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Schuldenkrise Chinesen sollen Italien retten


In die Pleite-Angst um Griechenland mischen sich zunehmend Sorgen um die desaströse Finanzlage in Italien. In Rom sucht man jetzt nach Verbündeten in Fernost.

Im Angesicht eines gewaltigen Schuldenbergs sucht Italiens Regierung offenbar nach neuen Wegen: Bereits seit Wochen soll Rom intensiv mit Vertretern chinesischer Investmentfonds über den Kauf italienischer Staatsanleihen und eine Beteiligung an führenden Unternehmen des Euro-Landes verhandeln.

Wie die "Financial Times" berichtet, traf mit Lou Jiwei der Vorsitzende der China Investment Corporation - eines der weltweit größten Investmentfonds - in der vergangenen Woche mit Italiens Finanzminister Giulio Tremonti zusammen. Bei den Gesprächen haben nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zudem Vertreter der Cassa Depositi e Prestiti teilgenommen - einer staatlichen Institution, die für den Zugang von ausländischen Investoren an strategischen Beteiligungen in Italien zuständig ist. Laut Regierungskreisen soll es in näherer Zukunft weitere Treffen geben, berichtet die "Financial Times" weiter.

Obama besorgt wegen Euro-Krise

Italien leidet unter einer hohen Staatsverschuldung. Im laufenden Jahr erwarten Experten einen Anteil der Verschuldung am Bruttoinlandsprodukt von 120 Prozent. Der Maastricht-Vertrag sieht nur eine Schuldenobergrenze eines Mitgliedslandes der Eurozone von 60 Prozent an der Wirtschaftsleistung eines Jahres vor. Die schwierige Finanzlage Italiens steht auch im Mittelpunkt eines Treffens von Regierungschef Silvio Berlusconi mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Straßburg.

Die Lage in Rom und in Spanien besorgt auch US-Präsident Barack Obama, der die Europäer zum entschlossenen Kampf gegen die Schuldenkrise aufrief. Die Währungsunion müsse durch eine abgestimmte Haushaltspolitik ergänzt werden: "Letztlich müssen sich die großen Länder in Europa und deren politische Führer zusammenfinden und eine Entscheidung darüber fällen, wie sie die Währungsintegration mit einer effektiveren und abgestimmten Haushaltspolitik zusammenbringen."

Merkel attackiert Rösler indirekt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies unterdessen Spekulationen strikt zurück, eine Insolvenz Griechenlands solle in Kauf genommen werden. Im rbb-Inforadio bekräftigte sie am Dienstag, dass sich mit dem Euro auch die Zukunft Europas entscheide. Es gehe also um sehr viel. "Und deshalb sollte jeder auch seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht brauchen können, ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon groß genug." Wirtschafts- und Finanzpolitik sei zur Hälfte immer auch Psychologie.

Die CDU-Vorsitzende ging damit - ohne ihn namentlich zu erwähnen - deutlich auf Distanz zu FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Dieser hatte in einem Beitrag für die "Welt" geschrieben, es dürfe auch kurzfristig keine Denkverbote mehr geben. "Dazu zählt notfalls auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands, wenn die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stehen."

BDI: Noch nicht zu spät für Griechenland-Rettung

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will die mögliche Staatspleite Griechenlands unbedingt verhindern - dafür sei es nach Ansicht von Hauptgeschäftsführer Markus Kerber noch nicht zu spät: "Die griechischen Probleme sind lösbar, aber jemand muss sie lösen." Da komme eine große Verantwortung auf die Bundesregierung zu.

fw/DPA/Reuters DPA Reuters

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