger Oberstaatsanwalt Edgar Villwock, der eng mit den Heilbronner Kollegen zusammenarbeitet.

Eine Kugel trägt die Spur der Frau

Nach einem weiteren Einbruch in Freiburg (DNA-Spur der Frau an einer Wasserflasche) sowie zwei Einbruchsserien in Österreich kommt es zur bislang merkwürdigsten Verwicklung des Phantoms in ein Verbrechen: Am 6. Mai 2005 wird in Worms ein Mordversuch am Chef eines Sinti-Clans verübt. Sechsmal schießt Randolf W. mit seiner Pistole, Kaliber 7.65, auf seinen Bruder, der letzte Schuss verletzt diesen lebensgefährlich. Randolf hatte sich gedemütigt gefühlt, weil er das Grab des verstorbenen Vaters, Anführer einer 200 Personen umfassenden Großfamilie, nicht pflegen durfte und sich in der Rangfolge zurückgesetzt empfand. Eine der abgegebenen Kugeln trägt die Spur - der Frau. War es ihre Waffe? Hat sie sie zumindest geladen? Randolf W. behauptet, die Waffe habe seinem Vater gehört. Sein Bruder bestreitet das: "Nie im Leben." Auf weitere Fragen der Polizei schweigen die Brüder.

Schon nach dem Spritzenfund in Gerolstein hatte die Polizei den Kreis der Verdächtigen eingeengt: Die Frau ist offenbar sehr mobil und drogenabhängig. Beim Einbruch in eine Kneipe in Karlsruhe-Bulach im Dezember 2005 hatte sie offenbar zwei Flaschen Bier und vermutlich Wein getrunken, ehe sie ihre Diebstahlsserie in Österreich fortsetzte. Eine Obdachlose? Mitglied einer Drückerkolonne? Eine Sinti- oder Roma-Frau, worauf der Fall in Worms hinweisen könnte? Schon ab Ende 2001 machen die Ermittler einen großflächigen Gentest: Mehr als 3000 Junkies, Drücker und Wohnungslose, die sich zur betreffenden Zeit in der Nähe der Tatorte aufgehalten haben, müssen eine Speichelprobe – im Polizeideutsch "speicheln" genannt – abgeben. Ohne Erfolg. Die Fahnder recherchieren auch bei den Mitgliedern von "mobilen sozialen Gruppen" wie Sinti und Roma, doch die sind schwer zu erfassen. "Diese Gruppen kann man nicht flächendeckend speicheln", sagt der Freiburger Kriminalhauptkommissar Bruno Bösch.

Niemand will etwas gesehen haben

Die Spur in Kreisen der Sinti und Roma gilt im Moment in Heilbronn als die heißeste. Offiziell will das niemand bestätigen, aber "wir prüfen auch intensiv im Zigeunermilieu", sagt ein Ermittler vage und politisch unkorrekt. Inzwischen reicht der Aktionsradius der Frau bis nach Frankreich. Ihre Spur wurde auch in Besançon gefunden - an einer Spielzeugpistole, die 2004 bei einem Raubüberfall eine Rolle spielte. Tatorte wie Freiburg, Heilbronn oder Worms liegen in der Nähe bekannter Stützpunkte großer Sinti- und Roma-Clans. Viele von ihnen nutzen ein Busunternehmen, das von Heilbronn aus regelmäßig nach Rumänien fährt, etappenweise aber auch nach Österreich und Frankreich. Am Tag des Polizistenmordes soll ein Bus nach Rumänien gefahren sein. Und schließlich hielten sich an jenem verhängnisvollen 25. April mehrere Sinti- und Roma-Familien mit ihren Wohnwagen keine hundert Meter vom Tatort entfernt auf der Theresienwiese auf. Doch niemand will etwas gesehen haben.

Dass die Frau schon früher einmal im Dienstwagen der beiden Opfer transportiert worden ist - und dabei ihre DNA-Spur hinterlassen hat - schließen die Fahnder aus. Das Fahrzeug gehörte zur Böblinger Bereitschaftspolizei, nicht zur Heilbronner. Ebenso wie die beiden Polizisten. Sie waren aus Böblingen ausgeliehen und immer wieder auch als "nicht offen ermittelnde Polizeibeamte", sogenannte NoeP, im Einsatz gewesen. NoeP sind keine speziell geschulten verdeckten Ermittler, die sich für längere Zeit in kriminelle Milieus begeben. Es sind vielmehr in Zivil gekleidete Polizeibeamte, die vor allem als Scheinkäufer in kleineren Drogengeschäften auftreten. So war Michèle Kiesewetter schon früher in Heilbronn als NoeP eingesetzt worden, wo sie bei einer Drogendealerin fünf Gramm Heroin gekauft hatte. Ein Einsatz, bei dem laut Polizei-Insidern auch Querverbindungen in das Sinti-Milieu festgestellt wurden. Solche "Unterstützungseinsätze" ortsfremder Beamter werden in Baden-Württemberg nicht zentral erfasst, niemand weiß, wer wo schon als "Lockvogel" gearbeitet hat. Umso fahrlässiger ist es, wenn solche Polizisten dann in Uniform am selben Ort auftauchen. Theoretisch wäre es möglich, dass die Frau den Heroinkauf beobachtet - und Michèle Kiesewetter wiedererkannt hat. Die Ermittler fürchten, dass die Frau immer kaltblütiger, immer gefährlicher wird. In Heilbronn raubten ihr Komplize und sie die Dienstwaffen und ein Paar Handschellen. Die Portemonnaies der Polizisten ließen sie liegen. Was hat das Phantom als Nächstes vor?

Mitarbeit: Mathias Rittgerott, Hans Peter Schütz, Regina Weitz

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.

Von:

Ingrid Eißele und Rainer Nübel