Schattenkabinett Merkel bittet Stoiber nach Berlin


Zwei Sozialwissenschaftler glauben, dass ein Unionssieg bei den Neuwahlen noch längst nicht in trockenen Tüchern ist. Umfragen allerdings behaupten das Gegenteil und Angela Merkel intensiviert ihre Personalplanungen.

Sollten die aktuellen Umfrageergebnisse zur Bundestagswahl auch nur annähernd die Wahrheit widerspiegeln, wird CDU/CSU im Herbst einen erdrutschartigen Sieg einfahren. Würden die Bürger nächsten Sonntag wählen, kämen die Konservativen laut Infratest Dimap auf 48 Prozent der Stimmen, die SPD gerade einmal auf 28 Prozent.

Angesichts solcher Umfrageergebnisse strickt Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel immer konkreter an ihrem Kabinett. So soll sie den CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber gebeten haben, bei einem Wahlsieg Minister in ihrem Kabinett zu werden. Die "Passauer Neue Presse" berichtet unter Berufung auf Berliner Unionskreise, Merkel habe Stoiber an Fronleichnam bei einem Gespräch unter vier Augen "eindringlich" gebeten, nach Berlin zu wechseln. Über Stoibers Antwort gebe es unterschiedliche Darstellungen: In CDU-Kreisen hieß es, er habe seine Zustimmung angedeutet. Aus CSU-Kreisen dagegen, Stoiber wolle sich noch nicht festlegen.

Die FDP registriert solche Äußerungen besonders aufmerksam. Auch wenn der CSU-Chef bisher für den Posten eines Superministers für Wirtschaft- und Finanzen gehandelt wird, scheint er ebenso für das Außenministerium im Gespräch zu sein – was den Liberalen überhaupt nicht schmeckt. Laut ihres Generalsekretärs Dirk Niebel lehnt die FDP Stoiber als Außenminister in einer gemeinsamen Bundesregierung ab. In der Sendung "Studio Friedman" auf N24 sagte Niebel, für ihn kämen weder Amtsinhaber Joschka Fischer noch Stoiber in Frage. Als hervorragend geeignet bezeichnete er nach Angaben des Senders dagegen den FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt.

Noch aber hat Schwarz-Gelb die Wahl nicht gewonnen. Und obwohl Merkel zurzeit an Popularität zulegt, wird das allein nicht nicht ausreichen, um bei der Bundestagswahl einen Sieg von CDU/CSU und FDP herbeizuführen. Behaupten zumindest die Sozialwissenschaftler Thomas Gschwend und Helmut Norpoth in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland". Am wahrscheinlichsten sei ein Patt, doch auch Rot-Grün sei nicht völlig chancenlos, so die Experten weiter.

Sie stützen sich nicht auf eigene Wählerbefragungen, sondern auf ein statistisches Modell, das weitere Faktoren berücksichtigt. Bei der Bundestagswahl 2002 hatte dieses Modell besser abgeschnitten als viele Umfragen. Im Gegensatz zu den Umfragen hatte es frühzeitig einen rot-grünen Sieg vorhergesagt. Gschwend arbeitet am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, Norpoth ist Professor an der State University New York.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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