Reaktionen Wie Prinz Wowereit sich feiert


Noch stehen die Regierungskoalitionen in Berlin und Schwerin nicht endgültig fest, aber schon früh haben Sieger und Verlierer ihre Ergebnisse kommentiert. Kurios war das Selbstbewusstsein Friedbert Pflügers, gewitzt die Sprüche Klaus Wowereits.
Von Florian Güßgen

Er hat das Ergebnis der SPD verbessert - und darf sich möglicherweise noch zwischen der Linkspartei und den Grünen als Koalitionspartner entscheiden. Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister Berlins, ist der Sieger dieses Wahlabends. Ensprechend locker trat Wowereit bereits um Viertel vor sieben vor seine Anhänger im Berliner E-Werk. "Die Berliner vertrauen uns", sagte er. Er freue sich, dass die NPD es nicht ins Berliner Abgeordnetenhaus geschafft habe. Mit Blick auf seinen möglichen Koalitionspartner sagte Wowereit: "Eines kann man schon sagen: Ohne die SPD kommt keine Regierung zustande - und das ist auch gut so." Mit dem letzten Zusatz spielte er auf seine legendäre Coming-Out-Rede an, in der er sich im vorherigen Wahlkampf offen zu seiner Homosexualität bekannt hatte: Damals sagte er: "Ich bin schwul - und das ist gut so."

Wowereit sagte, er werde sowohl mit der Linkspartei als auch mit den Grünen Sondierungsgespräche beginnen. Mit beiden Parteien gebe es inhaltliche Berührungspunkte.

"Rot-Rot ist abgestürzt"

Erstaunlich selbstbewusst trat Wowereits CDU-Herausforderer Friedbert Pflüger vor die Kameras. Seine Partei hatte ihr historisch schlechtestes Ergebnis hinnehmen müssen. Dennoch versicherte Pflüger: "Die CDU in Berlin ist nach fünf schweren Jahren wieder da." Das Ergebnis der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus sei ein Misstrauensvotum gegen Rot-Rot, also die Koalition von SPD und Linkspartei. "Rot-Rot ist abgestürzt," sagte Pflüger. Er kündigte an, am kommenden Dienstag als Fraktionschef der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus kandidieren zu wollen. "Ohne die CDU als starke bürgerliche Kraft wird man die enormen Probleme Berlins nicht lösen", sagte Pflüger der ARD.

Beck spricht von "Lafontaine-Malus"

SPD-Chef Kurt lobte beide Wahlergebnisse. "Beide Regierungschefs werden ihre Länder weiter regieren", sagte er. "Das war unser erstes Wahlziel. Das ist erreicht", sagte Beck. "Die Berliner wollen ihren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit behalten. Die CDU hat auf niedrigem Niveau noch einmal verloren", sagte der SPD-Chef. Dann machte er eine Kunstpause, die als demonstrative Zurückhaltung gegenüber dem Koalitionspartner im Bund verstanden werden musste, dann sagte Beck. "Das muss ich nicht bewerten." Er sagte, es sei bemerkenswert, dass die Linkspartei herbe Verluste habe hinnehmen müssen. "Das ist ein eindeutiger Lafontaine-Malus."

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte in Berlin, das Ergebnis sei ein klares Votum gegen Rot-Rot. Dieses Bündnis habe an Zustimmung massiv verloren, sagte Pofalla. Er appellierte an die SPD in Schwerin, eine große Koalition mit der CDU zu bilden.

In Berlin lobte FDP-Chef Guido Westerwelle das Abschneiden seiner Partei vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Die FDP sei damit eine von drei gesamtdeutschen Parteien, die sowohl im Osten als auch im Westen gewählt werde. Grünen-Chefin Claudia Roth, das Votum in Berlin sei ein klares Mandat für eine rot-grüne Koalition in der Bundeshauptstadt.


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