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Schnauze, Wessi!: Die Reflexe funktionieren

"Soll er doch seine DDR wiederhaben": Auf die erste "Schnauze, Wessi"-Kolumne gab es eine Menge kritische Rückmeldungen. Autor Holger Witzel freut sich über die Diskussion. Und will mal ein paar Dinge klarstellen.

Dafür, das es angeblich kein Thema mehr ist, gab es nach der ersten Schnauze-Kolumne erschütternd viel Post. Die, die sich angesprochen fühlen, scheinen damit unbedingt das Gegenteil beweisen zu wollen. Sicher war das zu viel verlangt nach 20 Jahren andersrum, vielleicht können sie auch schon gar nicht mehr anders, aber eigentlich stand es doch deutlich in der Überschrift. Wieso schimpfen sie trotzdem zurück als stünde dort: "Bitte gib doch wie immer deinen Senf dazu"? Wieso erregt das Thema gerade die am meisten, die behaupten, es sei keins mehr? Oder woher kommt dieser Frust? Die Kommentare waren jedenfalls drastisch: "Soll er doch seine DDR wieder haben" oder "nach Nordkorea gehen!" Am Besten gefiel mir noch "Spalter", "unrasierter Flegel" und natürlich der Klassiker: "Dafür zahlt man nun seit 20 Jahren Soli!"

Weil auch der diffuse Vorwurf der Undankbarkeit immer mitschwingt, möchte ich mich erstmal in aller Form für die vielen Kommentare und E-Mails bedanken, vor allem natürlich für die aus dem schwer beleidigten Westen. Dass es immer noch so einfach ist, hätte ich nicht erwartet. Die Reflexe funktionieren, getroffene - und bitte, das ist jetzt nur so eine gesamtdeutsche Redensart und kein Tiervergleich - Hunde bellen. Manchmal scheint es fast, als jammern die einen viel mehr über das angebliche Gejammer der anderen. Einige wollen sogar bemerkt haben, dass hier womöglich "absichtlich provoziert" wird, "übertrieben, einseitig und zugespitzt".

Das immerhin hat mich nachdenklich gemacht: Unterschätzen wir sie etwa immer noch? Haben sie mehr Sinn für die Dinge zwischen den Zeilen, als sie sich sonst anmerken lassen? Ich will mich jetzt auch nicht mit billiger Ironie rausreden oder gar irgendetwas zurücknehmen, im Gegenteil: Wahrscheinlich muss man das nur Klippschulmäßiger angehen. Es ist zwar eine Schande nach 20 Jahren geheuchelter Anteilnahme, aber vielleicht kann man so neben den unvermeidlichen Missverständnissen doch noch ein paar ausräumen. Deshalb heute, auch wenn es mir schwer fällt, ihren belehrenden Ton zu imitieren, ein paar Merksätze für ewig Gestrige:

Erstens: Die DDR gibt es nicht mehr. Man kann sie also auch nicht wieder haben. Wir haben sie selbst abgeschafft, und ich persönlich bin jeden Tag dankbar dafür - nur sicher nicht irgendwelchen Leuten aus Recklinghausen.

Zweitens:

Das gleiche gilt für die BRD der 80er Jahre und die möglicherweise noch schönere Zeit davor. Diese Erkenntnis fällt dort vielleicht noch schwer, aber sollte sich langsam auch in den abgenutzten Bundesländern durchsetzen.

Drittens:

Niemand vermisst zwangsläufig eine Diktatur, bloß weil ihm auch heute nicht mehr alles so toll oder anders vorkommt wie vielleicht noch vor 20 Jahren. Immerhin haben wir, glaubt man den schönsten aller Legenden, freien Sex gegen freie Marktwirtschaft getauscht. Freiwillig. Und wenn schon nicht mehr jeder auf Anhieb sagen kann, was davon nun die Legende war, wird man wohl mal fragen dürfen: War es das wert?

Viertens:

Dass man etwas ändern kann und über Nacht nichts mehr ist, was für immer zu gelten schien, war und ist auf jeden Fall eine berauschende Erfahrung. Man muss trotzdem nicht neidisch sein, wenn die eigene Biografie nur durch die Umstellung von "Raider" auf "Twix" erschüttert wurde. So ein Systemwechsel ist auch anstrengend, ernüchternd und härtet ab. Es sei Euch von Herzen gegönnt und die Zeichen der Zeit stehen ja nicht so schlecht, dass Ihr etwas ähnliches vielleicht auch noch mal erleben dürft. Allerdings gehört auch ein wenig Mut und gegebenenfalls der Verlust von Arbeitsplatz, Häuschen und Selbstsicherheit dazu.

Fünftens:

Wenn wir das Personalpronomen "wir" benutzen, ist das nicht die dritte Person Mehrzahl der Verlierer, sondern meint nichts anderes als: nicht Ihr. Diese Identifikation mit einer nicht mal besonders homogenen Gruppe ist kein Relikt der sozialistischen Gleichmacher-Sozialisierung, wie es die zahlreichen DDR-Experten unter Euch gern vermuten, sondern entwickelte sich erst danach. Seltsamerweise gab es eine gemeinsame Identität nicht, als es die DDR noch gab. Manche schieben das auf eine gewisse Stigmatisierung im so genannten Vereinigungsprozess. Bei vielen anderen, mich eingeschlossen, war es einfacher: Wir wollten einfach nicht so sein, wie die meisten von Euch, die wir seitdem kennen lernen durften. Oder wir haben es nach kläglichen Versuchen schnell wieder aufgegeben.

Sechstens:

Deshalb rasiere ich mich zum Beispiel auch nicht mehr so oft, weil ich auf den Beschiss mit den Rasierklingen nicht hereinfalle, die zwar bald sieben Klingen haben, aber dafür immer weniger in der Packung werden. Außerdem - wenn es schon auf Äußerlichkeiten ankommt - braucht auch dieses Land wieder ein paar bärtige Bürgerrechtler, seit sich Wolfgang Thierse vom demokratischen Getue im Bundestag einseifen lässt, während dort gleichzeitig immer neue Überwachungsmaßnahmen beschlossen werden, von denen nicht einmal die Staatssicherheit träumte.

Siebtens:

Das mit dem "Soli", wer ihn bezahlt, wo er am Ende wieder landet und warum auch beim Thema Ost-Renten die Kolumnen-Überschrift gilt, bevor Ihr Euch einmal mehr darüber echauffiert, erkläre ich ein anderes mal.

*

Nur eins noch für heute, weil es einen wirklich konstruktiven Vorschlag aus der eigenen Redaktion betrifft. Ein Kollege, sonst genau so nüchtern und zurückhaltend, wie man sie alle kennt, schlug mir in einer E-Mail vor, wir (also wir) sollten doch auch einfach wieder da Urlaub machen, wo wir schon vor 25 Jahren waren, "so dass wir uns wenigstens in der schönsten Zeit des Jahres nicht wechselseitig auf den Keks gehen müssen." Schön wäre das bestimmt, da hat er Recht. Es ist nur so, dass wir nach wie vor gern an die Ostsee fahren, obwohl man dort fast nur noch Hamburger trifft, die den Darß, Rügen und - seit die unselige Bundesautobahn 20 fertig ist - sogar Usedom Jahr für Jahr ein Stück mehr versylten, wenn ihnen nicht schon die ganze Küste gehört. Wenn wir uns also darauf einigen könnten, dass uns die ostdeutsche Ostsee bleibt, verzichten wir gern wieder auf Urlaub im Bayerischen Wald.

Wäre das nicht ein neuer Anfang für die deutsch-deutschen Beziehungen, gewissermaßen Wandel ohne Annährung? Ansonsten, nun ja, siehe oben.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(